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Forum - Thema: Label Rapideyemovies

Seite 1 von 2 | »»
Thema: Label Rapideyemovies
Autor Beitrag


Beitrag #1 - erstellt: 24. Juli 2007
Asoka (2001)


Der Weg des Kriegers
Mit Shahrukh Khan, Kareena Kapoor, Hrishitaa Bhatt und Danny Denzongpa
erhältlich in deutscher Synchronisation
Label: REM

STORY
Indien im 3. Jahrhundert vor Christus: Königssohn Asoka (Shahrukh Khan) und sein Stiefbruder Susima (Ajit Kumar) kämpfen um den Thron. Um familiäres Blutvergiessen zu verhindern, schickt Asokas Mutter Dharma (Subhashini Ali) ihn ausser Landes. In Khalima, dem heutigen Orissa, trifft Asoka auf Prinzessin Kaurwaki (Kareena Kapoor) und ihren kleinen Bruder Arya, den Thronfolger. Sie sind vor tödlichen Intrigen am Palast geflohen. Asoka heiratet Kaurwaki und kehrt erst einmal ohne sie in die Heimat zurück. Weil er von dort gleich wieder an die Front beordert wird, kann er seine Frau nicht aufsuchen. Als er nach Khalima zurückkehrt, heisst es, sie sei tot. In Wahrheit hat Arya jedoch den Thron übernommen! Asoka kehrt heim nach Magodha, tötet alle Brüder, übernimmt den Thron und wird ein Tyrann. Er ahnt nicht, wer in Khalima auf dem Thron sitzt und erklärt dem Land den Krieg!
REVIEW
Ein wuchtiges Epos à la Bollywood von Kameravirtuose und Regisseur Santosh Shivan (Terrorist). Der Aufwand ist beeindruckend, die Auflistung der Inhalte ebenso: wunderbare Bilder, theatralische Schauspieler, glühender Regionalpatriotismus, schöne Frauen und etwas zu viele Songs. An den Kinokassen war das 170-Minuten-Mamutwerks trotzdem ein Flop. Wohl auch, weil die Fans Shahrukh als historischen Helden nicht unbedingt akzeptieren wollten. Über die künstlerische Qualität des Films sagt dies wenig aus, denn nicht nur Shahrukh meistert den Part souverän, auch der Rest des Films ist für jeden Fan des etwas anderen Bollywood einen Blick wert.

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch

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Produktempfehlungen


Beitrag #2 - erstellt: 24. Juli 2007
Baazigar (1993)


Mit Shahrukh Khan, Kajol, Shilpa Shetty und Dalip Tahil
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertieb: REM

Story
Der reiche Unternehmer und Hobby-Rennfahrer Madan Chopra (Dalip Tahil) hat zwei attraktive Töchter - und beide haben sich verliebt: Seema (Shilpa Shetty) hat sich heimlich in ihren College-Schatz Ajay (Shahrukh Khan) verknallt, während Priya (Kajol) etwas öffentlicher mit Vicky Malhotra (Shahrukh Khan) turtelt. Als Madha Seema mit einem Fremden verheiraten will, bittet sie Ajay um eine Lösung. Ihm kommt nur Selbstmord in den Sinn. Sie schreiben einen Abschiedsbrief, danach offenbart Ajay, dass er dies nur getan hat, um Seemas Treue zu testen. Sie gehen zum Zivilstandsamt, doch auf dem Dach zeigt Ajay sein wahres Gesicht [es folgen ein paar Spoiler] Er wirft Seema über den Dachrand in den Tod. Kurz darauf wird ihr Abschiedsbrief gefunden, womit Selbstmord als Todesursache klar ist. Nur Priya hat Zweifel - und das zu Recht, denn ihr Vicky ist Ajay! Sein einziges Ziel: Rache an Madan Chopra.
Review
Die Regie-führenden Brüder Abbas Alibhai Burmawalla und Mastan Alibhai Burmawalla - besser bekannt als Abbas-Mastan - sind immer für einen spannenden Thriller gut. Drehbuchautor Robin Bhatt ist immer für ein Remake zu haben ("Analyze This" und "A Perfect Murder" waren schon Opfer). Beide Kräfte vereint: Ein Remake eines US-Thrillers ("A Kiss Before Dying", 1986). "Baazigar" ist aber mehr als nur ein weiteres Remake. Der im Jahr 1993 erschienene Streifen markiert auch den Durchbruch von Superstar Shahrukh Khan. Für ihn begann mit dem Film eine Hitserie, die zwei Jahre später bereits den grossen Höhepunkt (DDLJ) erreichte und seither kaum mehr abflachte. "Baazigar" war auch die erste Zusammenarbeit von Shahrukh und Kajol, einem der beliebtesten Bollywood-Leinwandpaare, u.a. zu sehen in den Megahits DDLJ, KKHH und KKKG.
Rache und Liebe, zwei beliebte Themen im Hindi-Kino vereint. Shahrukh ist eigentlich ein ziemlich derber Bösewicht, aber dennoch hat er die Sympathien auf seiner Seite. Das mag moralisch mehr als fragwürdig sein, aber Bollywood erkannte danach, dass es nicht schadet, den Helden zum Bösewicht zu machen. Etwas, was u.a. Shahrukh bis heute erlaubt, anders als vielen seinen Kollegen, immer wieder mal einen bösen Kerl zu spielen.
Inszeniert ist der Film wie von Abbas-Mastan gewohnt sehr solide, die Songs machen Laune und die Schauspieler sind gut - einzig die Frisuren sind doch noch in den 80ern hängen geblieben (Shilpa Shettys Haarpracht ist besonders spektakulär). Dalip Tahil gibt mal wieder einen cleveren Bösewicht, Kajol hat alle Sympathien auf ihrer Seite und Shahrukh bleibt wie bereits erwähnt dank seinem dubiosen Charakter interessant. Sogar Johnny Lever ist in dem Film nicht so schlecht. Ich bin bekanntermassen kein Fan des Komikers, aber ihn als Butler mit Gedächtnisproblemen zu besetzen, sorgt für ein paar echt lustige Momente. Diese stören zwar den düsteren Ton des Films, machen aber Spass. Und noch ein Letztes: Das Finale ist verdammt brutal. Da wird wie in Shahrukhs härtesten Filmen geblutet, gekämpft und gestorben. Es ist v.a. diese Passage, die den Film als Familienfilm untauglich macht. Zusammengefasst: Eine spannende Story kompetent umgesetzt. Nicht mehr, nicht weniger.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch / http://www.molodezhnaja.ch/india_b.htm

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Beitrag #3 - erstellt: 24. Juli 2007
Chalte Chalte (2003)



Wohin das Schicksal uns führt
Mit Shahrukh Khan und Rani Mukherjee
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertieb: REM

Story
Raj (Shahrukh Khan) betreibt eine kleine Speditionsfirma und ist ein charmanter Draufgänger. Priya (Rani Mukherjee) ist eine elegante Modedesignerin, die in Griechenland lebt. Die zwei ungleichen Menschen treffen sich bei einem Unfall - und finden sich nach einem Streit eigentlich ganz sympathisch. Raj hat sich sogar doll verliebt. Als sie ihm erklärt, sie werde in Griechenland ihren Kindheitsfreund Sameer (Jas Arora) heiraten, reist Raj ihr nach. Auf dem Weg nach Athen wird auch Priya klar, dass sie Raj liebt. Sie bittet ihre Familie, die Heirat abzusagen und einer Ehe mit Raj zuzustimmen. Das tun sie, es wird geheiratet. Doch in der Bilderbuch-Ehe ziehen bald schwarze Wolken auf.
Review
"Chalte Chalte" ist die dritte Produktion von Dreamz Unlimited, der Produktionsfirma von Shahrukh, Juhi Chawla und Regisseur Aziz Mirza (Yes Boss).
Gleiches gilt für Shahrukhs Dauerpartnerin Rani Mukherjee, deren rauhe Stimme und wunderschöne Augen einen einmal mehr sofort gefangen nehmen. Shahrukh und Rani sind ein wunderbares Paar und ihre Turteleien in der ersten Hälfte ebenso romantisch wie liebevoll. Untermalt wird die Romanze von hübschen, aber uncharakteristischen Songs, die mit wunderbaren Bildern unter anderem von Griechenland verschönert werden. Technisch ist an "Chalte Chalte" eh nichts auszusetzen: eine absolut saubere Produktion. Und die Nebendarsteller, die kaum benötigt werden, sind okay. Das gilt sogar für Johnny Lever als Penner, der immer wieder "Le jayenge, le jayenge" aus dem 1973er-Film "Chor Machaye Shor" anstimmt. Nur eine von vielen Filmreferenzen. Eine andere ist die Szene, in der Shahrukh Sunny Deol lobt - eine nette Geste, heisst es doch, die beiden seien seit Darr erbitterte Feinde.
Die Intermission (Pause) ist der eigentliche Höhepunkt, danach gehts leicht abwärts. Der Film folgt in etwa der Handlung von Saathiya (auch mit Rani und mit Shahrukh in einer Nebenrolle) und zeigt, dass auch die schönste Ehe-Fassade Risse bekommt. Das ist zwar realistisch, aber hat nicht mehr soviel Schwung wie die erste Hälfte. Das Ende ist konventioneller als jenes von "Saathiya", aber es ist passend - es schliesst weniger mit einem Finale, als mit einer Momentaufnahme. Der Abschluss eines schönen, aber letztendlich unspektakulären Films, der vor allem Shahrukh-Fans in Hochstimmung versetzen wird.

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch / http://www.molodezhnaja.ch/india_c.htm

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Beitrag #4 - erstellt: 24. Juli 2007
ChandraMukhi (2004)



Der Geisterjäger
Tamilische Actionkomödie mit Rajnikanth und Jyothika
in Tamilisch mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation
Vertrieb: REM

STORY
Die jungen Eheleute Senthilnathan (Prabhu) und Ganga (Jyothika) haben sich die alte Vettayapuram-Villa gekauft, um sich mit ihrer Familie zu versöhnen. Doch auf dem alten Gemäuer scheint ein Fluch zu lasten, da dort vor 150 Jahren der König Vettayan die anderweitig verliebte Chandramukhi lebendig hat verbrennen lassen. Der Geist der Toten, so die Legende, treibe noch immer sein Unwesen und sei getrieben von Rachegelüsten. Chandramukhis Asche ist deshalb in einem versiegelten Raum eingeschlossen. Senthil und Ganga lassen sich von solchen Schauermärchen nicht abschrecken und ziehen in ihr neues Heim, begleitet von Senthils Bruder, dem in den USA lebenden Psychiater Saravanan (Rajnikanth). Der weiss sich in allen Situationen zu helfen und kommt natürlich auch mit Geistern klar.
REVIEW
Mit seinem tamilischen Remake des 1993er-Malayalam-Films "Manichitrathazhu" landete Regisseur P.Vasu einen gigantischen Hit. "Chandramukhi" soll weltweit eine Milliarde Rupien (22 Millionen Dollar) eingespielt haben und lief in Tamil Nadu über zwei Jahre im Kino. Für Superstar Rajnikanth ein phänomenales Comeback nach drei Jahren Pause und dem Beinahe-Flop "Baba".
Die trashige Fantasykomödie ist nicht halb so wild wie andere zeitgenössische Produktionen aus Südindien und hängt im Mittelteil derart durch, dass mehr als eine Stunde lang Schnarchen angesagt ist. Die Story gibt wenig her, kommt im Mittelteil keinen Deut voran. Die Überraschungen sind dünn gesät, der Grusel ebenso. Und die Gags sind derart tief gelegt, dass sie selbst für das Kalauer-verseuchte Tamil-Kino nur unterdurchschnittlich gut funktionieren. Auch wenn man an "Chandramukhi" herangeht wie an ein kunterbuntes Trash-Bonbon, so ist dieser laue Mittelteil schlicht unverzeihlich. Höchstens die adretten Songs lockern diese Phase auf, bevor das Ganze gegen Schluss wieder etwas anzieht und Jyothika endlich mal etwas loslegen darf.
Doch dies ist ja auch nicht deren Show, sondern jene von Superstar Rajnikanth. Der Held der Massen und bestbezahlte Schauspieler Indiens hat ein paar wirklich gute Szenen, sein fieses Grinsen wirkt ansteckend, seine bescheidene Kampfkunst lässt laut heraus lachen. Doch ohne dem lebenden Denkmal zu nahe treten zu wollen: Er ist weder glaubhaft noch sonderlich charismatisch in der Rolle. Zu oft reduziert sich sein Part auf den des Stichwortgebers, die Chemie mit den Co-Stars ist schlecht. Und wenn er elend lang referieren muss, sinkt die Spannungskurve gegen Null.
Zurück bleibt ein fader, überlanger Genre-Mix, der weder als Komödie, noch als Actionfilm oder als Fantasyhorror richtig überzeugen kann. Wer erstmals mit südindischem Masala in Kontakt kommt, wird überwältigt sein von der Abgedrehtheit von Action, Witz und Look, doch die Unterschiede zu anderen Filmen sind diesbezüglich nur marginal. Denn schick inszenierte Songs, absurde Action und nervige Comedy bieten sie fast alle. Von diesem "wow"-Faktor mal befreit ist "Chandramukhi" aufgeblasener Trash, der zwischen seinen irrwitzigen Momenten vor allem eines bietet: viel viel Langeweile.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

© Text Marco, molodezhnaja
http://www.molodezhnaja.ch/chandramukhi.htm

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Beitrag #5 - erstellt: 24. Juli 2007
Chokher Bali (2003)


Mit Aishwarya Rai, Prasenjit Chatterjee und Raima Sen
in Bengali mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.

Story
Kalkutta zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Der Medizinstudent Mahendra (Prasenjit Chatterjee) und sein Jugendfreund, der Poet Behari (Tota Roy Chowdhury), lehnen eine Heirat mit der Landschönheit Binodini (Aishwarya Rai) ab. Sie heiratet stattdessen Bipin, der ein Jahr später verstirbt. Die junge Witwe kommt als Dienerin ins Haus von Rajlakshmi (Lily Chakravarty), der Mutter von Mahendra. Der Sohn ist inzwischen verheiratet mit der naiven Ashalata (Raima Sen). Die freundet sich schnell mit Binodini an und ahnt nicht, dass Binodini ebenso schön wie gefährlich ist. Will sie Rache? Will sie Rebellion oder nur Sex? Jedenfalls verführt sie unverholen Mahendra, der willig auf die Avancen eingeht ...
Review
Die positiven Kritiken von "Chokher Bali" lesen sich wunderbar. Von einem Film ist die Rede, der auf einem klassischen Buch basiert, der zu einer brisanten Zeit spielt, als Bengalen die Trennung bevorstand, der feministische und gesellschaftskritsche Züge hat - und dazu auch noch ein bewegendes Drama sei. All das stimmt auf seine Art. Aber nicht einmal habe ich auch nur angedeutet gesehen, dass der Film sterbenslangweilig ist. Auf gewisse Art tut mir die Aussage weh, weil es unübersehbar ist, wie viel Enthusiasmus die Beteiligten in das Projekt investiert haben und mit welcher Würde sie an die Vorlage herangingen. All das kann mich nicht aber über das Erlebnis hinwegtrösten, das ich beim Anschauen des Films hatte: grenzenlose Müdigkeit, anwachsendes Desinteresse und innere Unruhe. Ich wollte, dass der Film endet, so grauenhaft habe ich mich gelangweilt..
Raima Sen verkörpert Ashs naiven Gegenpart ebenfalls überzeugend und Lily Chakravarty fasziniert als Mutter des Haushalts. Die Männer, Prasenjit Chatterjee und Tota Roy, sind indes kreidenblass und öde. Da spielt wohl das Argument hinein, Ghosh und Vorlagenautor Shri Rabindranath Tagore seien an den Frauen interessiert gewesen und hätten bewusst oder unbewusst ein feministisches Statement gemacht. Tagore lebte von 1861 bis 1941, bekam 1913 den Literaturnobelpreis, wurde 1915 zum Ritter geschlagen und schrieb die Nationalhymnen von Indien und Bangladesch. Er schrieb "Chokher Bali" als Serial zwischen 1901 und 1902 und liess die gesellschaftlichen Umwälzungen dieser Zeit in den Text einfliessen.
Dieses Material ist in der Tat sehr dicht und vielschichtig. Kein Wunder also, dass Rituparno Ghosh versuchte, so nahe wie möglich an der Vorlage dranzubleiben. Doch filmisch funktionieren eben nicht alle Elemente gleich gut. Die Brief-Struktur zum Beispiel. Die ersten 10 Minuten kommt man als Laie schwer in die Materie hinein, wenn Informationen vorgelesen werden. Und später im Film bauen gelesene Briefe eine Wand zum Zuschauer auf. Es sind zwar ungefilterte Informationen im Stile eines Monologs, doch sie sind geschrieben, nicht gesagt. Und das geschriebene Wort sollte gelesen werden, nicht gehört. Man hört eine Sprache, die unnatürlich klingt - und dann ist der Inhalt auch noch so stilisiert, dass "Chokher Bali" eine Künstlichkeit bekommt, alleine schon durch diese Briefe. Kommt dazu, dass die Charaktere sich im Schneckentempo bewegen, dass sie agieren, als seien sie im langsamsten Kammerspiel der Welt. Die distanzierende Brief-Struktur, die langweiligen Männerrollen, die lethargische Inszenierung und das gediegene Ambiente erzeugen zusammen eine Mischung, die die Wirkung von Valium hat. Da kann Ashs Spiel nicht helfen, da kann die Vorlage nicht helfen, da können die schönen Bilder und die edle Musik aus Ghoshs Musical Mayar Khela nicht helfen.
Das Interessanteste fand ich jedoch, wie viel manche Kritiker in dem Film entdecken konnten. Ich vermute, dieses Material steckt in der Vorlage, nicht im Film. Da steckt fürwahr etwas Reiz drin. Doch ansonsten muss man den Tiefgang suchen. So gewaltig feministisch ist der Film nicht, sonderlich bewegend letztendlich auch nicht, weil die Figuren so dröge sind. Auch die Gesellschaftskritik bleibt unter der polierten Fassade zu wenig bissig. Was bleibt? Ein verführerischer Film mit einer brillanten Darbietung von Ash. Der Rest ist abstrakt, erschreckend kalt und eben: langweilig.
PS: Die deutschen Untertitel der englischen DVD sind leider einmal mehr durch ein Übersetzungsprogramm entstanden. Lieber die englischen Untertitel einschalten oder die neue deutsche Fassung kaufen.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch / http://www.molodezhnaja.ch/india_c.htm

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Beitrag #6 - erstellt: 24. Juli 2007
Chori Chori Chupke Chupke (2001)

Das Liebesdreieck
Mit Salman Khan, Rani Mukherjee und Preity Zinta
in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: REM

Story
Der mächtige Industrielle Kailashnath Malhotra (Amrish Puri) wünscht sich nichts sehnlicher, als dass sein Enkel Raj (Salman Khan) endlich einen Nachkommen zeugen würde. Der Wunsch scheint in Erfüllung zu gehen, als Raj die schöne Priya (Rani Mukherjee) heiratet. Nach den Flitterwochen in der Schweiz ist sie denn auch prompt schwanger. Wochen vor der Geburt fällt sie jedoch derart unglücklich zu Boden, dass sie ihr Baby verliert - und nie wieder Kinder haben kann. Nun macht sie Raj einen Vorschlag: Er soll mit einer anderen Frau ein Kind zeugen, das sie vor der Familie als das ihre ausgeben können! Raj macht sich auf die Suche und findet in der Prostituierten Madhu (Preity Zinta) eine geeignete Frau, die für viel Geld den "Job" übernimmt. Er macht sie zur anständigen Dame, danach reisen die drei in die Schweiz, um das Kind zu zeugen. Doch in dieser Zeit lernt Madhu auch Raj schätzen.
Review
Für Nachrichten noch vor dem Kinostart sorgte "Chori Chori Chupke Chupke" wegen Verwicklungen des Produzenten Nazim Rizvi in Mafia-Finanzierungen. Die Geldquellen für den Film sind bis heute nicht geklärt. Aber eines ist klar: Der Liebesfilm ist göttliches Bollywood-Entertainment. Inszeniert von den Thriller-Spezialisten Abbas-Mastan vereinigt "Chori Chori Chupke Chupke" einen gewagten Plot, "Pretty Woman"-Ideen und ein wunderbares Schauspieltrio zu einem zweieinhalb-Stunden-Erlebnis hoher Güteklasse. Es gibt kleine Dinge zu benörgeln und mit der Logik hapert es hie und da - aber von Bollywood sind wir das gewohnt. Und wenn der Rest stimmt, übersieht man Defizite gerne.
Der Rest stimmt allerdings. Die ersten Minuten sind gleich mal klasse, was am ersten Song liegt: "Number One Panjabi" ist eine wahre Stimmungskanone. Auf die Song-and-Dance-Nummern gehe ich später noch ein. Danach flacht der Plot etwas ab, nimmt aber dramatische Konturen an. Nach einer Stunde kommt Preity Zinta dazu, der Film bekommt seinen "Pretty Woman"-Drive. Und danach gehts für ein längeres Stück in die Schweiz. Die Geschichte ist relativ einfach gehalten und könnte als Handlung für eine billige TV-Schnulze herhalten. Aber Bollywood macht aus solchen Themen eben immer was Spezielles. Besser als jede andere Kino-Industrie dieser Welt.
Salman Khan, Rani Mukherjee und Preity Zinta haben schon in Har Dil Jo Pyaar Karega bestens harmoniert, und diesmal setzen sie noch eines drauf. Sie haben eine grossartige Chemie. Rani mit ihrer rauen Stimme und ihren funkelnden Augen ist emotionaler Anker des Films. Salman Khan, der für einmal sein Shirt den ganzen Film hindurch anbehält (!), ist die Ruhe selbst und zeigt Charisma. Preity beweist Wandlungsfähigkeit und macht im Film den grössten Bogen durch: von der quirligen, etwas hysterischen Prostituierten zur Ersatzmutter mit Stil und grossen Gefühlen.
Letztere sind schliesslich Trumpf in Bollywood, und obwohl "Chori Chori Chupke Chupke" nicht gerade zu Tränen rührt wie es etwa die Filme von Karan Johar tun, so vermag er doch zu berühren, amüsieren und unterhalten. Neben dem Hauptdarsteller-Trio bevölkern illustre Nebendarsteller die Szenerie. So etwa Amrish Puri als sympathischer Über-Vater, Johnny Lever als für einmal nicht so nerviger Manager und Farida Jalal als Mama. Sie hat denn auch eine der schönsten Szenen, wenn sie Preity erklärt, sie seien nun ihre Familie.
Auch sonst ist technisch wenig zu bemängeln. Die Kameraarbeit des Schweizers Thomas A. Xavier ist routiniert und mancherorts unerwartet raffiniert. Ein paar Minuten hätte man wegkürzen können und das Finale dürfte noch schmissiger sein, aber ansonsten kriegt "Chori Chori Chupke Chupke" auch dramaturgisch gute Noten. Voraussetzung ist, dass man die Ereignisse hinnimmt. Dass Rani kein Kind aboptieren will, da Amrish seine Gene weitervererbt haben will, das kann man im indischen Kontext noch nachvollziehen. Seis drum, es ermöglicht jedenfalls eine schöne Szene gleich nach jener witzigen Passage im Coop-Einkaufsladen, als ein Kassierer in bestem Oxford-Englisch einen Schneesturm ankündigt. "Chori Chori Chupke Chupke" gehört sicherlich zu den besseren Bollywood-Filmen und sollte von jedem Fan mal begutachtet werden.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch / http://www.molodezhnaja.ch/india_c.htm

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Beitrag #7 - erstellt: 24. Juli 2007
Dhoom (2004)


Die Jagd beginnt
Mit Abhishek Bachchan, John Abraham, Uday Chopra und Esha Deol
verhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Story
Der Polizist ACP Jai Dixit (Abhishek Bachchan) lebt glücklich mit seiner schönen Frau Sweety (Rimi Sen) und ist in seinem Beruf einer der besten. Der einzige Störfaktor in seinem Leben: Eine Motorrad-Gang führt in der Stadt immer wieder mit spektakulären Aktionen Diebstähle durch. Jai will sie kriegen und rekrutiert dazu den Motorrad-Freak Ali (Uday Chopra) als Helfer. Die beiden kommen dem Pizzalieferanten Kabir (John Abraham) auf die Spur, der die Gang offensichtlich anführt. Doch Kabir ist ein cleverer Kerl und lässt sich nicht schnappen. Und was hat die hübsche Sheena (Esha Deol) zu verbergen, mit der Ali anbändelt ...?
Review
"Dhoom" wurde von vielen Analysten schon vor dem Start für tot erklärt, doch der Actionfilm mauserte sich trotz seinen zuletzt nicht gerade erfolgreichen Hauptdarstellern und einem nicht gerade Bollywood-typischen Thema zu einem der grössten Hits 2004. Vielleicht weil die Produzenten Yash Chopra und Aditya Chopra (DDLJ) einfach immer Qualität garantieren. Oder weil der Film knackige 124 Minuten lang ist und genau das liefert, was er verspricht: rasante Action, Stunt-freudige Akteure und visuellen Sex-Appeal. "Dhoom" ist modernes Kino nach westlichem Gusto - jedoch versetzt mit Bollywood-Nummern und einem so typisch indischen Verständnis für komplettes und rücksichtsloses Entertainment.
Die Action ist im Vergleich zu Hollywood- und Hongkong-Ware etwas rudimentär, doch die Leute um Regiedebütant Sanjay Gadhvi versuchen wenigstens, dem Publikum etwas Spektakuläres zu bieten.
Die Akteure zeigen sich dabei topfit. Abhishek Bachchan mit cooler Brille konnte so verdient seinen ersten Hit nach langer Durststrecke landen. Der von mir sonst nicht so geschätzte Uday Chopra ist ganz cool und John Abraham spielt mal wieder böse - aber mit viel Style. Sein Shirt wird er natürlich los, damit die Mädels im Publikum was zu bestaunen haben, denn ansonsten gehört der Film eher den Jungs. Nicht nur wegen den schnellen Maschinen und der Action, auch wegen der Darstellerinnen.
Schon der erste Auftritt von Rimi Sen macht klar, dass die Damen im Cast zwar nur Schmuck sind - aber was für einer. So muss man eine sexy Dame einführen. Was mich noch mehr überraschte: Esha Deol ist richtig heiss.
Die meisten der Aufnahmen stammen aus den Songs. Es gibt viereinhalb davon. "Shikdum" ist Rimis neckische Strip- und Verführnummer mit Abhishek, deren Refrain ganz hübsch ist. "Dilbara" ist ein heisser Regentanz zu rassiger Melodie. "Dhoom Machale" bietet rockig-flotten Sound zu einer Tanz-Performance von Esha. Sehr verführerisch. Und die okay-Nummer "Salaame" bringt Uday mit Esha sowie Abhishek mit dem reizenden Item-Girl Perizaad Zorabian (Bollywood Calling, Mumbai Matinee) zusammen.
Sei es wie es wolle ... "Dhoom" bietet Genuss fürs Auge und einen Adrenalinschub für den Rest des Körpers. Der Streifen ist nicht der innovativste, schon gar nicht der hellste und auch nicht der packendste - doch er bietet zwei Stunden Entertainment in Reinform. Heisse Mädchen, heisse Maschinen und, sorry, viel heisse Luft. Den sollte sich jeder Bollywood-Fan, der nicht nur auf nur "Tanz hinter Bäumen"-Ästhetik steht, unbedingt reinziehen.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch / http://www.molodezhnaja.ch/india_d.htm

