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Forum - Thema: Indien kann man nicht beschreiben - man muss es fühlen

Thema: Indien kann man nicht beschreiben - man muss es fühlen
Autor Beitrag


Beitrag #1 - erstellt: 28. April 2013
da bin ich mit meinem Reisebericht :) ihr dürft gerne mit hier rein schreiben und fragen stellen etc. soweit ich es beantworten kann, mache ich es :)

Indien kann man nicht beschreiben, Indien muss man fühlen.

Deutschland – Delhi – Sikandra – Agra – Fatehpur Sikri – Rathambore – Jaipur – Amber – Chomu – Surajgarh – Bikaner – Jaisalmer – Jodhpur – Ranakpur – Udaipur – Mumbai – Deutschland

Indien ist ein unglaubliches Land, dessen Gegensätze so groß sind, dass jeder, wirklich jeder, der zuvor noch nicht in diesem Land war, einen Kulturschock haben wird. Egal wie gut er sich vorher erkundigt hat.

Deutschland – Delhi 12.04/13.04

Wir waren, für meine Verhältnisse recht knapp am Flughafen. Vorher standen wir auf der Autobahn noch im Stau. Ich sag euch, ich dachte schon ich kann mir den Urlaub in die Haare schmieren. Nun, ich war bereits zu dem Zeitpunkt ziemlich aufgeregt. Ich meine, INDIEN... Hallo?? Ich würde wirklich hin fliegen und es erleben. Mit unseren Trekkingrucksäcken sahen wir schon ziemlich Backpacker-mäßig aus in Frankfurt. Ticket ausdrucken, Gepäckabgabe und dann noch die restliche Zeit totschlagen. Schnell noch einen Adapter für die Steckdosen gekauft (wohl gemerkt, nur in einem Hotel haben wir ihn gebraucht^^) und dann ging es auch schon fast los. Ich muss dazu sagen, dass kurioser Weise wirklich immer, wenn ich in Frankfurt am Flughafen bin, irgendein Teil großflächig von der Polizei abgesperrt ist.
Naja, es war ja Gott sei Dank nicht unser Terminal.
Ab ging es dann durch die Passkontrolle in den Duty-Free Bereich. Zur Sicherheit haben mein Mann und ich nochmal bei McDonalds gegessen, was wirklich nicht die schlechteste Idee war bevor wir nach Indien geflogen sind. Und dann ging es auch plötzlich ganz schnell. Boarding-Time. ENDLICH! Ziemlich viele Inder saßen mit uns im Flieger und auch unsere zukünftige Reisegruppe, die wir dort leider noch nicht gekannt haben. Die sieben Stunden und 15 Minuten Flug vergingen wirklich rasend. Dank der kleinen Bildschirme, die jeder Platz hatte konnten wir uns einen Film nach dem anderen anschauen. Das Mayachen hat sich erst einmal Barfi! angeschaut. Zur Einstimmung auf Indien.
Der Flug startete am 12.04 um ca 14 Uhr angekommen sind wir nachts am 13.04 um 0:30 Uhr Ortszeit Delhi. Und zack die erste Bekanntschaft mit einer Frau unserer Reisegruppe. Wir waren froh, dass wir uns nicht allein durch den Dschungel 'Passkontrolle und Gepäckausgabe – Indien' schlagen mussten. Obwohl man sagen muss, dass der Flughafen in Delhi wirklich sehr übersichtlich gemacht ist. Das witzige, überall liegt dort Teppich, von den Terminals bis hin zur Passkontrolle. Komisch, habe ich so an noch keinem Flughafen erlebt.
Kurz vor der Kontrolle prangen riesige Hände von der Wand, jede Handhaltung hat eine andere Bedeutung, dass hat uns wenig später unser Reiseleiter erzählt.

Indischer Boden... mein Gott. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was für ein wahnsinns Gefühl das ist, wenn man schon knapp zehn Jahre Bollywood-Fan ist und das Land sowieso überalles liebt. Wahrscheinlich könnt ihr es euch ansatzweise schon vorstellen, aber für mich war es etwas so unglaublich Besonderes, dass man das Gefühl nicht beschreiben kann. Ich war so glücklich, dass ich diesen Weg gegangen bin und mit 24 einen meiner Lebensträume erfüllt habe.

Gut, also weiter... Ab durch die Kontrolle mit unserer ersten Bekanntschaft, schnell mal auf die Koffer warten und dann raus. Und da stand er. Rajdeep, liebevoll genannt in geheimen Kreisen 'Raji' unser Reiseleiter. Ein fantastischer Typ. Er begrüßt uns herzlich mit einem Händedruck und einem 'Namaste'. Der rote Turban auf seinem Kopf und der Vollbart lassen mich zunächst erahnen, dass er dem Sikhismus angehört. Wie sich später auch bestätigt.
Und dann geht es los. Ab ins indische Leben. Raus aus dem klimatisierten Flughafengebäude, raus in die Hitze. Vielleicht etwas weniger als dreißig Grad und das mitten in der Nacht. Nachdem wir unsere Koffer/Rucksäcke in den Bus geladen hatten und alle 28 Leute der Reisegruppe einen Platz gefunden hatten, kam auch schon der Boy und hat jedem eine Flasche Wasser ausgeteilt.
Die Fahrt geht los.
Eigentlich ist man müde und man möchte sich zurücklehnen, doch es geht einfach nicht. Raj erzählt faszinierend über sich, den Busfahrer und dem Boy. Wir haben herzlich gelacht. Alle drei sind Sikhs, der Busfahrer ein streng gläubiger (dazu komme ich später noch ;) ), der Boy ohne Turban und ohne Bart, dennoch ein Sikh und unser Raji, ein Gläubiger, aber kein streng Gläubiger. Ja da gibt es tatsächlich Unterschiede, ich finde es unglaublich toll so viel gelernt zu haben.
Die Fahrt geht ca. eine Stunde durch Delhi. Raj bringt uns die Begrüßungsform 'Namaste' bei und erklärt deren Bedeutung.

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Beitrag #2 - erstellt: 28. April 2013
Er erzählt uns, dass unser Busfahrer bereits 74 Jahre alt ist und seit 50 Jahren fährt. Schock für so ziemlich alle im Bus. Sofort der Vergleich zu Deutschland. Als wir unseren Busfahrer das erste Mal richtig sehen, will keiner glauben, dass er bereits 74 Jahre alt ist. Er trägt einen größeren Turban als Raj, der Bart ist schneeweiß, Falten zieren sein Gesicht, aber er hat für uns immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Er wirkt fitter, als so manch Rentner bei uns im Bus, wie ich feststellen muss. Mein Mann und ich waren übrigens die Jüngsten in dieser Gruppe. Der Boy ist angeblich 27 Jahre alt, aber selbst Raj glaubt ihm das nicht. Naja ist ja nicht schlimm. Vielleicht ist er 24, so habe ich ihn eingeschätzt.
Am Hotel angekommen, geht alles ganz schnell. Raj teilt die Schlüssel aus, kümmert sich ums einchecken und erklärt, wann es am nächsten Tag losgeht, wo es Frühstück gibt und wie das mit unseren Koffern und den Kofferträgern läuft. Wir sind echt froh, als wir endlich auf unserem Zimmer sind, selbst, wenn wir getrennte Betten haben. Voll egal, Hauptsache Zimmer, Ruhe, Schlafen. Naja schlafen war einfacher gesagt als getan. Mittlerweile hatten wir 3 Uhr nachts, um 6 Uhr morgens sollte es schon den Wake-Up-Call geben. Wie viel habe ich von den drei Stunden geschlafen?? Keine einzige Minute. Viel zu viele Eindrücke galt es zu verarbeiten.