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Beitrag #8 - erstellt: 24. Juli 2007
Dil Ka Rishta (2003)



Nur dein Herz kennt die Wahrheit
Mit Aishwarya Rai, Arjun Rampal und Isha Koppikar
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Story
Der steinreiche Jai (Arjun Rampal) verliebt sich in die schöne Tia (Aishwarya Rai). Sie unterrichtet an einer Taubstummen-Schule in Mumbai, welcher Jai finanziell unter die Arme greift. Tia ahnt nicht, dass der Schönling sich in sie verguckt hat. Als er ihr seine Liebe beichtet, muss er schockiert erkennen, dass sie bereits vergeben ist: an den armen, aber liebenswerten Raj (Priyanshu Chatterjee). Da Jai trotzdem nicht nachlässt, heiratet Tai ihren Raj und gebärt ihm einen Sohn. Jai versinkt in Alkohol und Depression. Monate vergehen, bis seine beste Freundin Amrita (Isha Koppikar) Jai zur Vernunft bringen kann. Er beschliesst, dem Alkohol abzuschwören, fährt aber noch einmal in angetrunkenem Zustand - und kracht mitsamt Amrita an Bord in ein Auto. In diesem sassen Tia und Raj! Amrita und Raj versterben noch auf der Unfallstelle, Tia verliert ihr Gedächtnis. Da jede Erinnerung an ihre Vergangenheit Tias Gehirn ruinieren könnte, willigt ihre Mutter (Raakhee) schweren Herzens ein, dass Jai sie nach Südafrika bringt und ihren Sohn als den seinen ausgibt. Kann das auf Dauer gut gehen?
Review
"Dil Ka Rishta" hat viel Potenzial, verschenkt dies aber weitgehend in der zweiten Filmhälfte. Ausserdem wirkt er trotz bescheidener Lauflänge (143 Min.) deutlich zu lang. Aishwarya Rai gibt einmal mehr eine solide, wenngleich in manchen Szenen auch etwas affektierte Darbietung. Ex-Supermodel Arjun Rampal ist selbstverständlich auch sehr hübsch anzusehen
Rampal hat in den ganz emotionalen Szenen (etwa im Spital) zwar Mühe, aber wenn er besorgt seine Wimpern zusammenziehen muss, überzeugt er. Die anderen Akteure sind schnell abgehandelt: Raakhee ist solide wie immer, doch ich sehe sie nicht mehr wahnsinnig gerne: Sie spielt mittlerweile nur noch die "ewige Mutter" und dies stets etwa gleich. Der Komiker Paresh Rawal (Aankhen) ist berührend als Jais Millionärs-Vater und Priyanshu Chatterjee (Tum Bin) irritiert ein wenig als Raj. Isha Koppikar ist süss, aber ihr Part ist bescheiden.
Die Lieder sind nicht gerade erster Güte, aber Regisseur Naresh Malhotra (Yeh Dillagi) setzt sie visuell interessant um. Bestes Beispiel ist das erste Stück "Daiyya Daiyya Re", in dem Ash in einer Vielfalt hinreissender Kostüme ihr Tanztalent unter Beweis stellt. Abgesehen von den Song-and-Dance-Nummern ist die Inszenierung im oberen Mittelmass, manche Szenen sind zu stark ausgewalzt, was eben in einer übertriebenen Lauflänge resultiert. Schliesslich weiss man bereits nach ein paar Minuten, wie der Film enden wird. Nicht nur, weil er auf Douglas Sirks "Magnificent Obsession" (1954) basiert, sondern weil Malhotra kaum Wagnisse eingeht. Die Frage ist lediglich, welche Umwege er bis zum Ziel macht. Der erste Teil lebt ganz von diesen Umwegen und man folgt angenehm gespannt. Die zweite Hälfte fällt da im Vergleich ab, bietet aber spektakulärere Bilder, da sie in Südafrika gedreht wurde. Das reicht ganz knapp für einen 3-Stern-Film. Aber Fans von Aishwarya Rai und von schwereren Melodramen sind hier gut aufgehoben.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch / http://www.molodezhnaja.ch/india_d.htm

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Beitrag #9 - erstellt: 24. Juli 2007
Dil Se (1998)

Von ganzem Herzen
Mit Shahrukh Khan, Manisha Koirala, Preity Zinza
in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: REM

Story
Der Radiojournalist Amar (Shahrukh Khan) befragt in Nord-Indien Menschen über 50 Jahre Unabhängigkeit. Dabei trifft er eine geheimnisvolle Frau (Manisha Koirala), in die er sich verliebt. Obwohl sie ihn stets zurückweist, kreuzen sich ihre Wege andauernd. Was Amar nicht weiss: Megha ist eine Revolutionärin, in deren Vokabular das Wort Liebe nicht vorkommen darf. Doch Amar gibt nicht auf.
Review
Die Mannschaft hinter "Dil Se" ist beeindruckend: Produzent Ram Gopal Varma zeichnet für hochstehende Bollywood-Hits wie Company verantwortlich, Executive Producer Shekhar Kapur machte sich vor allem im Westen einen Namen als Regisseur ("Elizabeth") und Regisseur Mani Rathnam gilt nicht erst seit Bombay als einer von Indiens interessantesten und politisch engagiertesten Filmemacher. Vielleicht ist Rathnams erster traditioneller Bollywood-Blockbuster genau aus diesem Grund leicht zerfahren. Mit seinen 160 Minuten ist "Dil Se" für Bollywood-Verhältnisse zwar nicht ausgesprochen lang, doch das Hin- und Her der Charaktere in der letzten Stunde wirkt etwas anstrengend. Zudem ist Shahrukh Khan für die anspruchsvolle Rolle beinahe eine Fehlbesetzung. Aber nur beinahe, denn man leidet durchaus mit ihm. Und Preity Zinta, die hier ihr Debüt absolviert, passt manchmal nicht recht in den Film.
Doch genug gemotzt - denn trotz all dem ist "Dil Se" extrem faszinierend. Zum einen ist die Kameraarbeit von Santosh Sivan, dem Regisseur von Asoka, einfach überwältigend. Besonders während dem dritten Song. Und die erste Nummer auf dem Zug, bei dem Lars von Trier wohl für "Dancer in the Dark" abgeschaut hat, reisst ganz gehörig mit: "Chaiya Chaiya" heisst sie - was für ein Bombentrack, was für eine heisse Tänzerin (Malaika Arora). Ebenfalls zu rühmen ist das Ende von "Dil Se", das kein Happy End darstellt. Zudem sind interessante Themen-Ansätze vorhanden. Dies erklärt, wieso "Dil Se" im Bollywood-Kontext als aussergewöhnlich angesehen wird. Für viele Kritiker ein Meilenstein im indischen Film. Ich bleib mal bei dreieinhalb Sternen, vor allem, weil Mani Rathnam einfach ein brillanter Regisseur ist und selbst die heterogene Struktur des Films irgendwie positiv erscheinen lässt. Ihm vergebe ich jedenfalls gerne ein paar Fehler. Und bei einem Star wie Shahrukh Khan schaut man eh gerne zu.

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch / http://www.molodezhnaja.ch/india_d.htm

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Beitrag #10 - erstellt: 24. Juli 2007
Dilwale Dulhania Le Jayenge (1995)


Wer zuerst kommt, kriegt die Braut
Mit Shahrukh Khan, Kajol, Amrish Puri und Anupam Kher
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM [Bollywood Classics]

STORY
London: Simran (Kajol) wird mit einem Mann verlobt, den sie noch nie gesehen hat. Bevor sie sich binden will, überredet sie ihren Vater, den Tankstellenverkäufer Chaudhry (Amrish Puri), dass sie mit drei Freundinnen einen Europa-Trip machen darf. Im Zug nach Paris trifft sie auf Raj (Shahrukh Khan), den Sohn des steinreichen Mr. Malhotra (Anupam Kher). Raj beginnt sofort, mit Simi zu flirten. Sie blockt ab, doch in der Schweiz verfällt sie seinem Charme. Wieder zurück in London trennen sie sich als Freunde - aber beide wissen, dass sie sich verliebt haben. Als Chaudhry das erfährt, packt er Familie und Vermögen zusammen und reist in den Punjab: Simi soll so schnell wie möglich mit ihrem Versprochenen verheiratetet werden.
REVIEW
Das Drei-Stunden-Liebesepos "Dilwale Dulhania Le Jayenge" ist einer der grössten Hits der Bollywoodgeschichte (Platz 3 ohne und Platz 7 mit Inflation, Stand 2005) und lief nach seinem Start im Jahr 1995 über 500 Wochen ununterbrochen in indischen Kinos. Zudem ist es mit zehn Filmfare-Awards noch immer der Rekordhalter in Sachen indischen Auszeichnungen. Es ist leicht zu sehen, warum: Der Film von Aditya Chopra (Mohabbatein) vereint all das, was das indische Publikum so mag: wahre Liebe, Heirat, Europa, Lokalpatriotismus, Anstand. Und natürlich Songs. Es fällt mir schwer, einen Favoriten auszumachen, weil alle so wunderbar sind, aber "Mehndi Laga Ke Rakhna", "Tujhe Dekha To" und "Ho Gaya Hai Tujhko" sind besonders gut.
Inszenatorisch ist das Werk nicht das innovativste, aber der Spannungsbogen wird gut aufgebaut. Ein besonderes Vergnügen für mich waren die Szenen in der Schweiz (gedreht wurde unter anderem, in Saanen). Da springen die Leute in London auf den Zug, sitzen in einem SBB-Gepäcksabteil und steigen in Paris wieder aus. Und die beiden Berner Polizisten, die bei Shahrukhs Auftritt verschmitzt lachen müssen, sind besonders herzig.
Apropos Shahrukh. Dies ist definitiv eine seiner besten Rollen. Es spielt den Typ Mann, den er immer wieder in seiner Karriere gibt (im Interview meint er, er spiele sich quasi selbst), doch hier spielt er "sich besonders gut". Wenn das so Sinn macht. Seine Partnerin Kajol war damals noch neu im Business - und dank ihrer Natürlichkeit bereits völlig überzeugend. Es war ihr dritter von bisher 6 Auftritten mit Shahrukh. Neben DDLJ avancierten später KKHH und KKKG zu den grössten Hits des Duos. Auch die Nebendarsteller überzeugen. Erwähnenswert sind Amrish Puri als Kajols Vater, Bend It Like Beckham-Papa Anupam Kher als Shahrukhs Dad und die bezaubernde Farida Jalal als Kajols Mutter. Alles in allem ein absolutes Muss für jeden Bollywood-Fan - schliesslich ist der Film ein Eckpfeiler der indischen Filmindustrie. Und erst noch sehr sehr unterhaltsam. Die drei Stunden lohnen sich trotz ein paar Problemchen in der zweiten Hälfte auf jeden Fall.
PS: Der Titel "Dilwale Dulhania Le Jayenge" stammt aus dem gleichnamigen Kishore-Kumar-Song aus dem Klassiker "Chor Machaye Shor" (1974), wo Shashi Kapoor seiner Mumtaz "Le jayenge...dilwale dulhania le jayenge" vorsingt.

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Beitrag #11 - erstellt: 24. Juli 2007
Disco Dancer


Mit Mithun Chabraborty und Om Puri
in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: REM [Bollywood Classics]

Story
Als Kind macht sich der Strassenmusiker Anil einen mächtigen Feind: Den reichen Mr. Oberoi. Der brachte seine Mutter als Diebin in den Knast, obwohl sie und Anil nichts verbrochen hatten. Seither arbeitet Anil daran, ein Star zu werden, um es allen heimzuzahlen. Viele Jahre später ist Oberois Sohn Sam der Star am Disco-Himmel. Aus Arroganz entlässt er seinen Manager David Brown (Om Puri). Der Gefeuerte sucht einen neuen Star - und entdeckt Anil (Mithun Chabraborty). Als Jimmy Disco Dancer gibt er ihm eine Chance und macht ihn tatsächlich berühmt. Und steinreich. Sam ist Schnee von gestern und verfällt Alkohol und Heroin. Als Jimmy auch noch Oberois Tochter Rita heiraten will, erklärt der gedemütigte Reiche dem Emporkömmling den Krieg. Dieser endet für mehrere Beteiligte tödlich.
Review
1982 war diese Desi-Version von John Travoltas "Saturday Night Fever" eine Sensation und Hauptdarsteller Mithun Chakraborty wurde auf einen Schlag zum Star. Der Schauspieler war in den 80ern darauf eine Sensation, mittlerweile wurde es stiller um ihn. "Disco Dancer" blieb seine berühmteste Rolle, der Film soll in Afrika sogar noch in Kinos laufen.
Qualitativ liegt er irgendwo zwischen Kult und Trash. Einigkeit besteht unter Fans, dass der Film einfach wunderbar unterhält. Chakraborty macht als Amitabh-light eine gute Figur, die Songs sind nett, die Tänze gut und die Handlung einigermassen brauchbar. Mittlerweile gibt es etliche Filme, die das "armer Junge will Star werden"-Motto recycelt haben (u.a. der öde Tumse Achcha Kaun Hai), doch keiner erreicht die Qualität von "Disco Dancer". Unter den tausenden von Filmen, die alle Jahre in Bollywood gedreht werden, bleibt dieser in Erinnerung. Und das zeichnet doch einen Klassiker aus ...

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Beitrag #12 - erstellt: 24. Juli 2007
Don (2006)


Das Spiel beginnt
Mit Shahrukh Khan, Priyanka Chopra Arjun Rampal, und Kareena Kapoor
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

STORY
Der Drogenboss Singhania (Rajesh Khattar) führt ein lukratives Kartell. Sein Handlanger in Kuala Lumpur ist der skrupellose Don (Shahrukh Khan), der Gegner ohne mit der Wimper zu zucken auslöscht. Auch Ramesh (Diwakar Pundir), der seine Organisation verlassen wollte, legte er um - und als dessen verführerische Verlobte Kamini (Kareena Kapoor) Rache üben wollte, biss auch sie ins Gras. Rameshs Schwester Roma (Priyanka Chopra) versucht es auf andere Art und schleicht sich Zwecks Vergeltung in Dons Bande ein. Bevor sie zuschlagen kann, verunglückt Don, als er vor Commissioner De Silva (Boman Irani) zu fliehen versucht. Um an Informationen über Dons Hintermänner zu kommen, vertuscht De Silva den Unfall und sucht Vijay (Shahrukh Khan) auf, ein simples Gemüt, das Don aufs Haar gleicht. Der Cop überredet Vijay, sich als Don auszugeben, dafür würde sein Ziehsohn mit einer guten Schulausbildung belohnt. Vijay sagt zu. Doch Roma ebenso wie der mysteriöse Jasjit (Arjun Rampal) könnten seine Aktion gefährden.
REVIEW
Der alte Don ist besser. Nun, da das aus dem Weg ist, kann ich mich dem neuen widmen, einem coolen, modernen, gelackten Remix aus Ideen des alten Don und globalem Actionkino des neuen Jahrtausends. Hinter der Kamera stand mit Farhan Akhtar (Lakshya) der Sohn des Original-Autors Javed Akhtar, insofern war garantiert, dass die Neufassung dem Ursprungs-"Don" den nötigen Tribut zollt. Das tut er auch, sei es in Kareena Kapoors Tanz im Helen-Stil, bei Shahrukhs Amitabh-Tonfall in seiner Vijay-Interpretation und natürlich in Teilen der Story sowie den etwas aufgepeppten Songs. Doch bei vielen kritischen Vergleichen zwischen altem und neuem "Don" schneidet der neue schlechter ab: weniger Kult-Faktor, weniger Charme, weniger bildgestalterische Freude. Ich unterschreibe all dies bedingungslos, hänge aber an, dass der neue "Don" den alten aufwertet, und umgekehrt. Mögen kann man beide.
Weniger Charme und schwächere Bildsprache muss man aber unbedingt anklagen - das sind die bereits angesprochenen deutliche Schwächen von "Don". Letzteres ist schnell abgehakt: Kameramann Mohanan arbeitet hier an seinem ersten derartigen Grossprojekt und obwohl er in Malaysia manche ansehnliche Location einfängt, so fehlt ihm doch das Talent, Bilder von bleibendem Wert zu schaffen. Die Kompositionen sind erschreckend profan, selbst die vermeintlich coolen Shots hätte ein talentierterer Kameramann besser hingekriegt. Mohanan bekam in Indien für "Don" einiges Lob, doch das ist typisch für eine Sensibilität, die moderne und gestylte Kameraführung per se mit Qualität gleichsetzt. Wie sonst ist es zu erklären, dass Männer wie Sanjay Gupta dort oft als Stil-Ikonen gefeiert werden?
Da "Don" aber dennoch fachmännisch aussieht (der Retro-Schnitt rettet manche schwächer gefilmte Szene), ist dies nur ein kleineres Manko. Deutlich schwerer wiegt der Mangel an Charme. Shahrukh kann sehr sympathisch sein, das wissen wir alle - und dass er als "Don" keinen Charmebolzen mimen darf, ist ebenso klar. Doch auch als Vijay bleibt er trocken, seine Feuer mit Priyanka entflammt nur kurz im Kult-Song "Khaike Paan Banaraswala" und so richtig mitbangen kann man mit dem Kerl sowieso nie, da er einfach zu glatt, ja, zu öde ist. Überhaupt geht einem niemand hier wirklich nah, würde einer erschossen, es liesse völlig kalt. Nur Arjun Rampal, der sein Leben für seinen Sohn opfern würde, erzeugt so etwas wie Emotionen. Dass hingegen selbst die Anfangsszenen mit dem familiären Verlust von Kareena und Priyanka nicht berühren ist symptomatisch für einen vor lauter Coolness oft erstarrenden Film.
Und bevor ich nun alle erlöse und doch noch erkläre, warum der Film Laune macht - weitere Defizite. Der Sound ist meist nicht im Studio nachsynchronisiert und wirkt an manchen Stellen unprofessionell. Die Koffer-Szene aus dem Original ist hier im Schnelldurchlauf völlig vergeudet. Die Sets sind langweilig, uncharakteristische Zimmer, anonyme Plätze, da kommt keine Freude auf - der Film wirkt wie durch einen industrialistischen Coolness-Filter gefilmt, der alles Leben entzieht, ausser in den Songs. Isha Koppikars Kleid in"Aaj Ki Raat" sieht aus wie ein schwangerer Weihnachtsbaum, wer hat das nur geschneidert?.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

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Beitrag #13 - erstellt: 24. Juli 2007
Elaan (2005)

Mit John Abraham, Arjun Rampal, Rahul Khanna, Mithun Chakraborty, Lara Dutta und Amisha Patel
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: REM

STORY
Baba Sikandar (Mithun Chakraborty) ist der meistgesuchte Verbrecher Indiens. Er haust irgendwo in Europa, aber sein Netzwerk des Terrors lässt ganz Indien schwitzen. Sein neustes Opfer: Der steinreiche Industrielle Kantilal Shah. Dessen Adoptivsohn Karan (Rahul Khanna) überredet Daddy jedoch, die 200 Millionen nicht zu zahlen, denn Terroristen darf man nicht nachgeben. Prompt wird Kantilal gekillt (1). Seine Tochter Anjali macht Karan dafür verantwortlich. Darum will er nur noch eines: Rache. Er muss Sikandar unbedingt nach Indien bringen, wo er verurteilt werden kann. Doch dazu braucht er Hilfe. Er rekrutiert den allein erziehenden Ex-Inspektor Arjun (Arjun Rampal) und holt mit ihm den Gangster Abhimanyu (John Abraham) aus dem Knast, der mit Sikandar noch eine Rechnung offen hat. Zusammen fliegen die drei Männer nach Venedig, wo die Reporterin Priya (Amisha Patel) zu ihnen stöss, um ihnen zu helfen. Abhimanyu hat derweil eine Idee, wie sie an Sikandar herankommen: Durch seine Freundin Sonia (Lara Dutta). Doch kann man ihr trauen?
REVIEW
"Elaan" ist voraussehbar, überlang und etwas albern - doch für einen Actionfilm liefert er das Benötigte, hat coole Akteure und nette Locations. Es ist nicht der Knaller, der es hätte sein können, aber er fällt schön in den Bereich "belangloses Mittelmass". Das ist natürlich kaum als Empfehlung zu verstehen, aber welcher Bollywood-Fan kann schon wiederstehen, wenn zwei der schönsten Männlein Indiens mit Miss Universe Lara Dutta in einem Film auftauchen? Na also.
Der reissbrettartige Plot kommt ohne grosse Umschweife ins Rollen und den ganzen Film hindurch weicht Bhatt eigentlich nicht von dem einen Ziel ab: Sikandar muss geschnappt werden. Dazwischen gibts ein bisschen romantisches Geplänkel sowie die üblichen Songs, doch die der Films ist dramaturgisch sehr simpel gestrickt. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, doch bei einer Länge von 159 Minuten ist es wirklich etwas zu dünn. Einen Film wie "Elaan" schaut man jedoch kaum wegen der Handlung an.Gedreht wurde primär in Venedig und im Berner Oberland. In einigen indischen Reviews wird erwähnt, dass in München gedreht wurde. Nö. Ein Teil soll zwar in München spielen, doch wenn alle Autokennzeichen BE zeigen, die MOB-Bahn ins Bild kommt, Postkarten von Gstaad rumgehen und das Berner Münster ins Bild rückt, dann ist das weissgott nicht Munich, Germany. Und auch Saarbrocken sieht hier eher nach Westschweiz aus. Aber schön eingefangen ist die Sache von Vikrams Vater Pravin Bhatt alleweil. Gleiches gilt für die meisten Schauspieler. Vor allem Arjun Rampal sieht klasse aus in dem Film, bedeutend besser als sein öliger Macho-Look in Asambhav. Nicht wenige Kritiker haben John in "Elaan" den Vorzug gegeben, doch für mich war Arjun nicht nur der attraktivere, er war auch der Glaubwürdigere. Ob im schicken schwarzen Mantel, mit Sonnenbrille oder einem verschmitzten Lächeln - er ist der Hero des Teams und einer der wenigen, für den man Sympathie entwickelt.
Was nicht heissen soll, John sei schlecht. Seine Einführung ist sogar ein Höhepunkt des Films. Danach darf er aber sein typisches Antihelden-Getue mit Mumbaiya-Slang abziehen. Er war darin definitiv schon besser. Rahul Khanna (Bollywood/Hollywood), der dritte im Bunde, wirkt in seiner ersten Mainstream-Hauptrolle blass - aber das ist sein Part. Er spielt ihn denn auch nicht so übel. Lara Dutta dagegen empfand ich als unterverwertet. Nicht nur das: In manchen Shots sieht sie ziemlich schlecht aus. Von einer Miss Universe würde man das ja nicht erwarten. Immerhin macht sie in den Song-and-Dance-Nummern eine gute Figur. Zu denen später. Erst noch Amisha Patel. Da sie Vikram Bhatts aktuelle Geliebte ist, kriegt sie mehr Raum als Lara und performt ganz passabel. Sie war nie mein Ding und dieses Gefühl kann sie hier nicht umkehren. Als Fiesling chargiert sich der bengalische 80's-Star Mithun Chaktaborty (Disco Dancer) durch den Film. Viel zu tun hat er nicht, fehlbesetzt ist er auch nicht. Bloss seinen Lippenstift sollte er überenken.

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Beitrag #14 - erstellt: 24. Juli 2007
Hum Dil De Chuke Sanam (1999)


Ich gab Dir mein Herz, Geliebter
Mit Aishwarya Rai, Salman Khan und Ajay Devgan
Erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation
Vertrieb: REM

Story
Der lebensfrohe Sänger Sameer (Salman Khan) kommt aus Italien nach Indien, um im in der Wüste gelegenen Palast des angesehenen Pundit Darbar klassischen Gesangsunterricht zu nehmen. Dabei verliebt er sich in Darbars bezaubernde Tochter Nandini (Aishwarya Rai). Dies darf in dem konservativen Haus nicht sein. Als die Affäre auffliegt, schickt der Vater Sameer fort, verbietet ihm jeden Kontakt mit Nandini und verheiratet die schöne Tochter mit dem sensiblen Anwaltssohn Vanraj (Ajay Devgan). Doch im Ehebett verweigert sich Nandini ihrem Mann. Der liebt sie aber wirklich und entscheidet sich, sie nach Italien zu begleiten: Zusammen sollen sie Sameer finden!
Review
"Hum Dil De Chuke Sanam" ist allerbestes Bollywood-Kino. Ein Epos der grossen Gefühle, opulent inszeniert, prachtvoll bebildert und bewegend gespielt. 188 Minuten lang lässt man sich mitreissen. Die erste Stunde ist eine Mischung aus Ballett und Musical. Die Story kommt nur langsam voran, während man Sameer und Nandini beim Flirten zuschaut. Und bei ihren einfach umwerfenden Tänzen. Auf seine eigene, ganz locker-flockige Art funktioniert dieser Teil. Danach spinnt Sanjay Leela Bhansali (Devdas) den Film mit jeder Minute dichter - bis man zum Schluss regelrecht die Fingernägel kaut. Oder halt weint. Ich war jedenfalls voll involviert in die Ereignisse.
Bhansali gebührt dabei ebensoviel Lob wie Kameramann Anil Mehta (Lagaan) und den Stars: Aishwarya "Miss World" Rai war selten schöner und betört nicht nur in den Tanz- sondern auch in den Schauspiel-Szenen. Man muss sich einfach in sie verlieben. Salman Khan hat zwar mit den Emotionen etwas Mühe, doch sein frisches Auftreten setzt in der ersten Filmhälfte Akzente. Und Ajay Devgan bietet ein solides emotionales Gegengewicht zu den beiden Turteltauben. Er lenkt die zweite Hälfte in neue (wenn man böse sein will: konservative) Bahnen. Solche berauschenden und bisweilen arg melodramatischen Epen macht Bollywood halt einfach am besten! Wen juckt es da schon gross, dass das Italien des Films eigentlich das ebenso schöne Budapest (Ungarn) ist?

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Beitrag #15 - erstellt: 24. Juli 2007
Hum Tum (2004)



Ich & Du: Verrückt vor Liebe
Mit Saif Ali Khan, Rani Mukherjee, Rishi Kapoor und Abhishek Bachchan
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Story
Der Cartoonist Karan Kapoor (Saif Ali Khan) fliegt von Delhi nach New York und sitzt im Flugzeug neben der hübschen Rhea Prakash (Rani Mukherjee). Der Casanova Karan schreckt die gesittete Rhea ab mit seinen Macho-Sprüchen. Beim Zwischenhalt in Amsterdam wollen sie dennoch gemeinsam die Stadt entdecken. Danach haben sie sich hassen gelernt. In New York angekommen trennen sich ihre Wege - scheinbar für immer. Doch sechs Monate später kreuzen sich ihre Wege in New York. Sie geraten umgehend in einen Streit. Erst drei Jahre später sehen sie sich zufällig in Delhi wieder. Rhea ist reifer geworden, doch Karan liess seine Haare wachsen und ist noch derselbe Kindskopf. Aber auch er erschrickt, als er erfährt, dass Rhea heiratet. Es wird nicht ihr letztes Treffen gewesen sein. In den nächsten sechs Jahren stossen sie noch ein paarmal aufeinander. Und jedesmal sind sie sich näher. Sie werden die besten Freunde ...
Review
Ein wunderbares Paar, das prädestiniert ist für einen Liebesfilm wie diesen. Regie führte Kunal Kohli, der Regisseur von Mujhse Dosti Karoge!, als Produzent waltete niemand Geringeres als Aditya Chopra, Regisseur von Dilwale Dulhania Le Jayenge, präsentiert wird der Film von Yash Chopra.
Angelehnt ist "Hum Tum" an das Meisterwerk "When Harry Met Sally". Der Streifen stellt ebenso die Frage, ob Frauen und Männer überhaupt Freunde sein können. Und bevor sie Freunde sind, streiten sie die halbe Zeit. Rani und Saif durchlaufen diese Phasen mit Bravour, Stil und Charisma. Und sie werden beide im Verlauf des Films immer schöner. Vor allem Rani, die einmal mehr die Leinwand erstrahlen lässt. Saif ist als Macho, der über Frauen lästert genauso glaubwürdig wie als Lover. Auch er einwandfrei. Daneben glänzt der Film mit illustren Nebenrollen: Rishi Kapoor, Kiron Kher, Jimmy Shergill, Isha Koppikar und Rati Agnihotri - allesamt gut. In ganz kleinen Parts sind zudem Abhishek Bachchan und Shenaz Treasurywala (als Karans New-York-Freundin Shalini) zu sehen. Solche Cameos sind einfach die Tüppfchen auf dem "i".
Im Zentrum stehen aber stets Rani und Saif. Das gibt dann letztendlich auch nicht so viel Stoff ab, weshalb der Film mit 137 Minuten angenehm kurz ist. Und auch so schleichen sich kleinere Längen ein, die man nur wegen dem reizenden Pärchen verzeiht. "Hum Tum" ist ein leicht verdaulicher, sehr hübscher und leicht bewegender Film, der gar nicht viel mehr sein will. Deshalb auch nur knapp dreieinhalb Sterne. Auch die Songs sind nichts für die Ewigkeit - aber sie sind recht gut: Die in Amsterdam gedrehte Nummer "Ladki kyon" dient als Sightseeing-Vehikel und ist melodiös. "Gore Gore" ist eine witzige Nummer über die "Chocolate Heroes", die schmelzen, wenn das Thema Heirat angesprochen wird. Es folgt "Main Shayar Toh Nahin" aus dem Rishi-Kapoor-Klassiker Bobby, der Rishi hier als Karans Vater einführt. "Chak De" soll in Paris spielen, könnte aber auch Amsterdam sein. Das Titellied "Hum Tum" ist eine gemächliche Ballade, schön auf Rani und Saif abgestimmt. Die Nummer endet mit einer zärtlichen und langen Umarmung am Strand - und ich bin mir sicher, die beiden grinsen bei dem Shot heimlich. Was sie sich wohl ins Ohr flüstern?
Dank gefälligen Songs, liebenswerten Akteuren, einer witzigen Story, erfrischenden Cartoon-Zwischensequenzen und romantischen Drehorten wie Amsterdam, Paris, New York und Indien ist "Hum Tum" zum Pärchen-Film der gelungenen Art geworden. Frauen und Männer kriegen gleichsam ein paar Attacken aufs andere Geschlecht auf den Weg (und ein paar Wahrheiten ...) - doch zum Schluss dürfen alle zusammenfinden. Romantisch, harmlos, einfach gut.
(gekürzte review - alles hier nachlesen)

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Beitrag #16 - erstellt: 24. Juli 2007
James (2005)


Mit Mohit Ahlawat, Nisha Kothari und Zakir Hussain.
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation
Vertrieb: REM

STORY
James (Mohit Ahlawat) kommt aus Goa nach Mumbai. Er kommt bei seinem alten Freund Babloo (Snehal Dabhi) unter, der ihm einen Job als Rausschmeisser in Bills Disco beschafft. James ist dafür geschaffen, da er Bodybuilding macht und ein begnadeter Kämpfer ist. Während er in der neuen Funktion die Augen des Models Nisha (Nisha Kothari) auf sich zieht, muss er die Schöne schon an seinem ersten Tag aus einer brenzligen Situation rettet. Dabei stellt er Radhe Narayan (Shereveer Vakil) bloss, einen brutalen Schläger und der jüngere Bruder des noch brutaleren Politikers Shanti Narayan (Zakir Hussain). Die Brüder können eine solche Schmach nicht auf sich sitzen lassen und blasen zur Attacke auf James und Nisha.
REVIEW
Ram Gopal Varma gibt sich mit "James" für einmal nur bedingt innovativ. Er und Regiedebütant Rohit Jugraj unterwarfen sich stattdessen den gängigen Bollywood-Spielregeln und drehten einen Film mit Songs, einer klaren Struktur und einem been-there-done-that-Thema. Aber all dies leicht variiert: "James" ist visuell ganz auf modernes Filmemachen irgendwo zwischen Werbeclip und Musikvideo getrimmt. Zudem geizt er nicht mit Gewalt und Sex. Den Retro-Aspekt im Sinne einer Hommage an das ruppige Kino der 70er- und 80er-Masala-Streifen vermischen Varma und Jugraj mit einem modernen Look und schöne-Leute-Ästhetik.
Für Sex-Appeal sorgen die Hauptpersonen: der Debütant Mohit Ahlawat und die in Sarkar als Schauspielerin aufgetretene Nisha Kothari. Mohit ist nicht der exhibitionistische Typ, sondern gibt seinen Adonis-Körper nur stückchenweise preis. Mohit gefiel mir denn auch überaus gut. Seine Mimik ist beschränkt auf böse schauen und cool schauen, doch während er beim "böse sein" nicht gerade überzeugt, kann man sich seinem Blick nicht entziehen.
Aber "James" ist eben nicht gut. Diese Aussage tut mir weh, nicht nur, weil ich Nisha und Mohit von Anfang an ins Herz geschlossen habe, sondern auch, weil so vieles an "James" funktionieren sollte - ich vergöttere ja bereits den Titel: in riesigen, knallroten Lettern steht "James" vor schwarzweissem Hintergrund. Einfach und irgendwie pulpig. Das passt zum Plot, der sich dem Retro-Gefühl verschwört und einen Film darstellt, den man gemeinhin als "potboiler" bezeichnet.
Schlimmstes Vergehen: Zeitlupe. Keine einzige Actionszene hat Drive, da jede, wirklich jede, vom ersten Kick bis zum letzten Bluttropfen in Zeitlupe abgehandelt wird. Eine gute Actionszene gewinnt ihren Pep durch den richtigen Mix aus Schnitt, Zeitlupe und heftiger Echtzeit. In "James" kommt nie auch nur das Gefühl von Heftigkeit auf. Vielmehr glaubt Jugraj, er inszeniere ein Actionballett - und scheitert gnadenlos.
Auf 135 Minuten lang gezogen (man bedenke: der Plot ist minimal) kann man sich vorstellen, wie oft hier Slow Motion zum Einsatz kommt. Es ist echt zum Haare raufen, weil so jede einzelne Actionszene - und alle anderen sowieso - im Nu ruiniert wird. Mag sein, dass sich Jugraj wahnsinnig stylish und modern vorkommt und anscheinend hat er damit auch manche Kritiker auf seine Seite gezogen, die den Plot bemängeln und den Stil loben. Es ist umgekehrt! Der Plot ist einfach, das stimmt, aber er ist effektiv, wenn er im 90-minütigen Grindhouse-Stil aufgezogen würde. Kurz, heftig, geil. Aber wenn man dies zur zerdehnten Stilwichserei ausdehnt, dünnt man auch die Höhepunkte aus und zurück bleibt ein nicht enden wollendes Stilgewitter ohne Tempo, ohne Elan und ohne Verstand. In "James" hat man selbst zwischen zwei Faustschlägen genügend Zeit dazu und kommt unweigerlich zum Schluss, dass der Regisseur nichts zu sagen hat.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

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Beitrag #17 - erstellt: 24. Juli 2007
Kaal (2005)


Das Geheimnis des Dschungels
Mit Vivek Oberoi, John Abraham, Esha Deol, Lara Dutta und Shahrukh Khan
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

STORY
Im nordindischen Corbett-Nationalpark sind zwei Touristen verschwunden. Ein Tiger soll sie gerissen haben. Seither haben Jäger in dem Park Hochkonjunktur, denn obwohl Jagen offiziell verboten ist, lässt sich der Parkleiter gerne schmieren, damit mutige Männer sich den "Man Eater"-Tiger vornehmen können. Zu diesem Typ Kerl gehört auch Dev Malhotra (Vivek Oberoi) aus Delhi. Er reist mit seiner Freundin Ishika (Lara Dutta), dem schiesswütigen Sajid (Kushaal Paunjabi) und dem duckmäuserischen Vishal (Vishal Malhotra) im nagelneuen Luxusauto an. Doch auf halbem Weg bleibt die Karre stehen und die Truppe lässt sich von einem Führer in den Park bringen. Dort stossen sie ausgerechnet auf den Unweltschützer Krish Thapar (John Abraham), der mit seiner Gattin Riya (Esha Deol) ein weiteres Abschlachten der geschützten Tiger verhindern will. Der zusammengewürfelte Haufen ist bald in Lebensgefahr, als sie ins Tiger-Land vorstossen . Doch unerwartete Hilfe naht in Form von Kali Pratap Singh (Ajay Devga)n. Der mysteriöse Dschungelbewohner bietet den Städtern an, sie aus dem Urwald zu lotsen.
REVIEW
Shahrukh Khan als Item Boy? Ist er mit 40 nicht etwas zu alt dafür? Und warum? Weil er "Kaal" produziert hat. Sein Name zieht und tatsächlich ist sein Gastauftritt am Anfang nicht nur der absolute Höhepeunkt des Films - sondern auch der einzige. Es ist geradezu peinlich, dass dieses Machwerk von den grössten Namen des indischen Showbiz produziert wurde, Regisseur Karan Johar und eben Mr. Khan. Dass die beiden den Mut beweisen, sich auf das sonst von Ram Gopal Varma besetzte Gebiet zu wagen, ist löblich. Doch der Versuch ist leider auf beinahe jeder Ebene gescheitert.
Doch noch einmal zurück zu "Kaal Dhamaal", so heisst das Stück, das während den Anfangs-Credits läuf. Der Song versucht zwar angestrengt, ein wenig verrucht zu sein, doch es will einfach nicht klappen. Und das ist das Highlight des Films? Trotz seinen Mängeln. Leider.
Nach dem Song folgen sogleich die Peinlichkeiten. John Abraham rennt übers Feld und man glaubt es kaum, sein Körperfett schwabbelt in Zeitlupe. Er wirft sich auf eine etwas regungslose Schlange und bändigt sie mit maskuliner Kraft und entblösstem Oberkörper. Sogleich wird Vivek Oberoi mit seiner Rasselbande eingeführt: Einem weiteren Dekoriermädel (Lara Dutta), einem Macho-Muskelprotz (Kushaal Paunjabi) und ein blasser Anhängsel-Noname (Vishal Malhotra) von dem man auf den ersten Blick weiss, dass er nicht überleben wird. Nein, das war kein Spoiler, das ist gesunder Filmverstand. Dieses Grüppchen wagt sich in das Tigerreservat und man hofft endlich auf etwas Horror. Oder Action. Oder Abenteuer. Alle paar Minuten eine Montage von Eulen, Schlangen und sonstigem Getier, immer mal wieder ein billiger Buh-Schreck. Das wars. Der schlafende Vivek macht die Augen auf. Tataaa!! Vivek wirft eine Zigarette weg. Und so kriechen wir im "Plot" weiter, bis es endlich mal Tote gibt. Ein Ableben ist aus "The Omen" kopiert, eines aus "Final Destination". Und beide erreichen nicht einmal annähernd die Wirkung des Originals. Es gibt ein paar kurze Schockszenen, die aber a) so kurz und b) so B-Film-haft daherkommen, dass sie den Puls kaum anheben. Der ganze Film wirkt steril, langsam und leer. Die Darsteller verströmen keine Energie, keine Angst, kein Mitgefühl mit den Toten. So kann man als Zuschauer schlicht nicht mitfiebern. Ein paar lächerliche Szenen untergraben die Glaubwürdigkeit noch mehr. Die beste ist die, in der ein Kübel voller Wasser (ca. 5 Kilo) die arme Esha (etwa zehnmal schwerer) umreisst, dem Boden entlang schleift und in einen Brunnen zieht. Die Gravitation in dem Brunnen muss unglaublich gross sein! Soham Shahs gehaltlose Inszenierung macht den Film indes auch nicht besser. Da spielt ein Film im Dschungel des Jim Corbett National Parks, ist besetzt mit den heissesten Jungstars Bollywoods und wir kriegen kaum einen Shot geboten, der nur annähernd cool ist, der ästhetisch was hergibt.
In dem Fall retten vielleicht die Songs den Film? Nein, geht gar nicht, denn neben "Kaal Dhamaal" gibts im Film keine. "Tauba Tauba" läuft während dem Abspann, den "Eye of the Tiger"-Verschnitt "Ankhiyan Teriya Ve" hört man ganz kurz am Radio.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

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Beitrag #18 - erstellt: 24. Juli 2007
Kabhi Alvida Naa Kehna (2006)


Bis dass das Glück uns scheidet
Mit Shahrukh Khan, Rani Mukherjee, Preity Zinta, Abhishek Bachchan und Amitabh Bachchan
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

STORY
New York: Rishi (Abhishek Bachchan), der Sohn des Exzentrikers Samarjit "Sam" Singh Talwar (Amitabh Bachchan), heiratet die hübsche Maya (Rani Mukherjee), die bis zuletzt zögerte. Der Fussballer Dev Saran (Shahrukh Khan) überzeugte sie davon, dass sie die Ehe wagen sollte - danach trennten sich ihre Wege und er verunfallte: Devs Sportkarriere ist beendet. Jahre später ist aus ihm ein verbitterter Mann geworden. Die Brötchen verdient seine Frau Rhea (Preity Zinta), die Leiterin eines Modemagazins. Das gibt Devs Ego einen weiteren Knick. Eines Tages trifft er Maya wieder. Auch ihre Ehe kriselt, massgeblich deshalb, weil sie ihrem etwas kindlichen Gatten kein Baby gebären kann. Zwischen Dev und Maya entsteht nach manchen Streitereien langsam eine Bindung.

REVIEW
Vor nunmehr vier Jahren habe ich Lagaan im Kino gesehen und war angefixt. Doch erst meine erste Bollywood-DVD machte mich süchtig. Es war Kuch Kuch Hota Hai und nicht nur deshalb werde ich auf alle Zeiten einen ganz weichen Punkt für Regisseur Karan Johar haben. Sein Nachfolge-Hit Kabhi Khushi Kabhie Gham, in seiner Heimat häufig wegen seiner Dekadenz gescholten, richtete bei meinen Tränenkanälen vernichtende Schäden an und er brachte den deutschsprachigen Raum auf Bollywood-Kurs. Deshalb hat nun auch halb Zentraleuropa eine besondere Sympathie für Johar. Der Hype um seinen dritte Regiearbeit "Kabhi Alvida Naa Kehna" war dementsprechend in unseren Breitengraden mindestens so gross wie in Indien - wenn unter Fans nicht sogar grösser. Diesem ungeheuren Druck hält der Film nicht stand. Nimmt man einen Schritt zurück, entdeckt man in dem simpel gestrickten 192-Minuten-Koloss aber vieles, was wir an Bollywood lieben gelernt haben.
Das sind primär die Stars. In Indien pflegt man einen Starkult, der weit über jenen in Hollywood hinausgeht. Hiesige Bollywood-Fans lassen sich davon mühelos anstecken, ich bin da keine Ausnahme. Solch vorbehaltlos sehenswerte Schauspieler wie Shahrukh Khan, Rani Mukherjee, Preity Zinta, Abhishek Bachchan und Amitabh Bachchan in einem Film zu bestaunen, ist per se bereits ein Erlebnis. Die Leute könnten aus dem Telefonbuch vorlesen, man würde an ihren Lippen kleben. Aussenstehende haben Mühe, das nachzuvollziehen und rational lässt sich das auch nicht vollständig erklären - doch Fakt bleibt, selbst in den ödesten Minuten dieser Drei-Stunden-plus (der erste Bollywood-Film dieses Jahres, der über 180 Minuten dauert) ist "Kabhi Alvida Naa Kehna" eine Freude, da jeder Witz, jedes Tänzchen, jede Träne dieser Stars eine Kraft entwickeln, die Karan Johar hervorragend zu uns zu tragen weiss.
Darauf ist er auch dringend angewiesen, denn seine Story ist dünn. Vergesst das Gerede um einen "mutigen Film über Seitensprung". Das ist es nicht. KANK ist vielmehr eine klassische Bollywood-Vierecksgeschichte mit dem minimalen Unterschied, dass beide Paare verheiratet sind. Die Essenz bleibt dieselbe und Karan versucht verbissen, den Film als mehr hinzustellen, als er eigentlich ist. Er ist keine Reflexion über Ehe, Liebe und Vertrauen, das sind höchstens kleine Bausteine in einer formelhaften Vierecksstory. Dass die Story nur haarscharf über 0% Tiefgang birgt, schiebe ich Shibani Bathija in die Schuhe. Wer ist diese Dame? Kein Bollywood-Fan hat je was von ihr gehört und dieses Jahr schreibt sie aus dem Stand die Drehbücher für zwei der grössten Produktionen: Fanaa und KANK. Beide lahmen an einem einfachen Drehbuch, gaukeln aber vor, tiefgründig zu sein. Dünne Figuren und Geschichten sind mir in einem Popcorn-Film egal, doch wenn ein Streifen ernste, lebensnahe und kontroverse Themen anpackt, muss er diesen auch gerecht werden. Die beiden Filme schaffen genau das nicht. Fanaa brach sein Reissbrett-Skript sogar fast das Genick, KANK überlebt es besser, weil es keine Story über Politik und Terror ist, sondern nur über vier mehr oder weniger verliebte Leute. Doch um weiteren Schaden abzuwenden: Verpasst dieser Dame so schnell wie möglich einen Fusstritt und lasst sie nie wieder ein Skript schreiben. Nie. Wieder.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

© Text Marco, molodezhnaja
http://www.molodezhnaja.ch/kank.htm

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Beitrag #19 - erstellt: 24. Juli 2007
Kabhi Khushi Khabie Gham (2001)


In guten wie in schweren Tagen - Sometimes Happy, Sometimes Sad
Mit Shahrukh Khan, Kajol, Hrithik Roshan, Kareena Kapoor
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Special Edition: 2 Disk-Set
Single Disc: 1 Disk


STORY
Yashovardhan "Yash" Raichand (Amitabh Bachchan) ist einer der reichsten Männer Indiens. Mit seiner Frau Nandini (Jaya Bachchan-Bhaduri) zieht er den Adoptivsohn Rahul (Shahrukh Khan) und den Sohn Rohan gross. Yash hofft, Rahul würde einst die Firma übernehmen und die süsse Naina (Rani Mukherjee), die aus gutem Hause stammt, heiraten. Doch Rahul verliebt sich in die überdrehte Anjali (Kajol). Yash akzeptiert doe Beziehung nicht, da Anjali aus einer armen Familie stammt. Rahul will sich deshab von Anjali trennen. Doch er stösst dabei auf eine Beerdigung: Anjalis Vater (Alok Nath) ist tot. Rahul bringt die Trennung nicht übers Herz und heiratet Anjali an Ort und Stelle. Sein Vater ist derart erzürnt, dass er Rahul und Anjali den Segen verweigert und sie aus dem Haus schmeisst. Zehn Jahre vergehen. Rahul wohnt mit Anjali, ihrem gemeinsamen Sohn, Rahuls Tante DJ (Farida Jalal) und Anjalis sexy Schwester Pooja (Kareena Kapoor) in London. Aus dem dicklichen Rohan (Hrithik Roshan) ist ein attraktiver Cricket-Champ geworden. Als er endlich die ganze Wahrheit über das Schicksal seines Bruders erfährt, fährt er nach London. Er will die Familie wieder vereinen.
REVIEW
Kuch Kuch Hota Hai-Regisseur Karan Johar gelang mit K3G der vielleicht grösste Casting-Coup des jüngeren indischen Kinos. Eine ganze Reihe grosser Bollywood-Stars spielt hier mit- und nicht wie man erwarten könnte gegeneinander. Ein ganz grosses Epos, das sich deshalb auch majestätische 209 Minuten Laufzeit in Anspruch nimmt. In Indien war der Film ein programmierter Hit, in Übersee unter den ausgewanderten Indern (NRI) sogar ein All-Time-Kassenschlager. Ein solcher Erfolg hat natürlich auch Kritiker auf den Plan gerufen hat. In der Tat ist die Lauflänge massiv und die einfache Botschaft ("liebe deine Eltern") nicht nur konservativ, sondern auch recht dünn für ein solches Mega-Projekt.
Doch man sollte K3G nicht zynisch betrachten, sondern muss sich hingeben, denn das Familiendrama ist Bollywood-Kitsch der eindrücklichen, bewegenden und gigantischsten Sorte. Bollywood-Liebling Shahrukh Khan beweist einmal mehr, dass er vielleicht nicht der beste Schauspieler Indiens ist, aber die Gefühle der Zuschauer dank enormen Charisma auf seiner Seite hat. So wie er schafft das kein zweiter. In den Szenen mit Kajol ist er gut, doch bei emotionalen Szenen ist er etwas überfordert. Von seinem Co-Star Hrithik Roshan kann man das nicht behaupten. Der Star mit den bestechenden Augen und dem nicht minder eindrücklichen Bizeps ist der heimliche Held in K3G und brilliert in den bewegenden Momenten. Nur seine Fön-Frisur sollte er endlich überdenken. Der erste in den Credits und dritter männlicher Star ist Amitabh Bachchan. Er spielt einmal mehr mit Schwere und Würde auf und ist für diese patriarchalische Rolle eine Idealbesetzung.
Die Mädels: Als Mama und Ersatz-Mama DJ überzeugen Jaya Bhaduri (Amitabhs Frau) und Farida Jalal (KKHH, Lajja). Doch die, die Leute ins Kino holen, sind natürlich die Jungen. Die beste darunter ist Kajol, Shahrukhs Dauer-Co-Star aus KKHH, DDLJ und Karan Arjun - und obwohl ich ihre Comedy-betonte Perfomance zu Beginn nicht besonders mochte, wird die beliebte Schauspielerin mit den betörenden Augen im Film immer besser. In einer etwas kleineren Nebenrolle überzeugt auch die dritte aus dem KKHH-Trio, Rani Mukherjee. Last and least Kareena Kapoor. Ihr Part als schrilles London-Girl ist als Parodie im Stile von "Clueless" gedacht, doch oft wirkt das zu angestrengt lustig. Ich kapiere nicht, wieso so viele Regisseure sie immer als überragende Schönheit im Film einsetzen. Schon in Mujhse Dosti Karoge! (auch mit Roshan) war ihr eitles Getue anstrengend und trotzdem soll sie die lokale Über-Beautysein. In K3G wurde sie zwar nicht deswegen kritisiert, sondern vielmehr wegen ihrem Mangel an Kleidern. Dies fand ich nicht so schlimm, schliesslich spielt sie ein Szene-Girl und ihre Dress-Auswahl soll den "Sitternzerfall" mancher NRIs karikieren.
(review gekürzt - alles hier nachlesen )

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Beitrag #20 - erstellt: 24. Juli 2007
Kaho Naa..Pyaar Hai (2000)


Liebe aus heiterem Himmel
Mit Hrithik Roshan, Amisha Patel und Anupam Kher
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Story
Die Eltern von Rohit (Hrithik Roshan) sind tot, weshalb der attraktive Autoverkäufer mit seinem kleinen Bruder Amit bei Onkel und Tante lebt. Eines Tages kauft der Millionär Saxena (Anupam Kher) bei Rohit einen Flitzer als Geburtstagsgeschenk für seine liebliche Tochter Sonia (Amisha Patel). So lernt Rohit Sonia kennen. Sie verliebt sich sofort in den strammen Burschen. Als er einen Job als Sänger auf einem Kreuzfahrtschiff nach Singapur bekommt, unternimmt Sonia dieselbe Reise. Doch auch dem Schiff geraten sie in Streit, besaufen sich und übernachten auf einem Rettungsboot - das sich loslöst! So stranden die zwei auf einer wunderschönen Insel, auf der sie sich ihrer Liebe endlich bewusst werden. Nun taucht Saxena auf und reisst die zwei aus dem Idyll.
Review
Das war erst die erste Stunde, in der zweiten wandelt sich "Kaho Naa... Pyaar Hai" zum Thriller. Dieser Genre-Wechsel ist in Bollywood nicht unüblich und funktioniert hier recht gut. Im Zentrum von KNPH steht aber weder das Genre noch die Stoy, sondern ein einzelner Mann: Hrithik Roshan. Dies ist sein Schauspieldebüt, von kurzen Kinderrollen abgesehen, und zu verdanken hat er die Chance natürlich seinem Vater, Regisseur und Produzent Rakesh Roshan (Karan Arjun). Hrithik zahlt das Vertrauen voll zurück und profiliert sich von allen Seiten: als romantischer Leinwandstar, als muskulöser Actionheld und natürlich als formidabler Tänzer.
Gleich mit "Kaho Naa... Pyaar Hai" begann so die "Ära Hrithik" in Bollywood. Er avancierte innert Monaten zum neuen Megastar und generierte einen beispiellosen Hype. Nachvollziehbar, da er neben seinem Top-Body auch ein unwiderstehliches Lächeln vorweisen kann. Wie bereits erwähnt meistert er so die Elemente von Action und Thriller ebenso gut wie jene von Liebesfilmen und Komödien. Nicht überraschend konnte Hrithik für KNPH auch mehrere Newcomer-Preise abholen. Der Film selbst gewann elf Indian Film Academy Awards, neun Filmfare-Awards (u.a. für Hrithik als bester Schauspieler und Newcomer) und neun Screen Weekly Awards. Nicht schlecht.
Daneben sollte man auch die anderen Pluspunkte des Films erwähnen: Die Musik von Rajesh Roshan, der Gesang (u.a. von Udit Narayan und Sur-Star Lucky Ali), die Actionszenen, die kompetente Regie, die beinahe Ferienkatalog-mässigen Bilder vom Eiland. Negativ? Gibts auch. Amisha Patel ist in ihrem Kinodebüt etwas blass, der Umstand, dass in der Hälfte des Films der Held wechselt, ist anstrengend, der Film ist ein paar Minuten zu lang, Johnny Lever hat einen Mini-Auftritt und das Product Placement ist etwas übertrieben.