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'Sherlocked - Obsession'

Benedict Cumberbatch
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Beitrag #3 - erstellt: 28. April 2013
Delhi 13.04

Wir sind natürlich bereits vor dem Wake-Up-Call aufgestanden. Duschen um Wach zu werden und sich irgendwie menschlich herzurichten. Das war schwerer als erwartet dennoch haben wir es versucht. Weil wir noch eine weitere Nacht in diesem Hotel hatten, mussten wir Gott sei Dank die Rucksäcke nicht noch morgens frühs packen. Okay, das Abenteuer geht los. Bereits beim Frühstück. Anscheinend waren die armen Kellner total überfordert bei einer so großen Gruppe, oder sie haben einfach gedacht „Ach die Deutschen trinken mit Sicherheit nicht alle Tee oder Kaffee“. Tja falsch gedacht. Für 28 Leute gab es nur gefühlte zwanzig Tassen. Da mein Mann und ich einige von den ersten beim Frühstück waren, haben wir zwei Tassen ergattern können. Oh man, wenn die Inder eines nicht können, dann ist es Kaffee kochen. Der Tee schmeckt fantastisch aber Kaffee... Ihgitt Ihbah... Nein, das geht gar nicht. Wie sollte ich das nur die nächsten zwölf Tage überleben? Gewöhnungsbedürftig war auch das Frühstück. Morgens schon warm, Reis, Linsen und andere Dinge. Ich habe es leider morgens frühs nicht vertragen, mein Magen hat mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber nicht schlimm, es gab immerhin Toastbrot, gekochte Eier und etwas, was die Inder Marmelade nennen, was aber keinesfalls auch nur Ansatzweise dem deutschen Standard entspricht. Ich war mir von Anfang an darüber im Klaren, dass ich in Indien Urlaub mache, einem Land, dass nie und nimmer mit einem anderen Land auf der Welt zu vergleichen ist, deswegen habe ich mich schnell an alles gewöhnt. Anderen Leuten aus der Reisegruppe fiel das ein bisschen schwerer. Das Gemecker ging bereits morgens frühs los. Es gab so viele Miesmacher in der Gruppe, dass es manchmal keinen Spaß gemacht hat, aber dazu erzähle ich euch ganz zum Schluss meines Gesamtberichts etwas, sonst zieht es von Anfang an die Stimmung runter.
Raj lebt in Delhi, deswegen hat er diese Nacht nicht im Hotel verbracht, sondern bei seiner Frau und seinem Sohn. Er ist bereits seit 7 Jahren verheiratet, die Ehe wurde arrangiert, hat er uns erzählt. Wir waren gerade mit dem Frühstück fertig, ich habe mir noch einen der schlechten Kaffees herunter gewürgt, als er in die Lobby kam und sich dann zu uns an den Tisch gesetzt hat. Es hat keine fünf Minuten gedauert, da hatte er auch schon mein Om-Tattoo entdeckt. Wenig später haben wir dann ein Gespräch über Bollywood, Ranbir Kapoor und Rockstar geführt. Witzig sich mit einem Inder, der in Indien lebt über Bollywood zu unterhalten. Der Knoten war geplatzt, auch wenn Raj von Natur nie direkt den Kontakt zu den Leuten gesucht hat. Immer nur zu einigen wenigen, mit denen er sich über Familie und Beruf ausgetauscht hat. So schnell noch die Tasse ausgetrunken und dann stand auch schon unser Bus vor der Tür. Die Reise ging los. Raj hat ein riesiges Wissen. Es war einfach krass, wie sehr er in seinem Beruf als Reiseführer aufgeht. Man konnte ihn wirklich alles fragen und er wusste immer eine Antwort. Wir hatten ein straffes Reiseprogramm und begannen den Tag mit der Besichtigung der großen Freitags-Moschee.
Der Platz vor der Moschee ist riesig, alle hängen gespannt an Raj's Lippen, auch wenn es vor Hitze schwierig ist sich zu konzentrieren. Und auch die heißen Steine unter den nackten Füßen nicht gerade helfen ihm vernünftig zuzuhören. Während er erzählt, stellt sich bei mir das Kopfkino ein, wie muss es wohl aussehen, wenn dieser Platz über und über voll von Menschen ist, die Beten und alle im Chor, das wiederholen, was ihnen vorgegeben wird. Es muss sich unfassbar anhören und aussehen. Wir bekommen Zeit um Bilder zu machen und sich alles genauer anzusehen. Die Architektur erstaunt einen, und dabei sind wir erst bei der ersten Sehenswürdigkeit. Schriftzüge des Koran zieren den eingearbeiteten Marmor im Sandstein. Raj erzählt auch weiter, dass es hier angeblich ein Barthaar des Propheten Mohammed gibt, weswegen dieser Ort auch sehr beliebt bei Pilgern ist.
Wir sind froh, als wir wieder im klimatisierten Bus sitzen, man muss sich erst mal an die Wärme gewöhnen. Verkäufer warten am Ausgang, sie belagern uns Touris mit ihren Kleinigkeiten. Und ja die Maya hat sich direkt einen Packen Bindis gekauft. Allerdings nicht direkt bei einem Händler. Der beste Trick um günstig an diese Sachen zu kommen ist es, auf Raj zu warten, der die Sachen einmal kurz im Bus zeigt und den besten Preis aushandelt.