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Beitrag #21 - erstellt: 24. Juli 2007
Kal Ho Naa Ho (2003)


Indian Love Story - Lebe und denke nicht an morgen
Mit Shahrukh Khan, Preity Zinza, Saif Ali Khan
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Special Edition: 2 Disk-Set
Single Disc: 1 Disk


STORY
Naina Catherine Kapur (Preity Zinta) lebt in New York. Sie studiert, ist befreundet mit dem reichen Rohit Patel (Saif Ali Khan) und glättet daheim die Wogen. Ihr Vater hat nämlich Selbstmord begangen. Seither hasst ihre Oma Lajjo (Sushma Seth) Schwiegertochter Jennifer (Jaya Bachchan-Bhaduri), der sie die Schuld am Ableben des Sohnes gibt. Und Enkelin Gia (Daniela De Almeida), die von Jenny adoptiert wurde, hasst sie noch mehr. Naina hofft, ein Engel würde erscheinen, und die Familie endlich zusammebringen. Ein Engel kommt tatsächlich - in Person des vorlauten Aman Mathur (Shahrukh Khan), der mit seiner Mutter (Reema Lagoo) aus Indien angereist und bei seinem Onkel eingezogen ist, der gleich neben Nainas Familie wohnt. Aman verguckt sich sofort in Naina und mischt die Familie mit seiner charmanten Art auf. Langsam erwärmt sich auch Naina für Aman. Derweil merkt Rohit, dass er seine beste Freundin Naina eigentlich liebt. Er sucht Rat bei Aman. Wer beichtet wem seine Liebe? Wieso unterdrückt Aman seine Liebe zu Naina? Was hat Aman zu verbergen? Das Karussell der Liebe ist erst gerade in Schwung gekommen.
REVIEW
Karan Johar schrieb das Drehbuch und produzierte. Für die Regie setzte er zwar Nikhil Advani ein, der schon für ihn und Regisseur Aditya Chopra (DDLJ) als Assistent gearbeitet hat, doch "Kal Ho Naa Ho" ist ganz ein Baby des K3G- und KKHH-Hitregisseurs Johar. Wenn man ihn kurz auf einen Nenner bringen soll, so vereint er Starensemble, episch-melodramatischen Charakter und NRI-Lastigkeit von K3G mit einer trendigen Präsentation à la Dil Chahta Hai. Ein Beweis für diesen hippen Touch ist bereits das Setting: New York. Keine Alpen, kein Punjab, gar kein Indien! Der Film spielt komplett in New York. Doch nach einem sehr amerikanisierten Start wird "Kal Ho Naa Ho" immer wie indischer.
Wie man es nämlich von einem Johar-Film nicht anders erwarten darf, ist "Kal Ho Naa Ho" stark inszeniert. Ich habe selten einen Hindi-Film gesehen, der technisch virtuoser gehandhabt ist. Jede Kameraeinstellung sitzt, die Farben sind überwältigend, die Musik stimmt, der Schnitt ist klasse. 180 Minuten Top-Ästhetik. Alleine dafür muss man ihn schon lieben. Und dann kommt Shahrukh ins Spiel. King Khan reisst den Film zwar an sich, aber nicht als Ego-Trip. Er agiert schliesslich als "guter Engel" (weshalb manche Kritiker Parallelen zum 1970er-Hit Anand zogen) und nur das ist seine Funktion: Er soll Gutes tun und die Kapur-Familie retten, ja gar erlösen. Dass SRK die meisten Szenen dominiert, liegt daran, dass Johar ihm vollständig vertraut. Und weil SRK eben ein riesiges Charisma besitzt. Klar kennen wir seine Ticks, Macken und übertrieben Gesten - aber wir lieben sie. Wer nach nunmehr 10 Jahren mit Shahrukh als Indiens Superstar sich nicht an ihn gewöhnt hat, wird es wohl nie tun.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

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Beitrag #22 - erstellt: 24. Juli 2007
Kisna (2005)


Im Feuer der Liebe
Mit Vivek Oberoi, Antonia Bernath, Isha Sharvani, Amrish Puri, Om Puri und Sushmita Sen
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation
Vertrieb: REM

STORY
Die britische Politikerin Lady Katherine (Polly Adams) besucht Indien. Reporter folgen ihr auf Schritt und Tritt. Als sie nach Devaprayag fliegt, wo Bhagirathi und Alaknanda zum Ganges zusammenfliessen , erzählt sie endlich ihre Geschichte. Sie beginnt in den 30er-Jahren. Katherine wächst im britisch besetzten Indien auf und freundet sich in Devaprayag mit dem Stallburschen Kisna an. Ihr Vater Peter Beckett (Michael Maloney) toleriert diese freundliche Annäherung mit den "Eingeborenen" nicht und schickt Katherina nach London. Erst 1947 kehrt sie zurück und verbringt bald wieder alle freie Zeit mit Kisna (Vivek Oberoi). Dies erzürnt seine Verlobte Lakshmi (Isha Sharvani). Und nicht nur sie. Als die Briten aus dem Land gejagt werden, attackieren einige radikale Inder das Beckett-Anwesen und wollen auch Katherine töten. Kisna rettet sie und bringt sie in Sicherheit - stets verfolgt von Prinz Raghuraj (Rajat Kapoor), der Katherine heiraten will. Und von Shankar Singh (Yashpal Sharma), Kisnas wütendem Bruder.
REVIEW
"Kisna" ist sicher kein sehr guter Film, aber es gibt einiges zu mögen an dem 163-Minuten-Epos.
So lange ist die indische Fassung. Ghai plant dazu eine zweistündige West-Fassung ohne Songs. Doch nach dem finanziellen Desaster glaube ich persönlich nicht wirklich daran. Zumal ein Rauschneiden der Songs verheerend wäre - die Nummern bieten nämlich in der eher müden Erzählung immer mal wieder einen kleinen, feinen Zwischenstopp. Dies liegt seltsamerweise nicht an der Musik. Für diese zeichnet mit A.R. Rahman eine Legende verantwortlich. Mit der Ausnahme des Tracks "Woh Kisna Hai" empfand ich alle Lieder von Rahman und Ismail Darbar als fad oder mittelmässig. Alles andere, als man von einem A.R. Rahman erwarten kann. Nein, was die Songs sehenswert macht, ist auch hier Mehtas Kameraarbeit. Verbunden mit den Feelgood-Momenten mancher Nummern und Isha Sharvantis Tänzen in anderen.
Isha wer? Ich kannte die Dame vorher auch nicht und kann die Schauspieler-Kritik geradesogut mit ihr anfangen. Sie spielt das dritte Rad am Liebes-Dreieck-Wagen und ist absolut schlecht. Sie spielt so dermassen kalt und oberflächlich, dass ich zu keiner Sekunde auch nur eine Emotion an sie verschenkt habe. Aber ... aber das Mädel kann tanzen wie eine Göttin. Eine kurzer Blick in ihre Biografie bringt Klarheit: Die heute 22-Jährige trainierte seit Kindheitsalter Mallakhamb-Gymnastik, Martial Arts, Yoga, Ballet und Kunstturnen. Es ist kein reiner Tanz, eher schon ein Gymnastik-Dance-Mix wie es Antara Mali in Naach vorgeführt hat. Von Sharvanis Bewegungen kann man jedenfalls kaum genug bekommen, von ihrem Schauspiel ist man nach ein paar Sekunden satt.
Denn Hauptdarsteller Vivek Oberoi geht es nicht besser. Er kann seinen Kisna-Chatakter hier einfach nicht formen und mit Leben füllen. Er wirkt distanziert und hat keine Chemie mit Antonia Bernath. Oberoi spielt nicht so schwach wie Sharvanti, aber er erzeugt das selbe "so what?"-Gefühl beim Zuschauen. Und das ist für eine so gewichtige Rolle tödlich. Zum Glück zieht ihn die letzte Person im Lead-Dreieck aus der Zwickmühle: Antonia Bernath. Die Britin ist eine weitere Entdeckung von Subhash Ghai, der ein Auge für neue Talente hat. Sie versprüht manchmal Charme, manchmal Angst und immer mal wieder Liebe. Ihr Charakter ist denn auch der beste im ganzen Film.
Von den Nebendarstellern ist die in Indien oft gelobte Polly Adams höchstens okay, Michael Maloney schwach, Amrish Puri in seiner letzten Rolle diabolisch etwas unterverwertet und Om Puri als tuntiger Musiker nicht ganz passend. Yashpal Sharma als Kisnas Bruder überzeugt, Alyssa-Milano-Klon Hrishita Bhatt kriegt wenig Spielraum. Erwähnenswert ist letztendlich noch Sushmita Sen. Sie hat einen Gastauftritt im Song "Chilman Chilman", ein Part, den Ghai sehr wahrscheinlich für seinen Taal-Star Aishwarya Rai vorgesehen hat. Oder auch nicht. Sen macht ihre Arbeit jedenfalls dank betörendem Blick und atemberaubendem Kleid umwerfend. Ein kleines Höhepünktchen in dem Film.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

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Beitrag #23 - erstellt: 24. Juli 2007
Koffee With Karan, Vol.1


The Best of Shahrukh Khan
TV-Show mit Karan Johar, Shahrukh Khan, Kajol, Gauri Khan, Hrithik Roshan, Amitabh Bachchan und Jaya Bachchan
erhältlich in Hindi/Englisch mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: REM

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Koffee With Karan, Vol. 2


Bollywood Divas
TV-Show mit Karan Johar, Rani Mukherjee, Kareena Kapoor, Priyanka Chopra, Lara Dutta, Bipasha Basu, Arjun Rampal
erhältlich in Hindi/Englisch mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: REM

EDIT: die folgen 3 und 4 sind ebenfalls erhältlich.

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Beitrag #24 - erstellt: 24. Juli 2007
Koi Mil Gaya (2003)


Sternenkind
Mit Hrithik Roshan, Preity Zinta und Rekha
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Story
Kausali im nordindischen Bergland: Der Forscher Sanjay Mehra (Regisseur Rakesh Roshan) hat mit Ausserirdischen Kontakt aufgenommen. Als die Aliens mit dem UFO über sein Auto fliegen, verunfallt er. Sanjay stirbt, seine schwangere Frau Sonia (Rekha) wird verletzt. Ihr Baby hat deshalb einen Gehirnschaden: Auch als Erwachsener ist ihr Sohn Rohit (Hrithik Roshan) deshalb geistig noch ein Kind. Die Grossen hänseln ihn, nur die kleinen Kids sind seine Freunde. Die hübsche Nisha (Preity Zinta), die neu in die Stadt kommt, freundet sich mit ihm an und ist dabei, als Rohit mit dem Computer seines Vaters den Kontakt mit den fremden Besuchern wieder aufnimmt. Bald erscheint das UFO - und vergisst beim Abflug einen der ihren. Rohit findet das Alien, nennt es Jadoo und bekommt von ihm Intelligenz und Muskelkraft verliehen. Das freut natürlich Nisha, ärgert aber ihren Lover Raj (Rajat Bedi).
Review
"Koi... Mil Gaya" ist ein Megahit. Das war so deutlich nicht voraussehbar. Zwar hat Regisseur Rakesh Roshan seinen Sohn Hrithik mit dem Film Kaho Naa... Pyaar Hai zum Megastar gemacht, doch inzwischen schien Hrithik die Talsohle seines Erfolgs erreicht zu haben. Nun spielt er also ein Kind im Manne, das von einem Alien besucht wird. Kann das gut gehen? Ja. Künstlerisch ziemlich gut, finanziell gar fantastisch: "Koi... Mil Gaya" ist der erste Megahit seit langem und mit einem Einspielergebnis von über 400 Mio. Rupien eine lukrative Angelegenheit. Verdient haben sies ja, die Roshans.
Da wäre zuerst einmal der unscheinbarste: Rajesh Roshan. Er schrieb für "Koi... Mil Gaya" einen tollen Soundtrack mit viel Orchester-Einsatz und klaut nur ein paar mal allzu offensichtlich bei der Musik von "Neverending Story". Ansonsten verdient Hrithiks Onkel volles Lob. Auch die Songs sind gelungen. Mir gefällt das Titelstück am besten, nur mit "It's Magic" kann ich nichts anfangen. Dann ist da Rakesh Roshan, der Regisseur. Es ist mutig von ihm, den wie viele meinen, ersten indischen Sci-Fi-Film seit Shekhar Kapurs Mr. India zu drehen. Eigentlich ist es sogar der erste richtige indische Big-Budget-Science-Fiction-Film überhaupt.
Einige Kritiker bemängelten dies - doch ich finde es eine weise Entscheidung. So kann Roshan dosiert seinen guten Effekte auffahren (die UFO-FX etwa sind sehr gut) und ab und zu sein zugegebenermassen etwas veraltetes Alien bringen, doch die Story um seine menschlichen Charaktere drehen lassen. Die Aliens und der Sci-Fi-Aspekt sind gut fürs Marketing, gut für die News, doch letztendlich drehte Roshan einen Bollywoodfilm mit Musik, Liebe, Drama, Humor. Mit Menschen im Zentrum. Viele der besten Blockbuster benutzen einen Gimmick, um letztendlich etwas ganz anderes zu erzählen
Doch zurück zu "Koi... Mil Gaya" und dem letzten (und wichtigsten) Roshan: Hrithik. Dies ist ganz klar sein Film. Sein Mut und Einsatz werden vollkommen vergolten. Er overactet zwar als 12-Jähriger im Männerkörper gehörig, doch man akzeptiert ihn. Ich fand die (nicht sexuelle) Annäherung an Preity Zinta richtig süss und das Publikum kann mit dem ausgestossenen Sonderling voll sympathisieren. Hrithik ist schlicht fantastisch. Wenn er sich dann in Spider-Man-Manier zum Helden wandelt, freut man sich für ihn umso mehr und nun kommen Hrithiks Muskeln zum Zug. Die anderen Akteure stehen ihm aber nicht nach: Preity Zinta ist süss und voller Charme. Ihre etwas spezielle Beziehung zu Hrithik meistert sie toll. Rekha (Bhoot) als Hrithiks Mutter ist wie immer spitze und sogar Johnny Lever ist auszuhalten.
Wie angedeutet ist KMG Rohits Story. Selbst der Titel ist doppeldeutig: Ich habe jemanden gefunden - a) das Alien b) Nisha und c) den Mann in mir. In meinen Augen ist das Ende einfach zu plump. Aber das sollte euch nicht davon abhalten, "KMG" zu geniessen. Er ist ein intergalaktischer Familienspass, Hrithik und Preity sind in Bestform - ein richtiger Bollywood-Entertainer fürs neue Jahrtausend.
Fortsetzung: Krrish (2006)
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

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Beitrag #25 - erstellt: 24. Juli 2007
Krrish (2006)


Mit Hrithik Roshan, Priyanka Chopra und Rekha
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Story
Sonia Mehra (Rekha) hat ihren Sohn Rohit (Hrithik Roshan) und ihre Schwiegertochter Nisha(Preity Zinta)durch tragische Umstände verloren. Geblieben ist ihr kleiner Enkel Krishna, den sie hütet wie ihren Augapfel.Als sie jedoch erkennt, dass Krishna die Superkräfte, die das Alien Jadoo an seinen Vater gegeben hat, bei ihm in noch stärkerem Ausmass vorhanden sind, zieht sie in ein Himalaja-Haus weitab aller gefährlichen Einflüsse. Die Jahre vergehen, aus Krishna (Hrithik Roshan) wird ein stattlicher junger Mann mit beachtlichemI.Q. und gigantischen Kräften. Mit diesen rettet er eines Tages die Urauberin Priya (Priyanka Chopra) aus einer misslichen Situation. Während er ihr und ihrer Reisegruppe weitere Scherze spielt, verliebt sich Krishna in Priya und sagt zu, als sie ihn ein paar Tage darauf bittet, nach Singapur zu kommen. Oma Sonia willigt zähneknirschend ein, nicht ahnend, dass Priya und ihre Freundin Honey (Maaninee Mishra) nur planen, mit Krishna eine Sensationsshow fürs Fernsehen zu inszenieren. Vor seiner Abreise versprach Krishna seiner Grossmutter, dass er niemandem seine Kräfte zeigen wird. Als diese aber durch eine Verkettung von Ereignissen gefordert werden, setzt sich Krishna eine Maske auf - und wird Krrish.

Review
Wer diesen aufgeblasenen Superhelden-Nonsens zu ernst nimmt, ihn mit Comicverfilmungen aus Hollywood vergleicht,
der tut sich selbst einen Bärendienst, denn das Pathos des Films, seine Querbeetein-Inszenierung und seine teilweise lächerlichen Actionszenen würden ihn so glatt versenken. Die unmotivierten Achsensprünge, die Anschlussfehler, die Zeitraffer-Patzer und die schlechte Geografie in den Actionszenen treiben geschulte Cineasten in den Wahnsinn. Nein, "Krrish" funktioniert am besten als Trash-Granate - und das meine ich lobend. Nehmen wir gerade diese Actionszenen. Choreografiert hat diese der legendäre Actionmaestro Tony Ching Siu-Tung aus Hongkong, der als Regisseur für Klassiker wie A Chinese Ghost Story verantwortlich zeichnet und zuletzt dank seinen Choreografien für House of Flying Da~ oder Hero auch im Westen zu Bekanntheit kam. Klar kostete "Krrish" weniger als vergleichbare HollywoodFilme, doch zum einen kann man mit dem Budget in Indien mehr erreichen, zum anderen ist es eben nicht nur das Geld, das eine gute Actionszene ausmacht. Hongkong-Filme kosteten schliesslich auch nie viel. Die Action in Krrish hat keine Grazie und kaum Rhythmus, ja nicht einmal Power. Rakesh klotzt vielmehr hin nach dem Motto "Hey, ich habe Tony Ching, hey ich habe einen Computer - seht, was ich damit machen kann!"
Nur einmal sieht Roshan seine Grenzen und drückt ein paar der richtigen Knöpfe: Als Krrish auf der Insel von Dr. Arya (Naseeruddin Shah) ostasiatische Schläger bekämpft. Zuerst in klassischer Martial-Arts-Manier, später abstrahiert zu einem fleischgewordenen Anime, inklusive vorbei rasendem Hintergrund.Priyanka, deren "huh?"Gesichtsausdruck anfänglich noch niedlich ist, verliert bald an Gewicht. Da sie dazu auch überraschend schwach tanzt und etwas steif spielt (das kann sie besser), bleibt sie hübsche Dekoration, mehr nicht.
Naseeruddin Shah versucht sich als schillernder Schurke, doch die Balance aus wild übertreibendem Fiesling und zurückhaltend-realistischem Bösewicht ist schwach abgestimmt. Mit einem diabolischen, comichaften Gegner wäre der Film cooler geworden. Und Rekha, sonst eine souveräne Schauspielerin, ist als gealterte Oma eine kleine Zumutung. Sie strahlt kaum Wärme aus, wirkt schlecht geschminkt und kommt nicht als Oma rüber, sondern als Karnevals- Rekha. Weitere Nebenfiguren kommen besser weg, etwa der solide Sharat Saxena oder der amüsante Hemant andey als Krrish Berg-Kumpel. Bleibt Hrithik. Er tanzt fabelhaft, hat als Berg-Boy viel Charme, zeigt vollen Einsatz in den erstaunlich spärlich gesäten Actionszenen und ist trotz anstrengendem Dauergrinsen einfach ein netter Typ. "Krrish" ist ganz klar seine Show und er macht das Beste draus - mit ansteckender Energie.
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Produktempfehlungen


Beitrag #26 - erstellt: 24. Juli 2007
Kuch Kuch Hota Hai (1998)


Und ganz plötzlich ist es Liebe!
Mit Shahrukh Khan, Kajol, Rani Mukherjee und Salman Khan
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Special Edition: 2 Disk-Set
Single Disc: 1 Disk


STORY
Bombay: Tina (Rani Mukherjee) gebärt ein Kind, kurz darauf verstirbt sie. Ihr Mann Rahul Khanna (Shahrukh Khan) erfüllt ihren letzten Wunsch und nennt das gemeinsame Kind Anjali. Jedes Jahr zum Geburtstag kriegt Anjali einen Brief, den ihre Mutter vor dem Tod geschrieben hat. Als Anjali (Sana Saeed) acht wird, erfährt sie im Brief, wieso sie so heisst: Im College war Anjali Sharma (Kajol) Rahuls beste Freundin. Sie liebte ihn, doch getraute sich nicht, ihm die Liebe zu gestehen. Da tauchte Tina auf dem Campus auf und Rahul verknallte sich auf den ersten Blick. Als er Tina seine Liebe beichtete, verliess Anjali die Schule und sah Rahul nie wieder. Nun wünscht sich Tina im Brief, dass ihr Töchterchen Rahul mit der Frau verkuppelt, die ihn wirklich liebte
REVIEW
Mit "Kuch Kuch Hota Hai" gab Karan Johar, der Sohn von Produzent Yash Johar, sein Regiedebüt. Und was für eines! KKHH ist einer der schönsten und beliebtesten Bollywood-Filme, der an den Kinokassen zum Blockbuster avancierte und dessen Songs die Hitparaden stürmten. Über die ganze Distanz von 183 Minuten langweilt man sich nie. Dafür wird man durch ein Wechselbad der Emotionen geleitet: Liebe, Kitsch, viel Humor und zum Schluss grosse Emotionen. Berauschendes Bollywood-Kino kann eigentlich fast nicht besser sein.
Ein Grossteil davon ist das Verdienst der Akteure. Kajol und Shahrukh waren 1998 längst ein Traumpaar, nicht zuletzt wegen ihrem gemeinsamen Blockbuster DDLJ. Neu dazu stiess Kajols schöne Cousine in ihrem erst dritten Film: Rani Mukherjee. Shahrukh, Kajol und Rani waren fortan ein Dreamteam und die Glücksbringer von Karan Johar, ohne die er keinen Film drehen würde. Es folgten denn auch K3G und Kal Ho Naa Ho - wobei Rani und Kajol bei Letzterem nur für ein paar Sekunden zu sehen sind. Aber zurück zu den Stars: Shahrukh ist wunderbar. Ob als kleiner Macho mit knalligem Modegeschmack im College, ob als liebender Vater oder hoffnungslos Verliebter - er hat immer unglaublich viel Charme. Kajol ist ein Energiebündel. An der Schule ist sie schnippisch, überdreht und trägt absurde Kleider. Später ist sie würdevoll und steckt im schönen Sari. Sie beweist Wandelbarkeit und steht Shahrukh in Sachen Charme in nichts nach. Rani zuletzt ist betörend und doch natürlich. Ihre Rolle ist bescheidener, aber ihr Geist hängt über dem ganzen Werk.
Mit dabei sind noch viel mehr bekannte Gesichter. Das berühmteste gehört Superstar Salman Khan, der einen verlängerten Gastauftritt absolviert. Seine noble Geste zum Schluss gehört zu den bewegendsten Momenten des Hindi-Kinos. Anupam Kher ist witzig als Rektor, Johnny Lever ist nicht sooo übel als Lagerleiter, Farida Jalal gibt Rahuls Mutter, Reema Lagoo jene von Kajol. Ein letzter Star ist die Musik: Die Songs sind wirklich wunderbar, wie meistens in einem Karan-Johar-Film. Der Reigen beginnt mit dem eher schwachen, aber knallbunten "Yeh Ladka Hal Deewana", gefolgt vom kurzen Rani-Solo "Om Jai Jagdish Hare". "Koi Mil Gaya" ist eine rockige Gutelaune-Nummer und das Titellied "Kuch Kuch Hota Hai" (Lyrics hier) ist schön melancholisch inszeniert in Schottland (Locations). Der Rest des Films hat noch weitere Nummern zu bieten, manche wiederholt, manche gekürzt. Heraus ragen der mit jedem Anhören besser werdende Track "Saajanji Ghar Aaye" mit dem ersten Auftritt von Salman sowie "Ladki Badi Anjani Hai", der vielleicht gelungenste Song des Soundtracks.
"Kuch Kuch Hota Hai" ist ein wunderschöner, sehr witziger und unglaublich romantischer Film, den ein Bollywood-Fan einfach gesehen haben muss. Er braucht eine gewisse Zeit, um in Fahrt zu kommen, beginnt etwas holprig und beinahe zu überdreht. Aber die Dramaturgie ist perfekt - denn mit jeder Minute wird er besser. Er steigert sich durch Ranis Eintritt am College, wird super mit Kajols Abreise, wandelt sich zum Meisterwerk mit Salmans Einführung und hievt sich in Klassiker-Sphären in der letztem emotionalen Stunde. An dem Werk entscheidet sich, ob man mit dieser Form des exzessiven Kinos überhaupt etwas anfangen kann. Insofern ist KKHH ein guter EInstiegspunkt für den geneigten Bollywood-Interessierten.

© Text Marco, molodezhnaja
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Beitrag #27 - erstellt: 24. Juli 2007
Kyun! Ho Gaya Na (2004)



...und unsere Träume werden wahr
Mit Aishwarya Rai, Vivek Oberoi und Amitabh Bachchan
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Story
Arjun Khanna (Vivek Oberoi) liebt Rallies, seine Kumpels und Bowling. Von Liebe hält er wenig, er will, dass seine Eltern ihn verheiraten. Anders Diya Malhotra (Aishwarya Rai). Sie träumt von der grossen Liebe. Wie das Schicksal so spielt, landen beide in Arjuns Haus, wo sie sich ständig Streiche spielen. Doch Diya entwickelt Gefühle für Arjun. Das war auch so geplant von ihren Eltern: Die beiden sollen verkuppelt werden! Doch als Arjun mit seinen Scherzen zu weit geht und Diyas Herz bricht, zieht sie weg. Nun muss Onkel Raj Chauhan (Amitabh Bachchan) ran und Amor spielen ...
Review
"Kyun! Ho Gaya Na..." ist eine ziemlich substanzlose und oberflächliche Komödie, doch ich habe mich fast drei Stunden lang amüsiert, vor allem in der ersten Hälfte. Der Look, das Spiel der Akteure und die Story zielen alles darauf ab, einen lockeren, fröhlichen und amüsanten Film zu machen. Der erste Song setzt die Messlatte: "Pyaar Mein Sau Uljhane" ist eine ausgesprochen experimentelle Nummer, typisch für die Komponisten Shankar-Ehsaan-Loy. Die Choreografie ist interessant, der Song neuartig.
Ash ist in diesen frühen Szenen etwas pummelig - ich denke, die entstanden, als sie für "Bride and Prejudice" Kilos zulegte. Auch die lockige Frisur macht sie etwas rundlicher. Doch im Laufe des Films scheint sie immer wie attraktiver zu werden - wie diese vier Screenshots (anklicken) zeigen, die ich gemacht habe. Sie kommt in dem Film viel weniger als eitle Tussi rüber, wie zuvor in Dil Ka Rishta. Sie tritt sogar im Fussball-Dress auf und sieht darin mit ihren dünnen X-Beinen nicht vorteilhaft aus. Aber es erhöht die Sympathie für sie gewaltig. Ihr attraktiver Schatz ist auch nicht übel. Vivek Oberoi ist in härteren Rollen zwar besser als als romantischer Held, doch er überzeugt. Heimliche Stars sind Om Puri und Rati Agnihotri als Arjuns witzige Eltern. Charmante Gastauftritte gibts von Sunil Shetty, Dia Mirza und dem üblicherweise schmierigen Tinnu Anand als Ashs netter Dad.
Amitabh Bachchans Rolle ist schwieriger einzuschätzen. Er tritt erst nach 90 Minuten auf und ist ganz auf der richtigen Wellenlänge. Er kappiert, dass der Film vom Fun-Motor angetrieben wird und spielt dementsprechend légère. Doch viele Szenen mit ihm und den Waisenkindern sind unnötig. Überhaupt ist die zweite Filmhälfte diffus. Die erste ist ausgerichtet auf Flirten und Necken zwischen den Hauptdarstellern, doch danach gibts mal Dramatik, mal Kinderspass, mal Liebe. Alles wild durchmischt. Regiedebütant Samir Karnik, der am Anfang als Regisseur im Zug auftritt und erzählt, er habe eine Schreib-Blockade, hat hier auch eine Schnitt-Blockade. Er hätte gut eine halbe Stunde kürzen müssen! Zumal auch das Ende voraussehbar ist und schlecht aufgegleist ist, weil die Charaktere das Ende erzählen, bevor es passiert. Grosses no-no.
Der Stil von "Kyun!" ist auch ein paar Worte wert. Nicht die knallig-poppigen Farben, die gibts oft in Bollywood. Nein, die Atmosphäre, die durch den Sound erzeugt wird. Der Film ist soweit ich das beurteilen kann im Sync-Sound-Verfahren gedreht, also nicht wie sonst in Bollywood üblich im Studio nachvertont. Deshalb ist man in jeder Szene ganz nah an den Akteuren, hört sie tatsächlich reden, wie sie in diesem Moment reden. Doch dadurch hat Karnik den Ton weniger unter Kontrolle und oft hört man eine Person zu leise, hört die Fusstritte anstatt die Dialoge. Der Effekt: Naturalismus - aber bei längeren Szenen auch ein amateurhaftes Seifenopern-Feeling.
Ganz entgegengesetzt die Songs. Den ersten habe ich bereits erwähnt. Daraufhin folgt der rockige "Main Hoon...", gefolgt von der Gloss-Style-Disco-Nummer "No No". Der Tanz ist westlich-modern, damit sieht man das Spektrum der superben Tänzerin Aishwarya Rai. Der Song selbst ist eher schwach. "Gunji Si Hai" ist die obligate "in grünen Hügeln tanzen"-Ballade, schön anzusehen, sonst öde. "Dilwalon Suno" ist schwach und Amitabh versucht mal wieder, zu tanzen. Die Ballade "Dhire Dhire" ist schlecht platziert.
Fazit: "Kyun! Ho Gaya Na..." floppte an den Kinokassen, macht aber dennoch Spass.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

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Beitrag #28 - erstellt: 24. Juli 2007
Main Hoon Na (2004)


Ich bin immer für dich da!
Mit Shahrukh Khan, Sushmita Sen, Zayed Khan, Amrita Rao, Kabir Bedi
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Special Edition: 2 Disk-Set
Single Disc: 1 Disk


STORY
Gen. Amar Singh Bakshi (Kabir Bedi) hat das Projekt "Milaap" iniziiert, das den Austausch von je 50 Gefangenen zwischen Pakistan und Indien vorsieht. Der indische Terrorist Raghavan Dutta (Sunil Shetty), ein Ex-Major der Armee, der wegen dem Abschlachten von Pakistanis entlassen wurde, will den Friedensschritt sabotieren und attackiert Bakshi. Brigadier Shekhar Sharma (Naseeruddin Shah) springt in die Schusslinie und rettet den General. Doch die Kugel tötet Sharma. Sein Sohn Major Ram Prasad Sharma (Shahrukh Khan) verfolgt Raghavan, muss aber aufgeben. Seinem Vater verspricht er, den letzten Wunsch zu erfüllen: er soll seinen Halbbruder finden und zusammen sollen sie seien Asche verstreuen. Das ist nicht einfach, immerhin ist Ram das Resultat eines Seitensprungs von Sharma, weshalb seine Frau Madhu (Kiron Kher) ihn verliess und ihren Sohn Laxman mitnahm. General Bakshi gibt Ram einen neuen Befehl: Er schickt ihn ans St.-Pauls-College in Darjeeling. Er fürchtet, dass seine Tochter Sanjana (Amrita Rao), die sich mit ihm zerstritten hat, Raghavans neues Ziel werden würde. Ram soll sich als Schüler, der seinen Abschluss nachholt, einschleichen und das Mädchen schützen. Ram akzeptiert erst, als er erfährt, dass auch Laxman die Schule besucht. Dort angekommen muss sich Ram erst einleben. Ein Angeber namens Lucky (Zayed Khan) macht sich lustig über ihn und Sanjana weist ihn ab. Die coolen Teens wollen nichts mit ihm zu tun haben. Da erkennt Ram, dass Lucky Laxman ist! Er rettet ihn aus einer Gefahrensituation und freundet sich mit ihm und Sanjana an. Doch es gibt noch mehr Probleme: Ram verknallt sich in die neue Chemielehrerin Chandni (Sushmita Sen) - und Raghavan belagert bereits die Schule!
REVIEW
"Main Hoon Na" bietet drei Stunden Action, Humor und Emotionen in einer Dosierung, wie sie nur Bollywood zu Stande bringt. Farah Khan, eine der besten Choreografinnen (K3G, Dil Se, KHNH, KKHH) Indiens, gibt mit dem Hit ihr Regiedebüt und sie macht ihre Arbeit bestens. Spielend bringt sie die Genres unter einen Hut und bietet Nonstop-Unterhaltung im Stile der Masala-Entertainer der 70er. Inhaltlich nicht vergleichbar, aber von der Durchmischung der Stile her ähnlich wie 70er-Klassiker à la Amar Akbar Anthony, in denen Sinn weniger zählt als die Unterhaltung.
Und "Main Hoon Na" ist natürlich ein Shahrukh-Khan-Film. Seine Frau Gauri hat den Film produziert, sein Regie-Freund Karan Johar (KKHH, K3G) hat Shahrukhs Kostüme designt, mit Farah Khan ist er seit langem befreundet und der Superstar selbst steht stets im Zentrum des Films. Mag man SRK nicht, ist man verloren, denn ob Action, Humor oder Gefühl, Shahrukh ist Shahrukh. Und er versprüht soviel Charme wie eh und je. Was mich am meisten erstaunt hat, ist, wie gut er mit der Action umgehen kann. Klar liegt Bollywoods Action-Choreografie weit hinter jener Hollywoods oder Hongkongs zurück, doch vergleicht man die Stunts in "Main Hoon Na" mit jenen eines Sunny Deol-Films, so sind technisch nur wenige Unterschiede auszumachen. Aber: Mit Shahrukh fühlt man mit, mit Sunny meistens nicht. Deshalb wirkt die Action gleich um einiges besser.
Gleich zu Beginn gibts ein Action-Setup, das mit der Musik von "Mission: Impossible" eingeleitet wird. Ein bisschen schlechte Seil-Action und Zeitlupe und fertig ist ein Begrüssungs-Knaller. Der wird durch die Präsenz zweier versierter Akteure wie Naseeruddin Shah und Kabir Bedi noch verüsüsst. Gleich danach kippt der Film auf die andere Seite und wird zum College-Spass à la Kuch Kuch Hota Hai. Westlichen Zuschauern, die noch nicht viel Bollywood aufgesaugt haben, kann man den Film deshalb am besten auf die Kurzformel "'Grease' meets John Woo" reduzieren. Aber für einen Bollywood-Fan gibt der Film so viel mehr her als dieser simple Pitch. Nunmehr am College wird "Main Hoon Na" nämlich saumässig witzig. Highlights sind der Rektor (Boman Irani), der stets salutiert oder der spuckende Lehrer Rasai (Satish Shah), der bei den Schülern Schutzmassnahmen hervorruft, die zum kichern sind.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

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Beitrag #29 - erstellt: 24. Juli 2007
Main Prem Ki Diwani Hoon (2003)


Ich sehne mich nach Deiner Liebe
Mit Hrithik Roshan, Kareena Kapoor und Abhishek Bachchan
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Story
Sanjana (Kareena Kapoor) ist ein aufgeschlossenes, modernes Mittelklasse-Mädchen, das gerade den College-Abschluss gemacht hat. Ihre Eltern wollen sie verheiraten, da trifft es sich gut, dass Sanjanas Schwester Roopa aus Amerika anruft und verkündet, der steinreiche Prem Kumar komme nach Sundernagar. Sanjana soll doch mit ihm anbändeln. Sie sträubt sich, doch als sie einige Zeit mit Prem (Hrithik Roshan) verbringt, lernt sie ihn schätzen - und lieben. Alles scheint gut, doch da meldet Roopa, Prem habe sich verspätet. Wer ist der Prem in Sanjanas Armen? Er heisst Prem Kishen Mathur und ist Projektleiter von Prem Kumar. Der "echte" Prem (Abhishek Bachchan) taucht auf, als der "falsche" nach Delhi fährt. Für Sanjanas Mutter ist klar, dass sie den "falschen" vergessen muss und den "richtigen" heiraten muss. Ohne ihr Wissen soll Sanjana verkuppelt werden. Und tatsächlich verliebt sich Prem Kumar in sie.
Review
"Main Prem Ki Diwani Hoon" war für viele Bollywood-Fans einer der am sehnsüchtig erwarteten Filme des Jahres.Die Erwartungen enorm - nicht jedoch bei mir. Ich find HAHK einen ganz netten Film, konnte den grenzenlos langweiligen HSSH aber nicht ausstehen. Einen weiteren Sooraj-R.-Barjatya-Film, bei dem es nur ums Heiraten und sonst nichts gehen würde, hätte ich nicht ausgehalten. Und siehe da: Barjatya überrascht mich.
Seine letzten beiden Filme waren Inbegriffe von konservativen Familienfilmen. Kein Sex, kein Fluchen, keine knapp bekleideten Frauen. Alle Szenen spielten im Haus, bei der Familie. Handlung gab es wenig, meistens wurde einfach geheiratet. Das gefiel den Konservativen. Und was diese nun im Kino zu sehen bekamen, musste sie aus den Socken gehauen haben. Die eine Gruppe, die "Main Prem Ki Diwani Hoon" hasste, war geboren. Die anderen waren die Kritiker, die Hrithik Roshan schon lange totgeschrieben haben, Kareena Kapoor wegen ihrer Arroganz hassen und Sooraj R. Barjatya einen Flop gönnen mochten.
Alle Songs sind in epischen und exotischen Landschaften gefilmt - wie man es vom Hindi-Kino gewohnt ist. Aber eben nicht von einem Barjatya-Film. In einem Punkt muss sogar ich sagen übertreibt es der Regisseur mit dem modern Sein: Der Papagei des Hauses ist eine CGI-Kreation! Und der Hund Johnny verwandelt sich manchmal in einen animierten Beisser. Das ist eigentlich absolut unnötig, passt aber zum over-the-top-Stil des Filmes. Die CGI-Geschöpfe bekamen einige Kritiker in den falschen Hals. "Sie sehen nicht echt aus", meinten einige. D'oh! Das ist auch nicht die Idee! Sie bieten eher Comic Relief. Eigentlich ja ganz nett, wie der Papagei ständig Titel von Hindi-Filmen aufzählt. Bloss die Untertitel sind etwas seltsam (aus Raja Hindustani wird "Robin Hood").
Soweit so akzeptabel, aber wie sind denn nun die Stars? Auch hier beginne ich mit einer mir untypischen Aussage: Kareena Kapoor ist richtig gut. Ich bin sicher nicht der grösste Fan von Kareena, aber in der ersten Hälfte des Films hat sie mit ihrer beschränkten Mimik unerwartetes komödiantisches Timing. Vor allem ihre Szenen mit Hrithik, in den sie ihn nicht mögen soll, sind witzig. Hrithik selbst, mit dem Kareena zum vierten Mal (nach Yaadein, K3G und Mujhse Dosti Karoge!) zusammenspielt, ist etwas gar laut. Ich mag Hrithik, doch Barjatya treibt ihn schauspielerisch in die falsche Ecke. Er ist stets so aufringlich fröhlich, dass es einem bald abstellt. Definitiv der Schwachpunkt des Films. Da hilft es auch nicht, dass er nach 55 Minuten zum ersten Mal sein Shirt ausziehen darf - es wird nicht das letzte Mal bleiben. Und letztendlich Abhishek Bachchan, der 2000 wie auch Kareena in Refugee sein Debüt feierte. Er ist der ruhende Pol im Film, hat aber die undankbare "dritter Mann"-Rolle, der zu einem Hindi-Film nach der typischen Liebesdreieck-Formel einfach mal gehört. Er ist gut, aber nicht sensationell. Die Nebendarsteller sind allesamt okay. Kareenas Freundinnen sind flippig, ihr Papa gelassen und sehr überzeugend, die Mutter für einmal recht böse (Barjatya-untypisch), Johnny Lever ist auszuhalten.
Ich sollte wohl endlich zum Schluss kommen: MPKDH ist ein guter Film. Modern, bunt, leicht. Leider auch etwas lang, voraussehbar (ja, es ist ein Formel-Film) und mit Hrithik nicht ganz richtig besetzt.
(gekürzte review - alles [url=http://www.molodezhnaja.ch/india_m.htm#mpkdh]hier nachlesen[/url] )

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Beitrag #30 - erstellt: 24. Juli 2007
Mohabbatein (2000)


Denn meine Liebe ist unsterblich
Mit Shahrukh Khan, Amitabh Bachchan und Aishwarya Rai
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Special Edition: 2 Disk-Set
Single Disc: 1 Disk


STORY
Rektor Narayan Shankar (Amitabh Bachchan) hält an der Eliteschule Gurukul knallharte Regeln aufrecht. Vor Jahren hat ein Schüler die Regeln gebrochen und sich verliebt. Shankar hat den jungen Mann dafür von der Schule geworfen, das Mädchen beging Selbstmord. Sie war niemand anderes als Shankars einziges Kind Megha (Aishwarya Rai). Doch selbst dieser Vorfall hat das Herz des prinzipientreuen Mannes nie erweicht. So leiden nun auch drei neue Schüler unter den Regeln, da sie sich verliebt haben: Der stürmische und steinreiche Vicky Oberoi (Uday Chopra) in die arrogante Schülerin Ishika (Shamita Shetty), Sameer Sharma (Jugal Hansraj) in seine Kindheitsfreundin Sanjana (Kim Sharma) und Karan Choudhary (Jimmy Shergill) in die verheiratete Kiran (Preeti Jhangiani). Die Jungs setzen darum alle Hoffnung auf den neuen Lehrer, Raj Aryan (Shahrukh Khan), der sich gegen Sahnkars Anweisungen stellt und mit ihm noch eine alte Rechnung offen hat - er ist der Schüler von damals, der von der Schule geworfen wurde!

REVIEW
"Mohabbatein" ist die zweite Regiearbeit von Aditya Chopra nach Dilwale Dulhania Le Jayenge und erreicht weder dessen Qualität noch seine dramaturgische Dichte. Das Epos ist ausufernde 215 Minuten lang und leidet unter einem uneinheitlichen Ton ebenso wie unter ein paar schwachen Nebenrollen. Zudem ist das Liebesdrama noch manipulativer und durchkalkulierter, als man es von in Bollywood schon gewohnt ist. Doch der mit drei Filmfare-Awards ausgezeichnete Film repräsentiert beinahe besser als jeder andere das Bollywood-Kino um die Jahrtausendwende - bezüglich Inhalt, Aufwand, Besetzung und Musik. Es ist ein nicht immer gut zugänglicher Film mit inszenatorischen Problemen, doch einer, der immer wieder Momente absoluter Schönheit produziert.
Als erstes muss ich einfach die Musik loben. Sie stammt wie die meisten genialen Blockbuster der späten 90er von Jatin-Lalit (KKHH, DDLJ) und weist ein paar echte Perlen auf. Den Anfang macht mit "Chalte Chalte" ein durchschnittlicher, zu langer Track, der vor allem dazu dient, die drei jungen Liebespärchen zu zeigen. Es folgt die wunderbare Holi-Nummer "Soni Soni". In "Aankhein Khuli" tritt das Mädchencollege (das anscheinend nur von Supermodels besucht wird) zum Tanz an - aber das Lied taugt nichts. Zum Schluss legt immerhin 60's-Item-Girl und Supervamp Helen eine kesse Sohle aufs Pakett. Der Instrumental-Track "Rhythms of Mohabbatein" gibt v.a. den Damen die Chance, attraktiv abzutanzen. Gleich darauf folgt ein Herzstück des Films mit dem bezaubernden Schweizer-Alpen-Lied "Humko Humise", dem Leitthema des Films. Als Abschluss gibts den hübschen "Pairon Mein Bandhan" mit guten Tänzen, der in "Zinda Rehti Hain Mohabbatein" übergeht.
Weniger geglückt ist indes die Hintergrundmusik. Wenn sie Auszüge der Lieder aufnimmt, funktioniert sie - doch die ununterbrochenen Aaah-Aaaah-Aaaaaah-Chöre, die man aus allerlei Hindi-Filmen kennt, kombiniert mit Geigenklängen schlagen mit der Zeit aufs Trommelfell. Dort schmerzt bisweilen auch der laute Humor, für den primär Anupam Kher verantwortlich zeichnet. Der Papa aus Bend It Like Beckham ist mit diesem Johnny Lever-Part leicht unterfordert. Zwar macht er ein paar witzige Anspielungen an Kuch Kuch Hota Hai, aber meistens muss der arme Kher den Hampelmann spielen. Dafür ist er einfach zu gut. Und damit bin ich unweigerlich bei den Akteuren angelangt.
Die Besetzung ist schliesslich eine der Stärken des Films. Es ist unter anderem die erste Zusammenarbeit der Megastars Shahrukh Khan und Amitabh Bachchan. Sie haben eine ähnliche Dynamik wie in Kabhi Kushi Kabhie Gham und führen den Kampf "Liebe gegen Tradition". Shahrukh, der nach fast dreissig Filmminuten auftaucht, verkörpert den "Dead Poets Society"-Geist als gutmütiger Lehrer überzeugend. Amitabh spielt seine autoritäre Karte ebenfalls voll aus. Dritte im Starbund ist Aishwarya Rai, die nach einer Stunde erstmals auftaucht.........
(gekürzte review - alles hier nachzulesen )

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Beitrag #31 - erstellt: 24. Juli 2007
Mujhse Dosti Karoge! (2001)


Beste Freunde küsst man nicht
Mit Hrithik Roshan, Rani Mukherjee und Kareena Kapoor
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Story
Der Bub Raj zieht mit seinem reichen Vater Mr. Khanna (Kiran Kumar) von Shimla nach London. Rajs Freundin Tina verspricht, ihm jeden Tag zu e-mailen. Doch schon bald langweilt sie das Tippen. Also springt ihre beste Freundin Pooja ein und verschickt Mails unter Tinas Namen. Die Jahre vergehen. Aus Raj (Hrithik Roshan) ist ein junger, attraktiver und erfolgreicher Mann geworden. Und kehrt nach Indien zurück! Pooja (Rani Mukherjee), die sich längst in ihren Briefpartner verliebt hat, bittet Tina (Kareena Kapoor), den Schwindel nicht auffliegen zu lassen - und so verliebt sich Raj natürlich in Tina. Als er merkt, dass er eigentlich die falsche Frau anbetet, ist es bereits zu spät: Tinas Vater Arjun Kapoor (Sachin Khedekar) ist verstorben und Rajs Vater will sein Versprechen dem Toten gegenüber einlösen - und seinen Sohn mit Tina verheiraten.
Review
Ganz kann "Mujhse Dosti Karoge!" die Erwartungen nicht erfüllen. Immerhin stammt die Story von DDLJ-Schöpfer Aditya Chopra, produziert hat Yash Chopra und drei der Stars aus K3G sind wiedervereint: Die liebliche Rani Mukherjee, Superstar Hrithik Roshan und die zickige Kareena Kapoor. Da erwartet man etwas mehr als ein formelhaftes Liebesdreieck ohne grosse Überraschungen. Aber Regiedebütant Kunal Kohli (Hum Tum) schafft es, der Liebesgeschichte charmante Seiten abzuringen und 159 Minuten lang auf durchgehend solidem Niveau zu unterhalten.
Was schnell positiv auffällt, ist der relativ zeitlose Look des Films. Die Kleider sind meistens in satten Farben gehalten, beinahe immer unifarben. Das hebt sie deutlich vom Werbe- und Logo-Look ab, der in ähnlich gelagerten Filmen wie Kuch Kuch Hota Hai und K3G zelebriert wird. Der Film ist so durchaus modern (zu modern, wenn die Kids in den frühen 90er schon e-Mail haben), aber nie aufdringlich. Das gilt indes nicht für Kareena Kapoor. Sie kopiert beinahe ihren Poo-Part aus K3G, selbst ihre Einführung kopiert dessen "It's Raining Men"-Tanz auf etwas gar plumpe Weise. Solche Rollen verkörpert Kareena ideal und ihr schwaches Schauspiel vorzuwerfen, wäre vermessen - aber es nagt etwas an der Glaubwürdigkeit: Klar hat Tina einen Luxuskörper, doch dem nicht gerade dummen Raj müsste schnell auffallen, dass diese Über-Beauty nicht viel im Kopf hat und es Pooja ist, die sein Herz erobern will.
Eine Stunde dauert es, bis ihm das klar wird. Danach hängt der Film leicht durch, da die Wendungen, um Tina und Raj doch noch zusammenzubringen, nicht gerade die neusten sind. Es ist Rani und Hrithik zu verdanken, dass der Film trotzdem kein Tempo einbüsst. Rani ist einfach stets ein Genuss und ihr zurückhaltendes Spiel der ideale Kontrast zur unter Strom stehenden Kareena. Hrithik, einmal mehr zu Beginn etwas zappelig, liefert ebenso eine solide Performance. Routinierte Nebendarsteller um Satish Shah (als Ranis Vater), Kiran Kumar, Sachin Khedekar und Himani Shivpuri sorgen für ansprechenden Support. Nur einer stört: Uday Chopra. Der hat einfach die richtigen Gene und darf in jedem Film seines Daddys auftauchen. Aber er spielt einfach nicht gut.
Die Musik ist durchgehend angenehm und die Locations (unter anderem in der Schweiz) eine Augenweide. Doch von diesem Soundtrack bleibt wenig in Erinnerung. Symptomatisch ist denn auch, dass das musikalische Highlight des Streifens ein Medley aus klassischen Songs ist. Das etwa zur Zwei-Stunden-Marke eingespielte Lied offeriert weit über ein Dutzend Songs, von denen ich traurigerweise nur einen Drittel kannte, darunter "Kaho Naa Pyaar Hai", Kuch Kuch Hota Hai" und "Mehndi Laga Ke Rekhna" aus DDLJ. In dem Lied ist Kareena zudem ungemein sexy im roten Sari und Rani nicht minder augenfreundlich im rosafarbenen Kleid. Ein weiterer Grund, warum diese Minuten mitreissen.
Formelhaftigkeit, Voraussehbarkeit, der schwache Uday Chopra und die nicht gerade umwerfenden Songs verhindern eine bessere Bewertung, doch dank dem Trio Hrithik, Rani und Kareena gehen die 159 Minuten im Nu vorbei. Das ist die ideale Voraussetzung für einen verregneten Nachmittag vor dem TV-Gerät.
(gekürzte review - alles hier nachlesen)

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Beitrag #32 - erstellt: 24. Juli 2007
Murder (2004)


Mit Mallika Sherawat, Emran Hashmi und Ashmit Patel
in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: REM

Story
Simran Sehgal (Mallika Sherawat) verlor ihre Schwester Sonia bei einem Unfall. Sie hat geschworen, sich um ihren Sohn Kabir zu kümmern und heiratete zu dem Zweck Sonias Gatten, den Computeringenieur Sudhir (Ashmit Patel). Doch nach fünf Jahren hängt noch immer Sonias Geist über der Beziehung. Simran ist unbefriedigt, ihr Leben in Bankok bietet nur Langeweile. Da begegnet sie ihrem Schulfreund Sunny (Emran Hashmi), der im Knast sass, weil er einen Kerl verprügelte, der Simran anfasste. Sofort lodert die Leidenschaft zwischen den beiden auf. Und obwohl Simran Bedenken hat und ihre Ehe nicht riskieren will, beginnen sie eine Affäre.
Review
"Murder" basiert lose auf dem US-Erotikthriller "Unfaithful", aber mit indischer Aufmache und konservativerem Einschlag. Ein so freches Ende wie bei "Unfaithful" wäre den indischen Zuschauern kaum zuzumuten, deshalb ist das Finale von "Murder" auch so eine Enttäuschung. Es dient nur der Hochhaltung der Heiligkeit der Ehe. Typisch indisch, aber irgendwie plump. Und wahnsinnig forciert.
Ansonsten gibt es recht viel Gutes zu berichten über das Regiedebüt von Anurag Bose: es ist mit 130 Minuten kurz, ist günstig produziert und wurde deshalb in ganz Indien zum überraschenden Hit. Ashmit Patel und Mallija Sherawat sind gut, die Musik überzeugt, die Songs sind wenig, aber auch nicht übel, die Inszenierung ist routiniert, die Handlung auch - und der Schuss gewagter Erotik gibt dem Film das gewisse Etwas. Ihr merkt aber schon, wirklich aus den Socken gehauen hat mich der Streifen dann doch nicht. Ein Grund ist, dass die Handlung zwar für Bollywood ziemlich feministisch erscheint, aber schon ziemlich abgegriffen ist und letztendlich doch in alte, sexistische Formeln fällt. Besonders nervig ist, dass die Frau am Anfang tatsächlich viel zu hysterisch tut und Sudhirs Frage "why are you overreacting?" durchaus gerechtfertigt ist. Der andere Grund ist die verkehrte Besetzung. Nicht Fehlbesetzung - sondern verkehrt. Die beiden Männer haben die falschen Rollen! Ashmit Patel, der Bruder von Amisha Patel, war zuletzt recht gut im enttäuschenden Inteha. In "Murder" zeigt er einmal bei einer Duschszene seinen eindrücklichen Body und ist sonst in der ersten Hälfte der blasse Gatte. Völlig falsch. Er hätte die Rolle des Sunny spielen sollen.
Aber nein, diese Rolle ging an den blassen Emran Hashmi (Footpath). Gut, ich bin froh spielt er nicht die Hauptrolle als Sudhir, denn ich mag ihn nicht sonderlich, aber als unwiderstehlicher Lover ist er akut fehlbesetzt. Er hat kein Charisma, kein Feuer - sondern nur Langeweile. Und sein Body kommt nie an jenen von Patel heran. Aber was am schlimmsten ist: der Kerl küsst wie ein Fisch, den man aus dem Wasser genommen hat (siehe Bild)! Mir ist klar, dass indische Akteure wenig Erfahrung im Knutschen haben, da sie es ja meistens nicht tun dürfen, aber wenn dann schon mal ein Film wie "Murder" kommt, in dem es etliche Lip-Locking-Szenen gibt, dann bitte bitte besetzt jemanden, der küssen kann. Hashmi zuzusehen rufte bei mir schallendes Gelächter hervor. Ich glaube, auch die süsse Mallika Sherewat war entgeistert und hatte Angst, der würde sie auffressen. Definitiv einer der schlechtesten Filmküsse überhaupt.
Ach ja, Mallika. Sie durfte schon in Khwahish viel Haut zeigen, doch diesmal setzt sie sie richtig ein. In der passablen Nummer "Kaho Na Kaho..." raubt einem ihre bauchfreie Top-Jeans-Combo den Atem. Und in der öden Erotik-Montage "Bhige Hoth Tere" zeigt sie sich freizügig in wunderschönen Bildern. Im besten Song, "Dil Ko Hazar Baar" übernimmt zwar das superschlanke Item Girl Kashmira Shah die Hauptrolle, doch der Gesamteindruck von Mallinka ist sehr gut. Damit habe ich die drei grössten Sündenfälle eigentlich entlarvt: das Ende, der Mangel an Spannung und die verkehrten Rollen von Ashmit Patel und Emran Hashmi. Der Rest ist ganz okay - wenn auch arg gewöhnlich ...
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