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'Sherlocked - Obsession'

Benedict Cumberbatch
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Beitrag #4 - erstellt: 28. April 2013
Weiter geht die Fahrt durch die Altstadt, es ist verrückt, was man alles sieht. Kaum zu beschreiben, selbst wenn man es hautnah miterlebt hat.Kaum zu beschreiben, selbst wenn man es hautnah miterlebt hat. Kabelsalat über den Häusern, die die Stromversorgung sichern soll. Aber wahrscheinlich weiß dort niemand mehr, welches Kabel wohin führt und zu wem es gehört. Einfach krass. Wir fahren durch das Viertel der Ersatzteile für Autos, jedes kleine offene Geschäft bietet etwas anderes an. Die Leute arbeiten in der prallen Sonne, zerlegen Motoren und andere Teile. Und dann kommt sie... eine so genannte Fleischerei. Ich will nicht weiter drauf eingehen, aber es war echt... Joa, man war ein Stück weit sprachlos. Fleisch, was in der Sonne hängt, unzählige Fliegen, Hühner eingesperrt in kleinen Käfigen und zwei Meter weiter wurden sie geschlachtet und gerupft. Etwas, was ich so noch nie gesehen habe. Aber okay, die Leute leben davon und allein deswegen sollte man es so akzeptieren, wie es ist. Es hungern genügend Menschen in Indien.
Das Ghandi Memorial ist ein weiterer ziemlich beeindruckender Ort. Schlicht und einfach gehalten . Schwarzer Marmor, Räucherstäbchen, ein symbolisches Feuer, orangene Blumenkränze und seine letzten Worte 'Hey Ram' zieren diese Gedenkstätte. Es ist ruhig, die Vögel zwitschern. Unser Reiseführer erzählt ein paar Dinge über Mahatma Gandhi, die ich mir unmöglich behalten kann, außer, dass Mahatma gar nicht sein richtiger Vorname ist. Sein richtiger Name ist Mohandas Karamchand Ghandi. Er wurde Mahatma genannt, ein Zusammenspiel aus zwei Wörtern Maha – Groß und Atma – Seele, 'große Seele' also. Nach einer Weile verlassen wir diesen Ort wieder und dann passiert mir das erste Kuriose auf dieser Reise.
Okay, ich hatte eine meiner weiten Hosen von meinen Salwar Kameez's an und meine Hautfarbe ist nun auch nicht unbedingt die der Inder, aber, dass ich zum Fotoobjekt werde, hätte ich nun nicht gedacht. Ich war etwas perplex, als mich ein Inder auf Englisch ansprach und fragte, ob seine Frau/Freundin ein Bild mit mir machen könnte. Öhm... joa, das habe ich dann auch freundlicher Weise gemacht. Raj erklärte, dass viele Inder die Bilder dann im Freundeskreis herumzeigen und eventuell sogar sagen, dass sie mit Europäern befreundet sind. Mir hat es nichts ausgemacht, jedesmal, wenn ich gefragt wurde, waren sie immer sehr freundlich und warum nicht? Schließlich haben wir ja auch die indische Bevölkerung fotografiert.
Dann kam das Highlight des Tages. Ein riesiger Sikhtempel. Schon wieder Schuhe aus und diesesmal das Schal, was die meisten Frauen in der Reisegruppe dabei hatten über das Haar legen um es zu bedecken. Die Männer haben ein Kopftuch bekommen. Boah, was soll ich sagen. Das war echt beeindruckend. Ein großer Tempel, der sich allein durch Spenden finanziert. Jeden Tag gehen dort an die 20.000 Menschen ein und aus, ob arm oder wohlhabend, es wird für jeden Menschen gekocht, in einer großen Küche, in der sich freiwillige Helfer daran machen, das Essen zuzubereiten. Beeindruckend so viele Gläubige zu sehen und in dieser Gemeinschaft aufgenommen zu sein, obwohl man Christ ist. Die Sikhs akzeptieren jede Religion, sie glauben an EINEN Gott und an die Lehren der zehn Gurus, die in der heiligen Schrift der Sikhs aufbewahrt sind. Dieser Tempel der Sikhs nimmt jeden Tag durch Spenden 10.000-15.000 Euro ein, unglaublich oder?