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Beitrag #33 - erstellt: 24. Juli 2007
One 2 Ka 4 (2000)


Der Babysitter-Cop
Mit Shahrukh Khan, Juhi Chawla und Jackie Shroff
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Story
Javed Abbas (Jackie Shroff) und Arun Verma (Shahrukh Khan) arbeiten für ein Spezialkommando der Polizei. Privat sind die beiden eng befreundet. Javed, ein Vater von vier Kindern, ist für den jüngeren Arun, ein Dauer-Single, wie eine Vaterfigur. Die Kids können den Schnösel dennoch nicht leiden. Eines Tages sind die beiden Cops wieder einmal dem Drogenbaron Krishan Kant Virmani alias KKV (Nirmal Pandey) auf den Fersen. Dabei wird Javed von einem Mann erschossen, der anscheinend selbst ein Cop ist. Wer war es? Und was wird aus Javeds Kindern? Arun wird zu ihrem Ersatzvater, hat es aber schwer, ihr Vertrauen zu gewinnen. Deshalb holt er sich Hilfe in der Person von Geeta Choudhary (Juhi Chawla). Die junge Frau war eine Freundin von Javed und schmeisst den Haushalt. Derweil macht Arun Jagd auf KKV und den Spitzel im eigenen Revier ...
Review
An den Kinokassen ging "One 2 Ka 4" gnadenlos unter und zementierte das Tief, in dem sich Shahrukh Anfang des Jahrtausends befand. Seine Eigenproduktion Phir Bhi Dil Hai Hindustani (auch mit Juhi Chawla) floppte genauso wie der ambitionierte Asoka. Erst mit K3G ging es für den Superstar wieder steil bergauf. "One 2 Ka 4" war einer dieser finanziellen Fehlschläge. Verdient? Halbwegs, denn der Film versucht allzu verbissen, ein ganzheitlicher Entertainer zu sein. Dazu mischt er wild allerlei Genres, ohne wirklich ein gutes Gesamtbild zu hinterlassen. Die Zutaten wären toll. Musik A. R. Rahman, Hauptrolle Shahrukh, grosses Budget. Aber Regisseur Shashilal K. Nair (Ek Chhotisi Love Story) hätte sich entscheiden müssen, was er will. Eine junger-Kerl-übernimmt-Kinder-und-Familie-Musicalkomödie im Stile von Hum Hain Rahi Pyaar Ke (auch mit Juhi Chawla) oder einen harten Rache-Actionthriller. Die beiden Genres beissen sich nicht per se, aber in "One 2 Ka 4" wollen sie nicht harmonieren: der Familienfilm verlangsamt den Thriller, der Thriller brutalisiert den Familienfilm. Keine gute Kombination.
Shahrukh selbst ist eigentlich ganz gut. Man mag ihn halt oder man mag ihn nicht. Ich mag ihn - so auch hier. Juhi dagegen, die von vielen Kritikern gelobt wurde, fand ich sehr aufdringlich. Witzig und zum Schluss tough. Doch meistens irritierend. In den Songs glänzt sie. Die Musik, wie angetönt, ist von Meisterkomponist A. R. Rahman. Seine Backrground-Kompositionen sind erste Güte. Doch mit den Tanznummern hatte ich Mühe: "Allay Allay" ist eine mittelprächtige Kindernummer mit schlechtem Sänger - die Stimme passt einfach nicht zu Shahrukh. "Haye Dil Ki Bazi Laga" hat wie bei Rahman üblich eine sehr gute Instrumentalisierung, aber der Song kommt nie in Schuss. "Khamoshiyan Gungunane Lagi" hat ebenso beseelte Rahman-Klänge, eine attraktive Inszenierung- gefällt mir aber dennoch nicht. Der Intermission-Song "Osaka Muraiya" ist klasse choreografiert und hat einen innovativen Beat, ist aber schlecht gesungen. Und die Lyrics sind fad. "I Am Sorry" ist ein okay-Song, witzig inszeniert. Und "One Two Ka Four" ist sehr geschmackvoll abgelichtet, mässig gesungen und nett getanzt - kommt aber auch nie in Schwung.
Rahmans Arbeit bei "One 2 Ka 4" wird ansonsten von allen Seiten gelobt. Keine Ahnung, wieso sie bei mir nicht "klick" gemacht hat. Und so bleibt eben wenig in "One 2 Ka 4", was wirklich gut ist. Das Finale für sich böte geile Action, die fast 1:1 von John Woos "Face/Off" gkelaut ist. Aber es kommt uninspiriert, nachdem man sich davor fast drei Stunden durch Familiengeplänkel geplagt hat. Zudem sind die Bösewichter so fad, dass der Showdown nicht richtig Spass machen will. Schaut euch "One 2 Ka 4" wegen Shahrukh an, wegen der gelackten Inszenierung, ein paar hübschen Songs und wegen Juhi (bis auf ihre hysterischen Momente). Dann ergibt sich ein ganz akzeptabler Film - aber keiner, der mit SRKs Grossen Mithalten kann ...

© Text Marco, molodezhnaja
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Beitrag #34 - erstellt: 24. Juli 2007
Pardes(1997)



Mit Shahrukh Khan, Mahima Chaudhary und Amrish Puri
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Story
Vor 35 Jahren zog Kishorilal (Amrish Puri) mit 10 Dollar in der Tasche nach Amerika, nun ist der Inder einer der reichsten Männer der Westküste. Doch er liebt sein Heimatland noch immer über alles. Bei einem Besuch bei seinem Freund Suraj Dev (Alok Nath) bittet er ihn, dass seine schöne Tochter Ganga (Mahima Chaudhary) seinen Sohn Rajiv (Apoorva Agnihotri) heiratet. Der Deal wird abgeschlossen, doch erst soll der verwestlichte Rajiv nach Indien kommen, um mit ein paar Gepflogenheiten des Landes vertraut gemacht werden. Sein Adoptivbruder Arjun (Shahrukh Khan) begleitet ihn. Er soll Rajiv an indische Bräuche annähern und Ganda an amerikanische. Dabei kommen sich Arjun und Ganda nahe. Auch als sie nach der Verlobung nach Amerika fliegen, bleibt Arjun Ganda eine Stütze. Sie entdeckt nun erst, was Rajiv für ein Kerl ist: Er ist ein Partyhengst, trinkt übermässig, hatte mit seiner Ex früher Sex und behandelt Arjun wie einen Diener.
Review
"Pardes" ist ein wundervoller Bollywood-Film, der mal wieder aus dem Vollen schöpft - leider eben auch bei den Klischees. Ich kann mit allen in dem Film leben, aber nicht mit den Vorurteilen über die westliche Kultur. Klar sind indische Gepflogenheiten gesitteter als die westlichen, aber nicht jeder Nicht-Inder ist deshalb ein sexgeiler Wüstling. Viele NRI (im Ausland wohnhafte Inder) haben den Film deshalb auch zu Recht kritisiert. Das Bild, das vom dekadenten Westen vermittelt wird, ist absolut übel - und die Tugendhaftigkeit, die den Indern angehängt wird, beinahe schon verlogen. Da hat Fiesling Rajiv im Film einmal nicht so unrecht. Kurz danach will er Ganga vergewaltigen - und damit ist auch seine Aussage gleich in den Dreck gezogen. Diese Szenen sind extrem manipulativ.
Dennoch mochte ich den Film. Zum einen ist ja fast jeder Film mit kulturellen Klischees beladen, vor allem solche aus Bollywood. Und zum anderen ist "Pardes" unter all diesen Vorurteilen ein äusserst bewegender, gut gespielter und über drei Stunden absolut unterhaltender Film. Shahrukh Khan ist wunderbar, Newcomerin Mahima Chaudhary voller Elan. Amrish Puri ist nicht so böse wie sonst, übernimmt aber dennoch in jeder Szene die Dominanz. Die Musik ist sehr gefällig, bei den Songs gefallen mir besonders "Meri Mehbooba" sowie "I Love My India". Nicht zuletzt rührt das etwas aufgesetzte Ende zu Tränen. Wie gesagt: Es wird aus dem Vollen geschöpft. Und dann nehme ich ein paar Klischees in Kauf - ich weiss ja, dass sie nicht wahr sind. PS: Über die üblichen Regie-Fehler von Subhash Ghai (Yaadein, Taal) kann ich auch hinwegsehen. Beispiele? Flugzeuge starten als 747 und landen als 737. Vancouver muss für L.A. hinhalten.

© Text Marco, molodezhnaja
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Beitrag #35 - erstellt: 24. Juli 2007
Parineeta (2005)


Das Mädchen aus Nachbars Garten
Mit Saif Ali Khan, Vidya Balan und Sanjay Dutt
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation. Vertrieb: Rapideyemovies
Vertrieb: REM

STORY
Calcutta im Jahr 1962: Shekhar Rai (Saif Ali Khan), der Sohn des reichen Nabin Rai (Sabyasachi Chakravarthy), erkennt, dass er Lolita (Vidy Balan) liebt. Sie kam als Waise in das Rai-Haus und wuchs dort behütet auf. Eine tiefe Freundschaft verband sie mit Shekhar, der mit ihr als Muse seine Kompositionen am Klavier entwickelte. Doch erst nun, als der aus London zurückgekehrte Geschäftsmann Girish Babu (Sanjay Dutt) Lolita umwirbt, wird sich Shekhar bewusst, dass er Lolita schon immer geliebt hat. Ihre Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt, da Shekhars Vater das Haus, das er mit Lolitas geliebtem Onkel Gurucharan (Achyut Potdar) teilt, an sich reissen will.
REVIEW
"Parineeta" ist ungemein elegant. Das wird einem schon während Amitabh Bachchans einleitenden Worten und den begleitenden Bildern vom morgendlichen Calcutta klar. Die opulente Ausstattung droht aber nie, den Film zu erdrücken, wie es beispielsweise in manchen Szenen von Devdas der Fall war, sondern ist integraler Bestandteil der Inszenierung. Geschichte, Look, Schauspiel und Lieder gehen eine Symbiose ein, die zwei Stunden lang betört und berauscht. "Parineeta" mag seine Längen haben und es handelt sich nicht gerade um die Neuerfindung des Drehbuch-Rades - doch dies tritt angesichts der überwältigenden Machart und Präsentation des Films in den Hintergrund. Gerade weil die Story eine simple Dreiecksgeschichte mit den obligaten Themen Liebe, Trauer und Eifersucht darstellt, gerät Regiedebütant Pradeep Sarkar nie in Gefahr, den Film völlig zu überladen.
Sarkar hat dabei aber auch einen überaus talentierten Partner: Vidhu Vinod Chopra, einer der besten Filmemacher Indiens, der als Autor, Produzent und Schnitt-Überwacher diesem Werk durchaus seinen Stempel aufdrückt. Ob "Parineeta" nun Chopras Baby ist oder jenes seines Zöglings, ist zweitrangig. Es ist in erster Linie ein sehenswertes Historien-Liebesmelodrama.
Die Parallelen zum bereits erwähnten Devdas sind natürlich erschlagend: Beides sind üppig ausgestattete Melodramen um zwei junge Liebende, deren Familien im Streit sind, und basieren auf Romanen des Bengalen Saratchandra Chatterjee - ausserdem existiert in beiden Fällen bereits eine früher entstandene Filmfassung von Bimal Roy. Der adaptierte Chatterjees Devdas 1955, "Parineeta" jedoch bereits zwei Jahre zuvor mit Ashok Kumar und Meena Kumari.
Saif Ali Khan begeistert als zurückhaltender Künstler ebenso wie als enttäuschter Liebhaber. Sanjay Dutt hat nur eine kurze Rolle und meistert sie passabel. Doch die wahre Entdeckung ist Newcomerin Vidya Balan. Sie hat beinahe die Ausstrahlung einer Madhuri Dixit und bringt die Tragik ihrer Figur ebenso herüber wie ihre Freude. Ohne zu übertreiben eines der besten Debüts dieses Jahres - deshalb hat Vidhu Vinod Chopra sie auch gleich für seine nächsten zwei Produktionen "Yagna" und die Munnabhai-Fortsetzung engagiert. In kleineren Parts erfreuen Raima Sen als Koel und Dia Mirza als Gayatri, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Überzeugend auch die Patriarchen Achyut Potdar und Sabyasachi Chakravarthy.
Letztendlich muss man Pradeep Sarkar aber auch unbedingt für die Einbindung der Lieder gratulieren. Die Stücke von Shantanu Moitra (Yahaan) sind für sich bereits bezaubernd - vor allem das Duett "Piyu Bole" - doch in den Film integriert sind sie einfach blendend. Unbedingt erwähnen muss man auch "Kaisi Paheli Hai", der am ehesten einem Item-Song entspricht, und mit Satin-Rot und der unvergleichlichen Rekha eine Paris-Atmosphäre à la Moulin Rouge herbeizaubert. Durchaus angebracht, galt Calcutta doch lange Zeit als "Paris Südasiens". Genau dies ist ein weiterer zentraler Antrieb hinter "Parineeta": Eine vergangene Ära zu zeigen, die so vielleicht gar nie existiert hat, aber in unseren Köpfen dank nostalgischer Verklärung derartige Dimensionen angenommen hat. Eine Ode an Calcutta ist der Film also ebenso wie eine Ode an die Liebe.
"Parineeta" ist grosses Gefühlskino ohne allzu grosse Gesten. Es ist prunkvolles Ausstattungskino ohne dekadente Übertreibungen.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

© Text Marco, molodezhnaja
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Beitrag #36 - erstellt: 24. Juli 2007
Raincoat(2004)


Mit Aishwarya Rai und Ajay Devgan
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.

Story
Manoj "Mannu" Tripathi (Ajay Devgan) braucht dringend Geld. Er will sich selbstständig machen, hat aber die benötigten 40'000 Rupien nicht. Also fährt er nach Calcutta, wo er bei seinem Schulfreund, dem TV-Produzenten Alok (Sameer Dharmadhikari) und seiner Frau (Mouli Ganguly) unterkommt. Von dort aus will Manoj seine ehemaligen Kollegen ansteuern und um Geld bitten - doch darunter leidet sein Stolz. Bei einer seiner Sammeltouren stattet er bei strömendem Regen Niru (Aishwarya Rai) einen Besuch ab. Die Schöne war seine grosse Liebe in der Stadt Bhagalpur im ländlichen Bihar, doch da er kein Geld hatte, verkuppelte ihre Mutter sie mit einem reichen Mann aus der Stadt. Nun lebt Niru in einem grossen Haus und nimmt Manoj in Empfang. Sie lebt abgeschirmt und wirkt etwas ängstlich, doch sie redet lange mit Manoj. Er lügt ihr vor, er sei ein TV-Produzent und werde bald heiraten. Er erfindet sich neu als Mittelstandsmann und beeindruckt Niru. Doch als sie etwas Essen holen geht, macht Manoj eine erschütternde Entdeckung.
Review
"Raincoat" ist ein gefühlvolles Kammerspiel, eindrücklich gespielt und stimmungsvoll inszeniert. Der Plot basiert auf Kurzgeschichten des Autors O. Henry und markiert das Hindi-Debüt des bengalischen Regisseurs Rituparno Ghost. Doch wie zuvor schon bei Chokher Bali kamen all die überzeugenden Zutaten für mich nicht zu einem befriedigenden Ganzen zusammen. Diesmal aus anderen Gründen. "Raincoat" ist einfach nicht meine Art Film. Ich mag ein Kammerspiel, ein Charakter-Stück, aber dieses hier ist zwei Stunden lang und nicht gar so dicht, wie Ghosh meint. Das Resultat davon ist ein teilweise gähnend lethargische Erzählfluss.
Lasst euch nicht abschrecken. Das ist mein persönliches Gefühl gegenüber diesem Film. Es ist kein Werk, das Hass verdient hat, wie ihn etwa indiafm ausspeit. "Raincoat" ist vielmehr ein persönliches, menschliches, ambitioniertes und durchdachtes Projekt. Aber eines, das bei mir nicht den erwünschten Effekt hatte. So einen Film sehe ich eher als Bühnen-Aufführung, denn der cineatische Wert ist eher bescheiden. Er ist nicht gleich null, denn die Musik im Hintergrund ist betörend, die Verse von Gulzar nachdenklich und die Beleuchtung einmalig. In den Rückblenden beleuchtet die Sonne Aishwaryas Gesicht und macht sie jung und schön. Im Jetzt dagegen dominiert die Farbe grau, Ash wirkt alt und eingefallen. Dies ist alleine der Effekt, der durch eine stilsichere Beleuchtung erreicht wird.
Dann kommt das Schauspiel dazu. Aishwarya Rai wirkt erst etwas künstlich, doch dies macht bald einmal Sinn. Niemand spielt nämlich mit offenen Karten und mit der Zeit hat man das Gefühl, jeder lüge den anderen nur an. Das untergräbt etwas die emotionale Wirkung - aber es regt zum Nachdenken an. Ash macht dieses Doppelspiel sehr eindrücklich, wenngleich sie etwas gar offensichtlich "schauspielert". Ajay ist noch etwas besser, aber sein verloren und mitleidig wirkendes Spiel hat man in dieser Form auch schon gesehen. Ein kleiner Szenendieb ist Annu Kapoor aus Vermieter, der in einer Sequenz Leben in das ansonsten sehr selbstmitleidige Ambiente bringt.
Das heisst? Anschauen. Wer zwei Stunden ruhig sitzen kann wird mit sehr naturalistischen und elaborierten Dialogen belohnt, bekommt tolles Schauspiel, gefühlvolle Inszenierung und interessante Bildgestaltung zu sehen. Aber der Film um Stolz, Liebe und falsche Fassaden ist nicht für alle. Ich würde die Trennlinie nicht beim Intellekt setzen, wie es manche Kritiker getan habe - sowohl die, die den Film nicht mochten wie auch die, die ihn mochten - sondern eher bei der Geduld. Der Film braucht wirklich Durchhaltevermögen und ich bin bereit, dieses aufzubringen. Aber "Raincoat" hätte kürzer sein können ohne Kraft zu verlieren. Manchmal hat man das Gefühl, Ghosh bleibe auf einer Szene drauf, nur um sie einsinken zu lassen. Doch der Film sinkt gleich mit und wird schwerer und schwerer. Er wird dadurch auch prätenziös. Nicht einmal die Rückblenden können ihn mit Leben füllen, da die beiden Schauspieler etwas wenig Chemie haben. Sie leiden besser miteinander als dass sie Liebe herüberbringen.

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Beitrag #37 - erstellt: 24. Juli 2007
Rang De Basanti (2006)


Die Farbe der Rebellion
Mit Aamir Khan, Siddharth und Soha Ali Khan
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

Story
Sue (Alice Patten) will einen Film über die indischen Freiheitskämpfer um Bhagat Singh drehen, basierend auf den Tagebüchern ihres Grossvaters James McKinley, in dessen Gefängnis die Revolutionäre sassen.Doch ihr Financier dreht ihr den Geldhahn zu. Also reist sie auf eigene Faust und ohne Crew nach Delhi. Dort wird sie von der Studentin Sonia (Soha Ali Khan) empfangen, die ihr als Assistentin beistehen will. Nach einem langen Casting findet Sue zufällig die richtigen Leute: Sonias Freunde - den lebensfrohen Langzeitstudenten DJ (Aamir Khan) als Chandrashekhar Azad, den introvertierten Karan (Siddharth) als Bhagat Singh, den Moslem Aslam (Kunal Kapoor) als Ashfaqullah Khan und den Kindskopf Sukhi (Sharman Joshi) als Rajguru. Sonia soll Durga Vohra spielen. Die Jungs sind nicht gross an Geschichte interessiert, machen aber mit. Nur den Part von Ramprasad Bismil hat Sue noch nicht besetzt. Trotz Widerstands ihrer neuen Freunde heuert sie Laxman Pandey (Atul Kulkarni) an, ein Mitglied einer radikalen Hindu-Partei und Verächter allen westlichen Einflusses. Die Arbeiten beginnen und die jungen Leute kommen ihren patriotischen Vorbildern bald näher. Freude ist auch angesagt, als Sonia ihren Freund, den Piloten Ajay Rathod (Madhavan) heiraten will. Doch da schlägt das Schicksal zu und drängt die bislang sorglosen Studenten in die Rolle von Aktivisten.

Review
"Rang De Basanti" ist deutlich ein Produkt seiner Zeit. Ein engagiertes Generationsporträt, das von einer erzählerischen Leidenschaft angetrieben wird und dabei hin und wieder auf die Nase fällt. Aber wenn es funktioniert, dann tut es das glorios. Schon recht früh im Film, als Sue sich von ihrer Chefin entschärft übersetzt mit «schieben sie es sich in den Allerwertesten» verabschiedet, ist klar, dass die Sprache frisch und direkt sein wird. Die Pointen, die folgen, sind denn auch vollends gelungen. Etwa wenn DJ mit Sue flirtet und glaubt, sie verstehe ihn nicht. Das ist selbst dann noch komisch, als er schockiert die Wahrheit erkennt und fortan nur noch von Sues perfektem Hindi schwärmt. Viele Hintergrundgeschichten der Figuren geht Mehra aber im Schnelldurchlauf durch. Wir erfahren etwa, dass der Moslem daheim Probleme hat und dass Karan nicht mit seinem Vater klar kommt. Mehra verzichtet auf lange Ausführungen, da es beinahe Standartsituationen sind und er des Tempos willen ihre Problematik nur anschneidet. Wichtiger ist die Interaktion unter den Jungen.
Da ist Sue, gespielt von der 25-jährigen britischen Seriendarstellerin Alice Patten - Tochter des letzten Gouverneurs von Hongkong, Chris Patten. Ihr Hindi ist souverän, ihre Performance erfrischend. Der niedliche Tamil- und Telugu-Star Siddharth (Nuvvostanante Nenoddantana) gibt Karan in seinem Hindi-Debüt gleichsam cool und gepeinigt, Kunal Kapoor überzeugt als moderner Moslem im Zwang der Traditionen und der Familie. Sharman Joshi (Shaadi No.1) spielt sympathisch den Clown in der Truppe, während Saif Ali Khans Schwester Soha Ali Khan als Sonia die bisher beste Leistung ihrer Karriere zeigt, von den wichtigsten Akteuren aber sicher die schwächste bleibt. Speziell erwähnen sollte man Atul Kulkarni, der gewohnt stark agiert und den spannendsten (wenn auch kaum überraschenden) Charakterwandel durchmacht. Für TamilStar Madhavan (Ramii Londonwaley) reicht es zu einer kleinen Rolle, Om Puri (Aslams Vater), Kiron Kher (DJs Mutter), ihrem Gatten Anupam Kher (Siddharts Vater) und Altstar Waheeda Rehman (Ajays Mutter) zu ganz kleinen. Sie haben keine Figuren, die sie gross ausarbeiten können, doch ihre Präsenz verleiht auch vermeintlich nebensächlichen Charakteren Grösse.
Die Hintergrundmusik grenzt an experimentell, ihr Wechsel zwischen laut und leise ist grandios. Und die Lieder selbst sind top. Besonders gilt dies für das Titelstück, gesungen von Bhangra-King Daler Mehendi, bei dem am liebsten aufspringen möchte. Aber auch der Lata-Song "Luka Chupi" ist perfekt eingesetzt, das lockere Stück "Rubaroo" kommt so unerwartet, dass es sitzt. Wenn das alles derart stimmig ist, was klappt denn nicht? Neben den kleinen Nörgeleien wie Aamirs Alter oder der an ein paar Stellen verbesserungswürdigen Montage ist es die Balance aus Gegenwart und Historie.

(gekürzte review - alles hier nachlesen )

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Beitrag #38 - erstellt: 24. Juli 2007
Saathiya (2002)



Sehnsucht nach Dir
Mit Vivek Oberoi, Rani Mukherjee, Shahrukh Khan und Tabu.
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.

Story
Der Draufgänger Aditya (Vivek Oberoi) verliebt sich auf einer Hochzeit in die hübsche Medizinstudentin Suhani (Rani Mukherjee). Fortan sieht er sie immer im Zug, flirtet mit ihr und folgt ihr. Erst ohne Erfolg, doch letztendlich erwärmt sich ihr Herz. Wegen einem dummen Missverständnis verkrachen sich jedoch ihre Väter und die Heirat platzt, bevor sie Form angenommen hat. Lange können die beiden Liebenden nicht ohne einander sein und beschliessen, heimlich zu heiraten. Wenig später fliegt dies jedoch auf: Suhanis ältere Schwester Dina (Sandhya Mridul) soll verheiratet werden. Unerwartet schlägt der Vater des Bräutigams auch eine Ehe zwischen seinem jüngeren Sohn und Suhani vor. Da muss sie mit der Wahrheit rausrücken - und wird rausgeschmissen. Auch Aditya wird von seinem Vater aus dem Haus geschmissen. Das junge Paar zieht zusammen. Zuerst läuft alles gut, doch langsam schleichen sich kleine Streitereien ein und die Romantik weicht. "Do people stop loving after marriage?" meint Suhani betrübt.
Review
"Saathiya" ist das Hindi-Remake von Mani Rathnams Tamil-Liebesfilm Alai Payuthey. Regisseur Shaad Ali, der mit Rathnam am Original gearbeitet hat, beliess das Drehbuch nahezu intakt und besetzte es perfekt mit Vivek Oberoi und Rani Mukherjee. Die beiden haben eine sehr gute Chemie und tragen den nur 132 Minuten langen Film mit Leichtigkeit. Die Musik von A. R. Rahman blieb bis auf kleine Ausnahmen auch identisch - und gut. Neu im "Team" ist dagegen Kameramann Anil Mehta (Lagaan), der bezaubernde Aufnahmen fertig bachte. Insbesondere der zweite Song mit Blüten und Schnee ist zum Dahinschmelzen. Damit ist auch gesagt, was in meinen Augen "Saathiya" eine Spur besser macht, als das Original: Die brillanten Techniker vor und hinter der Kamera. Rathnam ist zwar zweifellos der bessere Regisseur als Shaad Ali und erzeugt vor allem im Schlussteil und in der kritischen Sequenz kurz vor dem Schlussteil (ich möchte nichts verraten) mit kleinen Details ein besseres Gesamtbild, aber ihm standen für "Alai Payuthey" nicht ganz die selben Ressourcen zur Verfügung. Dumm gesagt: Wäre Rathnam der Regisseur von "Saathiya", es wäre die ideale Kombination von Regie-Talent und brillanter Crew.
Langer Rede, kurzer Sinn: Ich fand "Saathiya" eine Spur besser als das Original. Es ist ein wunderbar gefilmter, sehr rührender Liebesfilm, der da beginnt, wo andere Bollywood-Filme oft aufhören. Die Ehe wird hier nicht als Himmel auf Erden beschrieben, sondern als fragiles, aber letztendlich lohnendes Konstrukt, das viel Pflege gebraucht - und in dem es so manchen Streit gibt. Insofern ist "Saathiya" realistischer als die Bollywood-Hochglanzprodukte. Und wohl auch deshalb haben die Stars Tabu und Shahrukh Khan für Gastrollen im Finale zugesagt. Bei diesem Schluss liegen aber auch die kleinen Problemchen des Films. Da ist die Szene, die mich im Original vom Sofa gehauen hat. Ich darf nicht sagen, was passiert, aber es passiert etwas unerwartet Tragisches. Shaad Ali lässt sich bei dieser entscheidenden Sequenz etwas zu wenig Zeit. Suhani erfährt die Wahrheit von ihrer Schwester und läuft davon - und da geht alles viel zu schnell. Rathnam hat seiner Protagonistin mehr Zeit gegönnt. Mehr Glück - und deshalb ist der Impact gewaltiger. Das ist jedoch ein kitzekleines Manko ...
Schwerer wiegen die Kürzungen gegen Ende. Weil Shahrukh und Tabu die kleinen Rollen angenommen haben und ihnen übermässige Präsenz verleihen, fällt es nicht so auf, aber in Rathnams Film sind die Parallelen der beiden Paare besser und subtiler herausgearbeitet. Die Interaktion zwischen Khan/Tabu und Oberoi ist zwar zu Tränen rührend, hat aber nicht ganz die Tiefe wie in "Alai Payuthey". Trotzdem nochmals: Das sind Kleinigkeiten. Der Gesamteindruck ist durchwegs positiv und "Saathiya" ist ein wunderbarer Date-Film. Ein allerletztes Wort zu Shahrukh: Toll gemacht. Ein Superstar, der sich auf eine so kleine und eher undankbare Rolle einlässt (schliesslich ist dies ganz Oberois Film), der hat Lob verdient.

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Beitrag #39 - erstellt: 24. Juli 2007
Sarkar (2005)


Mit Amitabh Bachchan, Abhishek Bachchan, Kay Kay Menon, Tanisha und Anupam Kher
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.

STORY
Subhash Nagare (Amitabh Bachchan), genannt Sarkar, ist ein mächtiger Mann. Er stellt sich über das Gesetz und dient den Menschen der Stadt als Ansprechpartner bei Problemen. Er hat zwar Schläger und Killer (u. a. Ravi Kale), die für ihn arbeiten, aber er sieht sich nicht als Gangster. Das passt seinem ersten Sohn Vishnu (Kay Kay Menon) nicht. Der unkontrollierbare Mann, der meist in Bollywood Druck macht und es auf schöne Starlets abgesehen hat, will mehr Macht für seine Familie. Subhashs jüngerer Sohn Shankar (Abhishek Bachchan), der gerade aus Amerika zurückgekehrt ist, sehnt sich eher nach einem ruhigen Leben - auch, weil er sich in die "bürgerliche" Pooja (Katrina Kaif) verliebt hat. Die Beziehung steht auf wackligen Beinen, da Pooja nichts mit Kriminalität zu tun haben will. Weil Shankar so damit beschäftigt ist, Pooja von seiner Anständigkeit zu überzeugen, übersieht er, dass sich Avantika (Tanisha), die im Hause Nagare lebt, in ihn verliebt hat. Die zerbrechliche Idylle der Nagares endet, als Vishnu einen Schauspieler (Carran Kapur) tötet und der Politiker Motilal Khurana (Anupam Kher) getötet wird. Subhash ist der Hauptverdächtige. Hat er tatsächlich einen Mord in Auftrag gegeben? Haben die Schurken Rashid (Zakir) und Swamiji (Jeeva) ihn vollbracht, um Subhash aus dem Weg zu schaffen?
REVIEW
Sarkar ist eine Paraderolle für Big B - aber im Gegensatz zum manchmal leicht chargierenden, aber stets den richtigen Ton treffenden Marlon Brando wird sein Auftritt in ein paar Jahren vergessen sein.
An Amitabhs Seite spielt sein Sohn Abhishek, zum zweiten Mal nach Bunty Aur Babli. Die zwei haben leider gar nicht so viele gemeinsame Szenen, aber die Chemie stimmt. Abhishek kanalisiert ganz deutlich Al Pacinos Performance und macht dies solide. Erst nach der Pause kann er aber richtig glänzen. Und am Schluss ist er genial..
In einer etwas kleineren Rolle ist Kay Kay Menon (Silsiilay) souverän, Zakir ist stoisch sadistisch und Anupam Kher (in einem Mini-Auftritt, deshalb ist das Bild unten kein echter Spoiler) solide. Doch wo sind die Frauen? Dies ist für mich eines der gravierendsten Felder, in denen Varma den Kürzeren zieht. Nichr nur gegenüber "The Godfather", sondern auch gegenüber seinem früheren Schaffen. In "The Godfather" waren die Frauen moralische Stützen und kritische Stimmen, verkörpert von grandiosen Schauspielerinnen. Hier bekommen wir Kajols Schwester Tanisha und die Boom-Debütantin Katrina Kaif? Die zwei machen passable Arbeit, aber sie spielen deutlich die zweite Geige und bekommen höchstens eine wirklich gute Szene. Wenn also manche Kritiker behaupten, "Sarkar" sei Varmas bester Film, dann wage ich das insbesondere bei der Figurenzeichnung der Frauen zu bezweifeln. Company hatte spannende Frauenfiguren und einige der besten Szenen des Films fanden mit den Es passierte etwas. In der ersten Stunde von "Sarkar" passiert dagegen fast nichts. Die Leute sitzen und reden. Es ist in gewissem Sinne das, was man den ersten zwei "Star Wars"-Prequels vorgeworfen hat: endloses Debattieren. Nicht nur das: Varma lässt seine Akteure auch lange Pausen zwischen den Sätzen machen. Das kann man Mut zur Stille nennen - oder der etwas bemühte Versuch, den Dialogen mehr Schwere zu verleihen.
Bestes Beispiel ist der Anfang, bei dem im Corleone-Haus eine Hochzeit stattfindet, der lebensfrohe Kontrast zur Kult-Szene mit Marlon Brando und dem Bittsteller in seinem dunklen Büro. Den Empfang des Bittstellers gibts auch am Anfang von "Sarkar". Bloss eben ohne danach eine kontrastvolle Szene zu bringen, welche Energie bergen würde. Und auch das Payoff ist nicht halb so gut. Wir erinnern uns: In "The Godfather" trauerte Brando, dass sein Gegenüber nur zu ihm komme, wenn er etwas brauche. Das hat einen tragischen Gehalt, da sogar selbst erklärte Freunde Mafiosi nur aufsuchen, wenn sie in Not sind. Sonst geht man ihnen lieber aus dem Weg. In "Sarkar" findet kein solches Résumé statt. Amitabh heisst das Gesuch einfach gut.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

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Beitrag #40 - erstellt: 24. Juli 2007
Swades (2004)


Heimat
Mit Shahrukh Khan und Gayatri Joshi
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

STORY
Der Inder Mohan Bhargav (Shahrukh Khan) arbeitet als Satelliten-Experte bei der NASA in Amerika. Doch in den letzten Monaten wuchs in ihm das Verlangen, nach Indien zu reisen. Er nimmt zwei Wochen frei und fliegt in die Heimat. Er will seine alte Haushälterin Kaveriamma (Kishori Balal) besuchen, die ihn nach dem Tod seiner Eltern wie ihren eigenen Sohn grossgezogen hat. Er erfährt, dass sie ins Dorf Charanpur gebracht wurde und fährt mit einem gemeiteten Wohnmobil in die Provinz. Das Wiedersehen ist ein Grossereignis im Dorf - auch für Gita (Gayatri Joshi). Die junge Lehrerin war Mohans Kindheitsfreundin und liebt Kaveri so wie er es tut. Mohan und Gita kommen sich bald näher. Er hilft ihr, Schüler zu rekrutieren. Im Dorf spricht er sich für Modernisierung und Kasten-Abschaffung aus. Doch schon bald naht die Zeit der Rückkehr nach Amerika.
REVIEW
Für viele Inder war Lagaan so etwas wie die Visitenkarte des Bollywood-Kinos, das im Westen Anklang fand und deshalb in Ehren gehalten wurde. Anders als im Westen, wo Erfolg vielfach mit Neid begegnet wird, herrscht in Indien oft noch wahre Freude und Stolz über Erfolge von Landsleuten. Doch damit waren auch die Erwartungen an Lagaan-Regisseur Ashutosh Gowariker enorm, mit seinem neuen Film den Vorgänger noch zu toppen. Es gelang ihm nicht. Na und? Wieviele Regisseure können ihre Meisterwerke schon beim ersten Versuch überbieten? Manche haben sogar solche Angst vor einer Niederlage, dass sie lieber tauchen statt zu filmen. Ja James Cameron, ich meine dich.
Gowariker hatte den Mut, etwas anzupacken. Und er bewies gleich doppelten Furchtlosigkeit, indem er nicht den sicheren Weg wählte, sondern ein Thema verfilmte, das ihm persönlich am Herzen lag - und, das ist nicht zu bezweifeln, auch einen Preisregen erhoffen liess. Es kam anders. Der Film wurde von manchen Kreisen sogar zum Totalflop erklärt (indiafm), in Wahrheit siehts nicht ganz so düster aus. Doch selbst die positiven Kritiken hielten sich in Grenzen. Es gab ein paar Preise, aber die wirkten eher wie Trostpflaster. Gowariker dürfte auf den Boden der Realität zurückgeholt worden sein. Und einmal mehr hat sich gezeigt, dass indische Medien zwar mit Lob für ihre erfolgreichen Landsleute nicht geizen, doch wenn diese danach doch scheitern, schlachten sie es gleich doppelt aus.
Soweit zum ganzen Hype, doch wie ist er, der Film? Eben, er ist kein Lagaan, wobei die Thematik nicht unähnlich ist. Insbesondere im letzten Filmteil kämpfen die Dörfler vereint, um einen Fortschritt zu erreichen. Der Rest dreht sich jedoch einzig und allein um Mohan, gespielt von Shahrukh Khan. Dieser NRI (non-residental Indian = im Ausland lebender Inder) wird einmal böswillig als Non-Returning Indian bezeichnet, was in etwa das Dilemma der indischen Bildungsschicht darlegt: Die Elite des Landes wandert aus, macht Geld - und kehrt oft nicht mehr zurück. "Swades" hat durchaus Verständnis dafür. Die Szenen zu Beginn des Films, für die Gowariker exklusiv bei der NASA in Washington und Florida drehen durfte, zeigen Mohans Erfolg. Doch das ist eben nicht alles: "Swades" ist ein patriotischer Film, der erklärt, wie wichtig Wurzeln sind. Dass die Liebe zur Heimat niemals abklingen darf.
Das Sympathische daran ist, dass er es nicht auf eine Sunny Deol-Weise tut. Es geht nicht um Patriotismus im Stile von aggressivem Nationalismus, sondern um das Wir-Gefühl. Fortschritt und Tradition sollen einhergehen. Das ist in etwa, was Gowariker ausdrücken will. Er tut dies auf sehr einfache, aber elegante Weise. Der Film ist mit über drei Stunden (meine DVD war 187 Minuten lang) viel zu ausführlich, das kann man kaum abstreiten. Zumal es keine Action gibt, wenig Abwechslung und nur wenig Humor. Doch als Arthaus-Film geht "Swades" trotzdem nicht durch. Aus mehreren Grunden: Ein wenig Witz stiehlt sich ab und zu schon in die dünne Handlung, die Musikstücke sind durchaus massentauglich und der Hauptdarsteller heisst immer noch Shahrukh Khan.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

© Text Marco, molodezhnaja
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Beitrag #41 - erstellt: 24. Juli 2007
Taal (1999)


Mit Aishwarya Rai, Akshaye Khanna, Anil Kapoor und Amrish Puri
in Hindi mit deutschen Untertiteln. Vertrieb: Rapideyemovies [Filmi Fever]

Story
Manav (Akshaye Khanna) stammt aus einer steinreichen Mumbaier Familie und ist in London aufgewachsen. Er besucht zum ersten Mal sein Heimatland. In den Bergen von Chamba will sein Vater Jagmohan (Amrish Puri) ein Grossprojekt durchboxen und freundet sich darum mit dem angesehenen, aber armen Künstler Tarababu (Alok Nath) an. Manav seinerseits verliebt sich in dessen bezaubernde Tochter Mansi (Aishwarya Rai) und macht ihr kurz vor seiner Abreise einen Heiratsantrag. Tarababu akzeptiert diese Ehe nach längerem Zögern und stattet Jagmohans Familie einen Besuch ab. Diese behandelt ihn und Mansi aber wie Dreck und letztendlich reisst Tarababu der Geduldsfaden: Er ohrfeigt Jagmohan. Manav, der nur dies mitbekommen hat, bricht mit Mansi. In ihrer Verzweiflung trifft sie den Musikproduzenten Vikrant Kapur (Anil Kapoor), der verspricht, sie zur Starsängerin zu machen.
Review
"Taal" ist eine weitere Big-Budget-Produktion von Subhash Ghai (Pardes, Yaadein), die vor und hinter der Kamera (u. a. Musik von A. R. Rahman) ein beachtliches Team vorweisen kann. Der Aufwand hat sich denn auch gelohnt, denn totz des simplen Inhalts ist "Taal" ein liebevoller, unterhaltsamer Film. Dies nicht ganz über die Distanz der übertriebenen 178 Minuten, aber das kann man auch nicht erwarten. Da der Inhalt nicht soviel hergibt, hängt alles an den Stars - und die sind super: Akshaye Khanna liefert eine ehrliche, gute Performance, Aishwarya ist ebenso schön wie überzeugend, Amrish Puri ist für einmal nicht der Ultrabösewicht und Anil Kapoor stiehlt allen die Show. Ich bin nicht der grösste Fan des Schauspielers mit dem spitzen Kinn und dem runden Kopf (ganz zu schweigen von der furchtbaren Fön-Frisur) - aber er sprüht hier wirklich über vor Energie und hat einige der besten Dialoge. Zudem ist er mit Abstand der interessanteste Charakter im Film. Tja, damit kann ich schon zum Schluss kommen: kein Film, der in die Bollywood-Annalen eingehen wird, aber gute Unterhaltung mit sympathischen Stars.

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch

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Beitrag #42 - erstellt: 24. Juli 2007
Umrao Jaan (2006)


Mit Aishwarya Rai, Abhishek Bachchan, Shabana Azmi und Sunil Shetty
erhältlich in Hindi/Urdu mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

STORY
Nordindien im 19. Jahrhundert: Weil er Streit mit einem Gesetzeshüter hat, entführt der schmierige Dilawer Khan (Vishwajeet Pradhan) dessen Tochter Amiran (Bansree Madan). Er bringt das Mädchen nach Lucknow ins Bordell von Khanum Sahib (Shabana Azmi), die es Khan abkauft, ihm dem Namen Umrao verleiht und es in die Obhut von Bua Hussaini (Himani Shivpuri) und Maulvi Sahab (Kulbhushan Kharbanda) gibt. Umrao wächst bei ihren Ersatzeltern zur jungen Frau (Aishwarya Rai) heran und als die schöne Kurtisane ihre erste erfolgreiche Mujra-Vorführung vor der versammelten Elite Lucknows gibt, wird sie zum Stadtgespräch Nummer eins. Der junge Nawab Sultan (Abhishek Bachchan) erkauft sich die erste Nacht mit ihr. Dabei funkt es: Umrao und der Prinz verlieben sich ineinander.
REVIEW
Duttas Neuverfilmung macht so manches richtig, erst einmal die Besetzung. Umrao selbst mit Aishwarya Rai zu casten, war ein besonders guter Schachzug, denn das von Neidern oft als püppchenhaft abgestempelte Aussehen unterstreicht die unnahbare Erscheinung der Kurtisane, die nicht von dieser Welt scheint. Und die Ex-Miss-World tanzt natürlich wie ein Engel. Sie ist klassisch geschult und trägt die Mujra-Tänze mit ihren Kathak-Einlagen und den Glöckchen an den Füssen mit Anmut und Schönheit vor. Obwohl Dutta ein paar Mal zu oft auf die Tanzkünste von Miss Rai setzt: Diese Szenen beleben den Film fast im Alleingang. Weniger erfolgreich ist Ash dagegen in den emotionalen Szenen. Sie kann solche meistern, das hat sie gezeigt, doch im letzten Filmdrittel verkrampft sie sich hier zusehends. Die stets geröteten Augen sind das eine deutliche Kennzeichen dafür, eine schlecht gespielte Szene, in der Gauhar (Puru Rajkumar) sich an ihr vergeht, das andere. Generell jedoch eine starke Performance, die nicht an jene von Rekha heranreicht, aber ihre eigenen Vorzüge hat.
Abhishek Bachchan gibt ihren schmucken Prinzen - und die Rolle des gepflegten Nawab liegt dem aus dem nahe gelegenen Allahabad stammenden Star sichtlich. Dadurch, dass seine wichtigste Entscheidung vor der Intermission nicht durch familiären Druck bedingt ist (wie in der 81er-Fassung), sondern duch Verletzung seines Männerstolzes, passt dies zum Bild des Films, Umraos Männer negativ darzustellen. Nicht minder überzeugend: 70's-Schönheit und Parallel-Cinema-Königin Shabana Azmi als etwas zu nette und zu selten vorkommende Puffmutter, Kulbhushan Kharbanda als fürsorglicher Ersatzvater und Divya Dutta als anfänglich eifersüchtige Kurtisane. Sunil Shetty fehlt in späten Szenen etwas das Pathos für den Part des Faiz Ali, da wird zu viel verschenkt, doch er spielt solide. Dutta besetzte fraglos geschickt, das trägt den Film - vor allem in der zähen Anfangsphase. Ich habe die erste Stunde zwar überraschend genossen: Ashs Herantasten an das Kurtisanen-Leben und später an den noblen Prinzen, die Lieder ("Salaam" läuft einem noch lange nach), die Paläste, die Kostüme. Weil alles derart harmoniert, konnte ich lange mithalten. Erst etwa ab dem Song "Jhute Izaam" wirds anstrengend. Zuviel wiederholt sich und man kann auch Abhi und Ash beim besten Willen nicht endlos zusehen, wie sie sich Dialoge zuflüstern und sich im Haar kraulen. Irgendwann muss mal was von Substanz her!
Kurioserweise ist das letzte Drittel, das den Plot endlich voran bringt, auch nicht viel besser. Wegen Ashs hysterischer werdenden Spiel und der plötzlichen Überhastung der Ereignisse. Gerade Umraos Schicksalsschläge hätten besser einsinken müssen, durch die Hetze leidet man zu wenig mit. Die Neuverfilmung wählt andere Ansätze und kopiert nicht blind, daher können wir uns diesmal eher auf das Umfeld und das Setting konzentrieren.
Dieses ist, wie eingangs erklärt, ungeheuer schön. Dutta wechselt den Farbkodex von Lied zu Lied - von gelb über grün zu blau - und verleiht jedem Stück des Films eine leicht andere Nuance. Die Säle der Paläste sind wunderbar, die Musik ebenso, man atmet richtig Kultur. Meint man jedenfalls. Deshalb fällt es auch leichter, "Umrao Jaan" zu bewundern und zu bestaunen, als wirklich zu mögen. Es ist ein ambitioniertes, sehenswertes und ungemein elegantes Werk, doch eines, das das Seelenleben der Hauptfigur nur ungenügend ausleuchtet und auf mehreren Ebenen der Erstverfilmung hinterher hinkt.
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

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Beitrag #43 - erstellt: 24. Juli 2007
Veer-Zaara (2004)



Die Legende einer Liebe
Mit Shahrukh Khan, Preity Zinta, Rani Mukherjee und Amitabh Bachchan
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: REM

STORY
22 Jahre schon sitzt der indische Geschwaderführer Veer Pratap Singh (Shahrukh Khan) in einem Gefängnis der pakistanischen Stadt Lahore. Die gerade erst Anwältin gewordene Saamiya Siddiqui (Rani Mukherjee) nimmt sich seines Falles an und besucht den Gefangenen #786 in seiner Zelle. Er erklärt ihr, wie er hinter Gitter kam - und er erzählt ihr von Zaara Hayat Khan (Preity Zinta). Sie ist eine junge Frau aus Pakistan, die ihrer sterbenden Ersatzmutter Bebe (Zohra Segal) verspricht, ihre Asche im indischen Kiritpur zu verstreuen.Ohne ihren mächtigen Vater Jahangir (Boman Irani) und ihre Mutter Mariam (Kiron Kher) einzuweihen, reist Zaara nach Indien. Nur ihre Freundin und Zofe Shabbo (Divya Dutta) weiss etwas von ihrer Aktion. Doch kurz vor dem Ziel verunfallt der Bus, in dem sie reist. Als Retter erscheint Helikopterpilot Veer, der ihr noch während der Bergung verfällt.Sie reisen zusammen nach Kiritpur. Danach machen sie Halt bei Veers Zieh-Eltern Chaudhary Sumer Singh (Amitabh Bachchan) und Maati (Hema Malini), die Zaara wie eine Tochter aufnehmen. Doch sie muss zurück nach Pakistan. Und bevor Veer ihr einen Heiratsantrag machen kann, erfährt er, dass sie bereits verlobt ist.

REVIEW
Sieben Jahre nach Dil To Pagal Hai kehrt der legendäre Regisseur Yash Chopra in den Regiestuhl zurück. Kann ers noch? Ja, obwohl in "Veer-Zaara" fast mehr von Yashjis Sohn Aditya drinsteckt. Doch wem das grösste Lob auch immer gebühren mag: Der Film ist grosses, leidenschaftliches Kino von epischer Dimension. Die Liebe zweier getrennter Menschen wird zur Parabel auf die Beziehung zwischen Indien und Pakistan. Chopra flicht an etlichen Stellen Versöhnungsdialoge ein, Lieder, die die Nationen gleichstellen ("Aisa Des Hai Mera"). Man merkt, dass Yashji die Trennung hautnah miterlebt hat und wie viele Inder nicht so leicht darüber hinwegkommt. Klar ist die grenzüberschreitende Beziehung auch ein dramatisches Instrument, aber die zwischenmenschliche Ebene liegt Yash Chopra genauso am Herzen wie die zwischen-nationale.
Visuell ist "Veer-Zaara" eine Pracht. Hinter der Kamera stand mit Anil Mehta (Lagaan, Kal Ho Naa Ho) Indiens zweitbester Kameramann nach Santosh Sivan. Ihm gelingen die weiten Felder genausogut wie die Schweizer Alpen und die pakistanischen Innenräume. Es dominieren in den meisten Songs die Primärfarben, das leuchtende Element, doch Mehta hat auch den Mut, Räume abzudeunkeln, Schatten auf Gesichter zu legen - etwas, was für viele indische Kameraleute noch immer keine Selbstverständlichkeit ist.
Doch fast noch wichtiger als der gelungene Look ist der Ton. Chopra liess für den Soundtrack noch unveröffentlichte Lieder des 1975 verstorbenen Madan Mohan mit den bekanntesten Playbacksängern des Landes einspielen und landete einen Triumph. Ich bin sonst nicht der grösste Freund der 70er-Lieder, doch Chopra und seinem Team gelingt es, diese klassischen Töne klassisch zu behalten und gleichsam modern zu präsentieren. Das Resultat sind zeitlose Lieder wie "Lodi", "Tere Liye" und "Dol Pal". In einem dreistündigen Film sind die Lieder manchmal bloss ein Element, das einen bereits langen Streifen noch länger macht. Nicht bei den Chopras. Die Stücke sind elementare Bestandteile des Films, ja sogar der Handlung. Und anstatt bei jedem Song quasi auf Pausen-Modus zu schalten, gehts in diesen Nummern ab - visuell, emotional und handlungsmässig. Dieses Einbetten gehört jedenfalls zum Besseren, was ich aus Bollywood gewohnt bin.
Doch Bild und Ton machen noch keinen Film. Es braucht Schauspieler, die das Ganze auch umsetzen. Auch da hat Yashji ein Glückshändchen bewiesen - wobei er sich die Sache einfach gemacht hat und einfach die besten Akteure Indiens vorlud. Shahrukh Khan spielt die Titelrolle, die man sich schwer mit jemand anderem vorstellen könnte. Es ist nicht seine beste Darbietung, aber eine sehr reife, die trotz der Schwere immer wieder Platz für seinen Humor und seinen Charme bietet. Er ist eine Idealbesetzung. In Preitys Rolle könnte man sich dagegen gut jemand anderes vorstellen - was nicht heisst, sie mache einen schlechteren Job. Ihre verweinten Augen, ihre fröhlichen Tänze sind genial und ihr Charisma mit Shahrukh nach Kal Ho Naa Ho erneut bestens. Rani Mukherjee vervollständigt das Top-Trio mit einer anmütigen, starken Darbietung.
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Beitrag #44 - erstellt: 24. Juli 2007
Yuva


Mit Rani Mukherjee, Vivek Oberoi, Abhishek Bachchan, Ajay Devgan und Kareena Kapoor
in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.