Küche Sikhtempel
Menschen über Menschen
hier liegt Guru Granth Sahib - die heilige Schrift
der Tempel von außen

Später haben wir noch das Regierungsviertel gesehen und haben einen kurzen Fotostopp gemacht. Einer der wenigen Orte in Delhi, der vom Müll verschont ist.
Am Abend waren wir in einem Restaurant essen. Richtig indisches Essen, wie man es nur in dem Land bekommt. Es war richtig lecker. Gegen 18 Uhr waren wir dann im Hotel und sind fast tot ins Bett gefallen, eine Nacht ohne Schlaf und dann kein Kaffee... Gefährliche Kombination. Wir haben geschlafen wie ein Stein.

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Beitrag #5 - erstellt: 29. April 2013
Delhi – Sikandra – Agra 14.04

Der Morgen beginnt mit Stress, Stress, an den wir uns für die nächsten zwei Wochen gewöhnen sollten. Es heißt: früh aufstehen, duschen, tageslichttauglich machen, Sachen Packen, Rucksäcke vor die Tür und ab zum Frühstück. Und wieder kein vernünftiger Kaffee, naja zumindest gibt es diesesmal genügend Tassen. Und im Bus gibt es preiswerte Cola (50 Rupien für 600ml, in den Hotels ist es teurer). Nachdem wir uns alle im Bus zusammengefunden haben, begrüßt uns unser Raji mit einem herzlichen Namaste, der ganze Bus entgegnet mit demselbigen. Er erklärt uns, dass es nicht die einzige Begrüßung in Indien ist. Anscheinend hält er uns nun für geeignet um fünf weitere Begrüßungen zu lernen. 'RamRamSa, Hare Krishna, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare'. Dieses begleitet uns nun die restlichen elf Tage jeden Morgen. Nach der Begrüßung heißt es 200km fahren in die Stadt des Taj Mahals. Man freut sich schon, 200km sind nicht viel, dann der Dämpfer von Raj: „Wir in Indien rechnen nicht mit Kilometern, sondern in Stunden. Unsere Fahrt dauert ca. fünf Stunden!“ Okaaaaaay... kein Problem, der Bus ist Klimatisiert und wir machen Unterwegs natürlich ein paar Stopps. Oder wir Raj es liebevoll genannt hat, eine Harmoniepause.

Wir fahren wieder durch Delhi, vorbei an Slums. Es ist erschreckend, wie die Menschen dort leben. Viele Kinder sind nackt und haben keine Anziehsachen, es ist dreckig und überall liegt Müll herum. Wie soll man so etwas als Deutscher verstehen? Auch wenn Indiens Bevölkerung 1,2 Milliarden Menschen zählt. Kann man nichts tun? Wirklich nicht? Die Schere zwischen Arm und Reich ist Meilenweit auseinander. Man sieht die Menschen, die Kinder, alte Männer, abgemagert, mit nichts, außer dem, was sie am Leib tragen. Ich frage mich, welche Geschichte hinter jedem einzelnen von ihnen steckt. Die Fahrt an den Slums vorbei ist Emotional, vielleicht nicht für jeden, aber gerade für mich. In was für einer Welt lebt man, wenn in solchen Teilen der Erde Menschen verhungern. Die Bevölkerung in Indien ist am explodieren, jedes Jahr werden 15 Millionen neue Kinder geboren und allein 40 Prozent der 1,2 Milliarden Inder ist unter 18 Jahren. Indien ist auf dem Vormarsch und dabei China in seiner Bevölkerung zu überholen. Was soll man also tun? Den Menschen, egal ob jung oder alt eine Chance geben oder sie weiter vor sich hin vegetieren und sterben lassen, wenn ihre Zeit gekommen ist??
(ich wollte euch an meinen Gedanken teilhaben lassen)

Die Fahrt zieht sich wirklich in die Länge, vor allem, als wir in einen Stau geraten. Staus können sich unglaublich ziehen in Indien. So ca eine Minute stand die Überlegung im Raum, ob wir auf der Autobahn (auf der auch übrigens Kühe, Radfahrer und Pferde mit ihren Reitern sind) drehen und zurückfahren sollen, doch dann war auch schon alles voll mit LKW's hinter uns. Tja, was dann kommt, seht ihr hier: KLICK (und ich sag euch, dieser Absatz mit dem Grünstreifen war wirklich hoch). Ruft euch nochmal in Erinnerung, dass unser Fahrer 74 Jahre alt ist. Ich wette niemand in Deutschland fährt so gut wie unser Singh (das ist der einzige Name, den wir von ihm erfahren haben). Nachdem wir also diese Aktion hinter uns hatten, mussten wir einen zweistündigen Umweg fahren. Dafür sehen wir aber auch viel von der Landschaft. Dass die Frauen auf dem Land die Kuhfladen sammeln und verwerten habe ich ja schon im TV gesehen, aber wenn man vor diesen Bergen von Kuhfladen Bergen von Kuhfladen steht, weiß man gar nicht, was man sagen soll. Natürlich ist diese Alternative zum Feuern unheimlich günstig für die Menschen, die wenig Geld haben und die Kuhfladen brennen wohl auch sehr lange.
Das Ende vom Lied war dann nach dem Umweg, wir haben sieben Stunden Fahrt hinter uns und sind eigentlich schon fertig, als wir kurz vor Agra in Sikandra ankommen. Wir besichtigen das Grabmal von Akbar dem Großen . Seine Geschichte ist unfassbar und unglaublich spannend. (Dank Bollywood, Hrithik und Aish hatte ich ja ein ganz kleines bisschen Ahnung, um wen es sich dabei handelt :D ). Er hatte als Moslem nicht nur eine Hindufrau geheiratet um die Religionen zu vereinen, nein, es gab neben Jodha noch zwei weitere Frauen unterschiedlicher Religionen.

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Beitrag #6 - erstellt: 29. April 2013
Affen fanden es auf dem Großen Hof vor dem Mausoleum auch ganz bequem.
Nachdem wir unsere Fotopause hatten und Akbars Geschichte annähernd kennengelernt hatten ging es weiter zu einer Festung in Agra. Das Rote Fort, eine Palastanlage aus dem 16 Jahrhundert. Wow... Man steht davor und kann es kaum glauben, dass Menschen so etwas geschaffen hatten. In einer Zeit ohne wirkliche Hilfsmittel.
Rotes Fort 1
Rotes Fort 2
fantastische Kleinarbeit
(das ist nicht gemalt, das ist alles von Hand in den Marmor eingemeißelt und die Halbedelsteine wurden von Hand in die richtige Form geschliffen und eingesetzt, unvorstellbar.)
Wo man nur hinsieht Frauen in Saris und Salwar Kameez's
Blick aufs Taj Mahal

Nach der Besichtigung geht es ab zum Hotel. Wir sind froh, als wir im Zimmer unsere Füße hochlegen können. Der Tag war mehr als anstrengend. Nun bin ich aufgeregt, denn am nächsten Tag geht es zu einem der berühmtesten und bekanntesten Liebesdenkmälern, dem Taj Mahal.
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ihr dürft gerne zwischenposten, wenn euch etwas auf der Zunge brennt, was ihr sagen möchtet.