Story
Auf der zweiten Hoogly-Brücke in Calcutta treffen drei Männer aufeinander: Lallan Singh (Abhishek Bachchan) schiesst auf Michael Mukherjee (Ajay Devgan) und Arjun (Vivek Oberoi) wird Zeuge davon. Lallan stammt aus einer armen Familie. Nach seiner Freilassung aus dem Knast zieht er mit Sashi (Rani Mukherjee) zusammen. Doch selbst sie und ihre Schwangerschaft können Lallan nicht von der Kriminalität abhalten. Bald begibt er sich in die Dienste des Politikers Projonjit Bannerjee (Om Puri) und führt für ihn Morde aus. Ein Ziel ist Michael. Der ist Studentenführer und sieht mit seiner Geliebten Radhika (Esha Deol) einer rosigen Zukunft entgegen. Gleiches gilt für den unentschlossenen Casanova Arjun, der aus reichem Hause stammt. Er hat ein Stipendium für die USA ergattert und sich in Mira (Kareena Kapoor) verliebt. Doch das Ereigniss auf der Hoogly-Brücke wirft das Leben der drei Männer über den Haufen.
Review
Mani Rathnams Filme sind immer ein Ereignis. Auf "Yuva" trifft dies ganz besonders zu, ist der Streifen doch Rathnams erstes Hindi-Werk seit Dil Se im Jahr 1998. Doch ich war enttäuscht. Trotz gutem Spiel, trotz hervorragender Inszenierung und trotz einem Soundtrack von A.R. Rahman hinterliess "Yuva" bei mit keine Spuren. Wenn ich denke, wie ich nach Bombay oder A Peck in the Cheek Tränen-gerötete Augen hatte oder nach Dil Se Wochenlang "Chaiya Chaiya" gesungen habe ... "Yuva" löst einfach keine solchen Gefühle aus, keine solche Begeisterung. Das soll nicht heissen, der Film sei schlecht, denn selbst ein unterdurchschnittlicher Rathnam-Film ist immer noch besser als die Mehrzahl der Bollywood-Streifen. Wenn man das im Hinterkopf hat, ist "Yuva" einen Blick wert.
Die nicht-lineare Geschichte ist an einem schicksalshaften Punkt verknüpft. Es ist dieser Erzähl-Trick, der an Alejandro González Iñárritus "Amores Perros" erinnert und der "Yuva" mit anderen Rathnam-Filmen verbindet, denn der Regisseur setzte immer Zufall und Schicksal ein, um den Plot an einem bestimmten Punkt zusammenzuführen, das Ruder rumzureissen oder zu überraschen. Nach diesem Ereignis, das wir aus drei Perspektiven sehen, verliert der Film etwas an Zug, doch dafür wird endlich klar, worum es überhaupt geht in "Yuva". Um Politik. Oh ja, um ein solch trockenes Thema. Jugend, Liebe, Kriminalität, Klassenstruktur - alles spielt mit, doch letztendlich dreht sich der Streifen um die Politik in West Bengalen. Das hört sich ja völlig abschreckend an. Genau dagegen will Rathnam etwas tun. Er will den Staub von der Politik nehmen, Junge dazu bewegen, sich zu engagieren. Deshalb ist "Yuva" ja auch ein optimistischer Film. Aber so ganz überzeugt sein Ansatz, den Film in allerlei Themen zu fussen, eben doch nicht. Ich sags mal so: wenn dann endlich mal klar ist, worums geht, ist der Film bereits fertig und man kommentiert die Ereignisse mit einem Achselzucken.
Sehenswerter machen ihn jedoch Inszenierung und Akteure. Abhishek Bachchan ist als Fiesling super und hat böses Charisma. Ajay Devgan ist solide wie immer und sein Company- und Masti-Partner Vivek Oberoi versprüht jugendliche Lebensfreude. Er ist zudem attraktiver als in den meisten Filmen zuvor. Om Puri ist wieder einmal eine Klasse für sich. Die Mädels haben weniger zu tun. Esha Deol bleibt blass und Rani Mukherjee (die beste der Frauen) kommt klar zu kurz. Kareena Kapoor sieht wahlweise aus wie eine Hippie-Dame oder ein Zombie. Sorry, Girl, aber dieser Look war okay in Chameli, hier wirkt er manchmal nur noch abschreckend.
Nicht minder eindrücklich die finale Actionszene auf der Brücke. Die perfekt choreografierte und gefilmte Prügelei inmitten des fliessenden Verkehrs kann leicht mit Hollywood mithalten. Rathnam ist schliesslich einer der versiertesten Techniker Indiens. Doch eben: für einen Klassefilm reicht all das nicht. "Yuva" ist eindrücklich, aber enttäuschend. Schön, aber leer. Und besonders diese Aussage schmerzt wohl jeden Rathnam-Fan, zu denen ich mich durchaus zählen darf ...
(gekürzte review - alles hier nachlesen )

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Beitrag #45 - erstellt: 03. September 2007
Guru (2006)


Mit Abhishek Bachchan, Aishwarya Rai, Mithun Chakraborty und Vidya Balan
erhältlich in in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation. Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Gurukant Desai (Abhishek Bachchan) stammt aus dem Dorf Idhar im Bundesstaat Gujarat. Im Jahr 1951 brach er in die Türkei auf, wo er sein erstes Geld machte und mit Blick fürs Wichtige seine wirtschaftlichen Sinne stärkte. Nun ist er zurück in Indien und heiratet die hübsche Sujata (Aishwarya Rai), um sich von der Mitgift ihres Vaters (Sachin Khedkar) eine Firma in Bombay aufzubauen. 1958 reist er mit Sujata und ihrem Bruder Jignesh (Arya Babbar) in die Metropole und versucht verzweifelt, unter den Händlern der Stadt Fuss zu fassen. Durch Tricks gelingt es ihm und er baut einen Polyester-Betrieb auf. Jahre später ist er ein mächtiger Mann und zieht wegen seiner korrupten Aktionen die Missgunst des Verlegers Manikdas Gupta (Mithun Chakraborty) auf sich, der den Reporter Shyam Saxena (Madhavan) auf Guru hetzt.
Review
Noch bevor ich Mani Ratnams jüngsten Streich einer kritischen Betrachtung unterziehe, muss ich eines klar stellen: "Guru" verdient es nicht, die Schuhe von "Citizen Kane" zu putzen. Der eine ist Kino in Vollendung, ein grossartiges Skript zum Leben erweckt von einem Ausnahmekünstler. "Guru" ist routiniertes Kino, schön anzusehen aber ohne den Biss, die Raffinesse oder das Genie von "Kane".
Lose basierend auf dem Leben des Industriellen Dhirubhai Ambani (1932-2002) erzählt Ratnam vom Aufstieg eines Mannes aus einem Dorf in Gujarat zu einem der wichtigsten Wirtschaftsführer des Landes. Abhishek Bachchan verkörpert diese Figur mit viel Leidenschaft, er überzeugt als junger, dynamischer Kämpfer ebenso wie als alternder, von Neidern und Gegnern belagerter Sturkopf. An seiner Seite glänzt Aishwarya, die von ihrem Entdecker Mani Ratnam sinnigerweise mit einer Regen- und Wasserszene eingeführt wird, schliesslich hat Ratnam sie schon in ihrem Debüt Iruvar einer legendären Wasserszene unterzogen. Es ist erstaunlich, wie glaubwürdig Glamour-Lady Ash als Landfräulein ist, doch schon der erste Song weht alle Bedenken weg: Sie ist liebenswert und die Chemie mit Abhishek vorzüglich, kein Wunder, wenn sie nun in gleich drei Filmen hintereinander gespielt haben und privat liiert sind.
Gleiches gilt für A.R. Rahmans wirkungsvolle Musik: Die Stücke erreichen nicht ganz die Qualität von Rang De Basanti, doch sie bleiben hängen. Selbst dann, wenn sie schlecht platziert sind. Und das bringt mich auf das Terrain der Punktabzüge. "Guru" hat leider einige davon. Da sind die Lieder, die Ratnam nicht geschickt aufteilt. Gleich nach Mallikas Item Song folgt fast ohne Pause Ashs Einführung. Obwohl beide Lieder toll sind, wird man etwas unruhig, wenn nach 20 Minuten noch kaum etwas passiert ist. Später wirken "Tere Bina" und "Ek Lo Ek Muft" willkürlich platziert, so dass ich die Vermutung hatte, für den DVD-Release wurde am Film herum geschnipselt. Das würde auch andere Stellen erklären, an denen der Rhythmus nicht stimmt. Ratnam hatte schon in Dil Se Probleme mit dem Erzählrhythmus, vor allem die zweite Hälfte wirkt wie ein Patchwork - und hier ist das Problem noch akuter. Mithuns Charakter etwa ist plötzlich da, ohne richtige Einführung. Da ist er Guru sympathisch gesinnt. Ein paar Szenen weiter sind sie Erzfeinde. Was ist dazwischen genau passiert? Man kann es sich ausmalen, aber das Spannende fiel weg.
Die Schlussrede ist dann wieder fulminant, doch erst dann lernen wir, was die Aussage von "Guru" sein soll - und die wirkt zu allem Übel auch noch etwas dubios. Auf einen Nenner gebracht: In einem korrupten und kaputten Staat darf ein Industrieller auch korrupte Methoden anwenden, um ... reich zu werden. Da fuhr mir etwas schief ein. Ratnam macht Guru da zum Helden im Kampf gegen staatliche Misswirtschaft, doch so richtig klicken will die Argumentation nicht und besonders gut ausgeführt ist sie auch nicht. Schlimmer noch: Weil Guru kaum je etwas Sympathisches tut (er schafft Jobs - aber wir erinnern uns: Sein Antrieb ist Geld und Macht), will man gar nicht richtig für ihn jubeln. So bleibt der Film bis zuletzt überaus distanziert.
Dank Ratnams virtuoser Inszenierung (sieht man von den dramaturgischen Schwächen ab), A.R. Rahmans geschmeidiger Musik und den tollen Akteuren ist "Guru" sicherlich sehenswert, nur leider ist er nicht die Offenbarung, die man sich hätte wünschen können.
(gekürzte Review, alles hier nachlesen)

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Beitrag #46 - erstellt: 03. September 2007
Salaam Namaste (2005)


Hochzeit - Nein Danke!
Mit Saif Ali Khan, Preity Zinta, Arshad Warsi und Abhishek Bachchan
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation. Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Nikhil "Nick" Arora (Saif Ali Khan) absolvierte ein Architektur-Studium, verdient sein Geld heute jedoch in Melbourne als Chefkoch des Restaurants "Nick of Time". Er fährt einen Smart, sieht gut aus und scheint sein Leben unter Kontrolle zu haben. Bis er Ambar Malhotra (Preity Zinta) trifft. Sie will Ärztin werden und finanziert ihr Studium durch das Moderieren einer Show bei der Radiostation "Salaam Namaste 101.5FM" in Melbourne. Da Nick die Präsentation seines Restaurants in ihrer Show verschläft, macht sie ihn auf dem Äther fertig. Sie werden zu Erzfeinden, treffen sich jedoch auf der Hochzeitsparty eines gemeinsamen Freundes - ohne zu ahnen, wer sie sind. Sie flirten, tanzen und stellen am Morgen erschrocken fest, wen sie vor sich haben. Doch es ist passiert: Sie haben sich verliebt. Ambar will sich dies noch nicht eingestehen und willigt ein, mit Nikhil vorerst zusammen zu ziehen, um zu sehen, wie sie harmonieren. In dieser Zeit wird sie schwanger.
Review
"Salaam Namaste" reiht sich blendend in die jüngere Serie von Erfolgsfilmen aus dem Hause Yashraj ein. Hum Tum, Bunty Aur Babli und nun dieses Werk gehören zu einer neuen, urbaneren Generation des indischen Kinos.
"Salaam Namaste" ist aber keineswegs ein wagemutiges Experiment. Es handelt sich vielmehr um einen massentauglichen Feelgoodfilm der spritzigen Art. Sogar der Kuss zwischen Preity und Saif ist alles andere als schmuddlig, selbst wenn er für einen Film dieser Sorte erstaunlich sinnlich inszeniert ist - Saif scheint sich nach Ek Hasina Thi und Parineeta zum neuen Schmuse-Experten zu entwickeln. Für Preity ist es Neuland, aber es kommt nicht unerwartet, hat sie doch bereits mit Kal Ho Naa Ho den Schritt ins junge, urbanere Kino gewagt.
Zur Intermission hin kippt die Stimmung jedoch rabiat. Die Inhaltsangabe hat es angedeutet: Eine Schwangerschaft kommt ins Spiel, die Diskussion um Abtreibung und Ende der Liebe vernichten allen Humor schlagartig. Ich bin für Genre-Wechsel zu haben, doch was da abgeht ist manchmal derart heftig für eine Beziehung, dass sämtliche Reaktivierung der Liebe später schwer zu schlucken ist. Anders gesagt: Mir gefiel dieser Teil nicht mehr annähernd so gut wie die erste Hälfte. Der Schwung ist weg, die frische Inszenierung auch. Stattdessen bekommen wir Melodrama der nicht gerade heiteren Sorte aufgetischt, welches insbesondere Saifs Charakter ein paar Mal so akut in die Scheisse langen lässt, dass es nicht ganz glaubhaft wirkt. Andere Szenen sind ebenso schwer nachzuvollziehen, wie die Ärztin, die ohne einen beratenden Satz die Abtreibung vornehmen will.
Umso verwunderter war ich, als Siddharth Anand den Karren wieder aus dem Dreck zog und mit ein paar köstlichen Gags den Humor langsam wieder zurück brachte. Wunderbar etwa die "du hast in meinen Kochhut gekotzt"-Sequenz. Das Lob hierfür gebührt den beiden Stars. Sie sind den ganzen Film hindurch einfach klasse. Saif-Fans kommen voll auf ihre Kosten, da Señor Khan sein Shirt öfters auszieht als sein Namensvetter Salman. Ausserdem präsentiert er eine eindrückliche Palette an verschiedenen Unterhosen vom "Superman"-Teil bis zum "Homer Simpson"-Stück. Auch ein "Girl Power"-Shirt darfs mal sein. Der Mann hat Selbstvertrauen.
Der angesagte Co-Star Arshad Warsi macht trotz einer schlecht spielenden Filmfrau (Tania Zaetta) seinen Klischee-Job als "bester Freund des Helden" souverän, Javed Jaffrey ist als "Crocodile Dundee"-Verschnitt mit Sprachfehler anfänglich ganz witzig, geht aber schnell auf die Nerven. Und dann ist da Abhishek Bachchan. Schon bei Hum Tum absolvierte er einen Gastauftritt - hier waltet er als Erzähler und legt einen etwas längeren Kurzauftritt aus Parkett. Er spielt Robin Williams.
(gekürzte Review, alles hier nachlesen)

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Beitrag #47 - erstellt: 03. September 2007
Yaadein (2001)


Bittersüsse Erinnerungen
Mit Hrithik Roshan, Kareena Kapoor und Jackie Shroff
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie mit deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Nachdem seine Frau Shalini (Rati Agnihotri) überfahren wurde, versprach ihr Mann Raj Singh Puri (Jackie Shroff) an ihrem Sterbebett, er werde die drei Töchter Isha (Kareena Kapoor), Avantika (Avni Vasa) und Sania (Himani Rawat) wie Freunde behandeln und sie heiraten lassen, wen sie wollen. Er kehrt mit ihnen von London nach Indien zurück und bringt Avantika unter die Haube. Zähneknirschend akzeptiert er auch die Heirat von Sania mit ihrem Lover. Schon bald kriselt es in dieser Ehe. Raj sucht Hilfe bei seinem alten Freund Lalat und leitet im Gegenzug alles in die Wege, um dessen gutaussehenden Sohn Ronit (Hrithik Roshan), der auch Rajs bester Freund ist, mit der steinreichen Monishka zu vermählen. Gerade als er Ronit die "gute Nachricht" überbringen will, erzählt dieser, er und Isha haben sich nach jahrelanger Freundschaft endlich verknallt. Raj fällt aus allen Wolken. Seiner Ehre willen kann er diese Heirat nicht gut heissen.
Review
"Yaadein" wurde als grosses Epos mit vielen Stars angekündigt, ein "Instant Meisterwerk" sozusagen. Doch dem Film von Subhash Ghai (Taal, Pardes) fehlt es an jeglicher Originalität. Schlimmer noch, der Regisseur hat auch inszenatorisch mehrmals versagt. Zu Beginn wirkt sein Mammutwerk nämlich ungemein zerstückelt, der Fluss in der Handlung fehlt. Es ist bezeichnend, dass die Credits nach 22 Minuten erst kommen und man zu dem Zeitpunkt ja längst im Film drinnen sein sollte. Die letzte Stunde ist dann klarer wie aus einem Guss - und hat dafür ein anderes Problem: Sie ist unheimlich schwerfällig. Grosse Reden, wallende Liebeserklärungen. Es ist ein Gräuel. Zudem fällt auf, dass Ghai die Themen und sogar die Charaktere aus früheren Filmen (u. a. eben Taal) beinahe kopiert.
Die Songs sind okay, die Kamera etwas orientierungslos. Die Akteure dagegen sind eindrücklich: Jackie Shroff überzeugt in der Patriarchen-Rolle, Hrithik Roshan wirkt mal wieder wie ein Energiebündel und Kareena Kapoor ist für einmal gar nicht so zickig. Amrish Puri (Ronits Onkel) spielt, was er immer spielt und tritt eigentlich erst in der letzten Stunde auf den Plan. Der Rest der Akteure ist passabel - die beiden anderen Töchter sind sehr süss (für beide Schauspielerinnen war es ihr Kinodebüt). Einfach gesagt: In dem "Liebe siegt über Geld"-Epos "Yaadein" stmmen die Zutaten - doch das Endresultat ist ein ungeniessbares 08/15-Gebräu mit viel zu viel Coca-Cola-Werbung. Ja ich bin auch leidenschaftlicher Cola-Light-Trinker [gebt mir den Check für diese Werbung!] doch was zuviel ist, ist zuviel!
Fazit: Die drei Stunden kann man für wahrhaft bessere Filme einsetzen.

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Beitrag #48 - erstellt: 15. Oktober 2007
Family - Ties of Blood (2006)


Mit Amitabh Bachchan, Aryeman Ramsay, Akshay Kumar und Bhoomika Chawla
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Der Kneipen-Besitzer Shekhar Bhatia (Akshay Kumar) verliebt sich in die Ärztin Kavita (Bhoomika Chawla). Die beiden heiraten, das Glück scheint perfekt. Doch da gerät Shekhar in eine Schiesserei und stirbt während einer heldenhaften Rettungsaktion. Der Täter: Viren Sahai (Amitabh Bachchan), ein in Thailand lebender Gangsterboss, der Mumbai regelrecht in der Tasche hat. Zu einer Anklage kommt es nie, weshalb Shekhars Bruder Aryan (Aryeman Ramsay) die Sache selbst in die Hand nimmt: Mit seinem Kumpels kidnappt er Virens Frau (Shernaz Patel), seine Tochter, seine Enkelin und seinen Sohn Abhir (Sushant Singh), um den mächtigen Boss zu erpressen. Der kehrt nach Indien zurück und macht eiskalt Jagd auf die Kidnapper.
Review
"Family" ist ein Zwitter in mancherlei Hinsicht: Einer zwischen Trash und gelacktem Big-Budget-Produkt. Einer zwischen hartem Gangsterstoff und albernem Familienspass. So was kann man als Masala-Kino abtun, doch wenn es derart unbeholfen vermischt ist, sorgt die Mischung für Magenschmerzen. Andererseits kann ich dem Film einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen. Mit Rajkumar Santoshi stand ein versierter Regisseur hinter der Kamera, der das Interesse am Stoff stets wach hält - die ganzen Radikalverrisse indischer Kritiker kann ich deshalb nicht ganz nachvollziehen.Zu mögen ist zum Beispiel Amitabh Bachchan. Gut, er telefoniert die Rolle fast, doch wenn er an seiner fetten Zigarre nuckelt und mit müden Augen seine Opfer mustert, dann hat er immer noch kübelweise Charisma. Wenn er seine bösen und teilweise messerscharfen Dialogzeilen von sich gibt, erreicht der Film seine wirkungsvollsten Momente. Das gilt auch für das Finale, das einige der besten Szenen von "Family" offeriert. Auch Big Bs Khakee-Kumpel Akshay Kumar ist nicht übel, wenngleich seine eher Comedy-angehauchte Handlung mit seinem Tod schlagrtig zum Schluss kommt.Das Erzähltempo ist ein weiteres Plus, ebenso die recht ruppige Gewalt, die mir hier angebracht schien. Die Story, selbst eine Mischung aus Millenniums-Gangsterfilm und 70's-Revenge-Kino mit Kader Khan'schen Masala-Dialogen, ist nicht schlecht und generiert spannende Momente. Leider sind die etwas rar gesät, dafür werden wir mit mässigen Actionszenen und schrecklichen Songs eingedeckt. Wenn man bedenkt, dass Santoshi und Ram Sampat für Khakee ein paar tolle Stücke kreiert habe, ist die Enttäuschung noch grösser. Seien es die Hip-Hop-Versuche oder das doofe Fastfood-Lied am Anfang: Das kann man alles getrost spülen.Und den Hauptdarsteller gleich mit. Aryeman Ramsay mag nicht ganz so Hautausschlag erregend mies sein wie die "mein Papa hat mir einen Film finanziert"-Deppen, die in einem C-Film debütieren (Beispiele: Yehi Hai High Society, Saathi) und zum Glück wieder aus der Filmindustrie verduften - doch er ist zweifellos schlecht. Dass er aus Bollywood verschwindet, ist indes nicht anzunehmen, denn das Greenhorn ist der Sohn von Keshu Ramsay. Keshu produzierte "Family" zusammen mit Amitabhs AB Corp. und dürfte den Fans des obskureren Bollywood-Films ein Begriff sein: Keshu und seine Ramsay-Brüder (v.a. Tulsi und Shyam) sind nämlich jene B-Produzenten, welche in den 70ern und 80ern nahezu im Alleingang das Trash- und Horrorkino Indiens dominiert haben. Mit Aryeman setzen sie also diese Tradition fort, denn der Kerl ist der blanke Horror. Mit einer Mimik zum Eier abschrecken und einer lispelnden Stimme hat er einfach nicht das Zeug zum Helden.
Dagegen sind die Damen gerade göttlich - die von mir nicht gerade gemochte Bhoomika Chawla macht ihre Arbeit souverän, ebenso Shernaz Patel (Black). Doch wirklich gross aufspielen kann niemand von ihnen. Wenn, dann ist "Family" eine Two-Men-Show für Amitabh und den unsäglichen Aryeman. Und ein Beweis dafür, dass Rajkumar Santoshi nicht immer ins Schwarze trifft. "Family" ist kein Komplettabsturz, aber leider auch kein Knaller. Logiklöcher, durchzogene Schauspielleistungen, holprige Montage, üble Songs und solide Inszenierung ergeben einen cineastischen Eintopf der nicht gerade nahrhaften, aber immerhin geschmackvollen Art. 

© Text Marco, molodezhnaja
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Beitrag #49 - erstellt: 15. Oktober 2007
Fanaa (2006)


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Mit Aamir Khan, Kajol und Tabu
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln sowie deutscher Synchronisation.
Vertrieb: Rapideyemovies

Story
Die blinde Zooni Ali Beg (Kajol) lebt mit ihren Eltern Zulfiqer (Rishi Kapoor) und Nafisa (Kiron Kher) in Kaschmir. Auf der Suche nach einem Lebenspartner begibt sie sich mit ein paar Freundinnen nach Delhi. Dort zieht sie die Blicke des frechen Tourführers Rehan Qadri (Aamir Khan) auf sich, der sie fortan umflirtet. Zooni verliebt sich in den Süssholzraspler und überredet ihre Eltern, ihn heiraten zu dürfen. Doch da reisst ein Terroranschlag der kaschmirischen Unabhängigkeitskämpfer IKF das junge Glück auseinander.
Review
Eine Enttäuschung auf sehr hohem Niveau, anders kann man "Fanaa" kaum klassifizieren. Das erste romantische Zusammentreffen von Aamir Khan und Kajol, die zuvor nur in Ishq zusammen zu sehen waren, weckte gigantische Erwartungen, die durch das potente Produktionsteam aus dem Hause Yashraj und Kajols erste Hauptrolle nach fünfjähriger Babypause ins Astronomische gestiegen sind. Aamir und Kajol machen das Beste daraus. Er, frisch vom Supererfolg von Rang De Basanti, kämpft gegen eine lahme Figurenzeichnung (man weiss absolut nichts über den Hintergrund von Rehan) und bringt mit seinem einnehmenden Spiel ein paar eindrückliche Momente zustande. Sie, zurück ersehnt von Fans auf der ganzen Welt, spielt sehr gut, aber nicht herausragend. Es ist das typische und bekannte Kajol-Spiel, mit tragischer Seitenlage. Zusammen entwickeln die Superstars in den Songs ein wenig Chemie, doch Funken sprühen nie voll. Dazu wirft Kunal Kohli, Regisseur des Yashraj-Hits Hum Tum, sie zu schnell in die Romanze: Die erste Stunde dient nur dazu, dass die plötzlich verliebten Stars sich Shayari-Reime an den Kopf werfen. Wo ist die Romantik? Wo das langsame Antasten? Man schaut den zwei Schauspielern ungemein gerne zu, selbst wenn sie nur Teller abwaschen würden, doch ehe man sichs versieht, ist schon Pause und es ist so gut wie nichts passiert.Doch da kommt das "hohe Niveau" aus dem ersten Satz zum Zug: Dieses "nichts" passiert eben mit viel Qualität. Sei es wegen dieses leckeren Ensembles, sei es wegen der umwerfenden Kamera von Ravi K. Chandran. Und sei es wegen der Musik von Jatin-Lalit, die hier zwar nicht ihren besten Score abliefern, aber dank "Chand Sifarish" die Anfangsphase gehörig aufpeppen. Kohli ist der einzige Versager in diesem Teil des Films. Sein stetiger Einsatz des "Chand Sifarish"-Leitthemas ist amateurhaft und die Umsetzung der dünnen Liebesgeschichte nicht sonderlich spannend.Nach der Pause gehts leider im selben Stil weiter. Klischees reihen sich an Zufälle und Logiklöcher (Zooni erkennt seine Stimme nicht?) und bald wird man das Gefühl nicht mehr los, anstatt eines echten Terror-Liebesdramas à la Dil Se die apolitische, gestylte und verwässerte MTV-Version eines Terror-Liebesdramas zu sehen. Dil Se war nicht über alle Zweifel erhaben und Fanaa ist wenigstens stringenter als jener Shahrukh-Hit - doch "Fanaa" unterliegt in Sachen Emotionen und Dramatik ganz deutlich. Besonders im Finale. Was eigentlich emotionaler Höhepunkt des Films sein sollte, liess mich eiskalt. Wenn sich das nach einem Komplettverriss anhört, dann spiegelt dies meinen Frust mit "Fanaa" wieder, der sicher kein schlechter, sondern sogar ein sehr ansehnlicher Film ist. Wenn aber so viel Talent vor und hinter der Kamera ein derart durchschnittliches Resultat erbringt, ist eine Konsternation zwingend: Tabu ist verschwendet, Lara Duttas Gastauftritt ist ein Hohn, Rishi Kapoor bleibt blass, Kiron Kher ebenso. Die Terror-Story ist auf James-Bond-Niveau angesiedelt, anstatt auf Ratnam-Level. Und die dünne Story mit ihren unmotiviert handelnden Figuren sowie den bemüht gewichtigen Dialogen macht es einem schwer, den Film zu lieben.
(gekürzte Review - alles hier nachlesen)

© Text Marco, molodezhnaja
www.molodezhnaja.ch

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Beitrag #50 - erstellt: 15. Oktober 2007
Shiva (2006)


Der erste untertitelte Release weltweit (!) von Ram Gopal Varmas Remake mit Mohit Ahlawat
erhältlich in Hindi mit deutschen Untertiteln.
Vertrieb: Rapideyemovies

Kurzbeschreibung
Mumbai versinkt in Korruption und Habgier: Gangsterboss Bappu ist zum einflussreichen Politiker aufgestiegen und verbreitet im Namen des Gesetzes Angst vor Terror. Als Inspektor Shiva nach Mumbai versetzt wird, stellt er sich Bappus Handlangern in den Weg. Von nun an steht Shiva auf der Abschussliste und muss feststellen, dass er im Kampf gegen die indische Unterwelt ganz auf sich gestellt ist. In der hübschen Reporterin Sandiyaha findet er schließlich eine Verbündete. Um Bappu ans Messer zu liefern, riskieren sie ihr Leben.

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