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'Sherlocked - Obsession'

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Beitrag #7 - erstellt: 29. April 2013
Wow, ich bin schon jetzt wirklich beeindruckt und auch ein bisschen neidisch auf alles, was du dort erlebt hast...die Fotos machen den Bericht perfekt und man fühlt sich fast, als wäre man selbst dabei gewesen...Smily "smilesmile"

Ich bin schon gespannt, wie's weiter geht...Smily "wink"

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Beitrag #8 - erstellt: 01. Mai 2013
@leyla vielen Dank Smily "smile" ich gebe mir alle Mühe die Eindrücke so herüber zu bringen, wie ich es selbst erlebt habe Smily "smile"
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Agra – Fatehpur Sikri – Rathambore Nationalpark 15.04

Man kann nicht beschreiben, wie es ist, wenn man live davor steht. Man ist sprachlos, allein der erste Blick durch das Zugangstor raubt einem den Atem. Man muss es auf sich wirken lassen, man kann gar nicht darüber sprechen, man kann keine Worte für dieses wundervolle Mausoleum finden, was es auch nur annähernd beschreiben würde. Nachdem nun schon ca. drei Jahre ein riesiges Bild des Taj Mahal in meiner Wohnung hängt und immer wieder begeistert war, wenn man es angesehen hat, ist es nun hinfällig. Denn das Original ist wohl kaum zu vergleichen mit einem einfachen Bild auf Leinwand. Wir sind früh morgens schon dort. Was auch besser so war. Die Sicherheitskontrollen sind noch vollkommen frei und wir können ohne lang anzustehen hindurch. Männer und Frauen getrennt, wie so oft in Indien. Dann geht es den letzten Weg hinauf. Wir können bereits die Kuppeln über einer Mauer entdecken. Vielleicht halten es manche nur für ein einfaches Gebäude, aber für viele ist es ein Anblick, den man sein gesamtes Leben nicht mehr vergessen wird. Das Taj Mahal ... eines der neuen sieben Weltwunder. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass mich dieser Anblick nahezu erschlagen wird. Raj führt uns durch das Tor und erzählt die Geschichte. Es ranken sich viele Legenden um das Taj Mahal. So heißt es in einer, dass Shah Jahan sämtlichen Arbeitern nach Vollendung des Werkes die Hände abgeschlagen hat, damit sie kein zweites Taj Mahal bauen können. In einer anderen sagt man, dass er dem Architekten die Augen ausgestochen hat um ein weiteres Bauwerk zu verhindern. Was aber klar ist bei all den Legenden, das Taj Mahal zeugt von einer unendlichen Liebe von einem Mann zu seiner Frau, dem zur damaligen Zeit nicht nur Zuspruch entgegen kam, als er begann es zu bauen. Insgesamt zwölf Jahre arbeiteten tausende von Menschen daran. Unser Reiseführer stellt sich mit uns in den Schatten, denn bereits so früh am Morgen ist es in der Sonne heiß und fast unerträglich. Er erklärt uns einige Sachen, während doch die meisten gar nicht zuhören können, weil sie dieses Bildnis ablenkt. Der riesige komplett symmetrische Platz, das Taj Mahal aus gleißend weißem Marmor, das je nach Lichteinfall in einer anderen Farbe erstrahlt, eine Moschee, die sich direkt neben dem Taj Mahal befindet und auf der anderen Seite eine nachgebaute, nur der Symmetrie wegen, die aber nicht genutzt wurde, da sie nicht gen Mekka zeigt. Man hört die Fotoapparate klicken, man kann gar nicht aufhören zu fotografieren, hofft man doch, dass man das Taj Mahal in seiner kompletten Schönheit abgebildet bekommt. Wahnsinnig sieht es aus, als wir näher gehen. In dem Wasserbecken davor spiegelt es sich und macht den Anblick nur noch wundervoller. Sobald man hinauf geht um es sich von innen anzusehen, muss man sich Überschuhe anziehen (vergleichbar mit den Dingern ausm Krankenhaus). Und wieder diese unfassbare Kleinarbeit. Blumen aus Halbedelsteinen , Schriftzüge aus schwarzem Marmor . Nichts, aber auch gar nichts ist drauf gemalt, alles wurde in mühevoller Arbeit ausgekratzt und sämtliche Teile der Blumen und der Schriftzüge in die passende Form geschliffen. Im Mausoleum durfte man nicht fotografieren. Aber hier noch ein paar Eindrücke von außen:

Einzelheiten (dieses Marmor ist das zweit härteste Material nach Diamanten und es wurde alles von Hand gearbeitet, aus einem Stück. Die kleinen Einzelheiten sind komplett symmetrisch)
Das Taj von der Seite
Der Beweis, ich war da Smily "smilesmile"
Einfach wirken lassen

Wenn man an die unfassbare Geschichte der tiefen Liebe von Shah Jahan zu seiner Lieblingsfrau Mumtaz glaubt, dann treibt es einem fast selbst die Tränen in die Augen bei diesem Anblick. Wir gehen zurück. Mittlerweile hat sich der Platz gefüllt und Menschen über Menschen lassen sich fotografieren. Unsere Zeit ist leider um und wir haben noch fünf Stunden Fahrt vor uns. Raj erzählt, es heißt, wenn man sich auf dem Weg durch das Tor noch einmal zum Taj Mahal umdreht, wird man wieder kommen. Ich bin vorsorglich Rückwärts rausgegangen Smily "lach"
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für das Taj Mahal musste ein extra Part her Smily "smile" wir haben noch mehr gemacht an diesem Tag, das wird dann bald folgen Smily "smile"

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Beitrag #9 - erstellt: 25. Mai 2013
es geht endlich mal weiter, sorry, dass ihr so lange warten musstet
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Nachdem wir das Taj Mahal, diesen unglaublichen Ort wieder verlassen haben, fahren wir nur wenige Meter weiter zu einer alten Marmor-Manufaktur. Wir sehen uns die unfassbare Arbeit an, die die Menschen dort leisten, wie klein die Halbedelsteine sind, die sie zurecht schleifen, wir man die Figuren in das Marmor ritzt und wie es festgeklebt wird. Einfach nicht zu glauben. Diese Art der Arbeit wird von Generation zu Generation weiter gegeben. Wir sehen einen kurzen Film über diese Arbeit und werden dann eingeladen etwas zu trinken. Natürlich könnte es an eine Kaffeefahrt erinnern, aber wir sind nicht gezwungen etwas zu kaufen. (Dat Mayaschen meinte natürlich sie müsste einen Batzen Geld dort lassen^^). Feilschen ist das A und O in Indien und ehrlich? Wer es in Deutschland noch nie gemacht hat, der lernt in Indien, wie es geht. Es macht einfach Spaß mit den Verkäufern zu diskutieren und niedrigere Preise rauszuschlagen. Selbst ich hatte Spaß daran und ganz ehrlich? Ich habe in Deutschland noch nie irgendwie gefeilscht. Meine Beute: Eine Ganesha Figur und ein kleiner Buddha-Kopf. Beides aus demselben Marmor, wie das Taj Mahal. Danach geht die Fahrt weiter. Es ist heiß und kaum auszuhalten draußen. Die meiste Zeit halten wir uns im Schatten auf. Im Bus ist es natürlich immer sehr angenehm. Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren. Wir sind auf dem Weg nach Fathepur Sikri eine weiter Festung Akbars, hoch auf einem Berg gelegen. Natürlich stehen wir auf dem Weg dort hin wieder eine Zeit lang im Stau.
Aber nicht, weil irgendwo ein Unfall war, nein, sondern weil tausende von LKW's unterwegs waren und es eine Straßenkreuzung gibt, wo es von jeder Straße mindestens zwei Spuren in die selbe Richtung gab. Naja, es war ein Highlight. In Indien ist es einfach der Hammer mit dem Auto oder Bus unterwegs zu sein. Die LKW's sind bunt und geschmückt, die Fahrerhäuser sind aus Holz und die Container, die hinten dran hängen sind vollkommen überladen. UUUND das erste Mal eine große Werbung von Shahrukh. Ich hab sie extra für euch fotografiert (aus dem Bus heraus, deswegen nicht gerade perfekt xD ). Ich muss dazu sagen, dass man von ihm nicht sooooo viel in Indien gesehen hat. Ranbir und Priyanka sind einem von jeder Ecke ins Auge gesprungen, dank Pepsi-Werbung. In Mumbai sah es dann ganz anders aus, dort war die ganze Bandbreite von Schauspielern vertreten.
Fathepur Sikri, kaum sind wir aus dem Bus ausgestiegen wird man schon wieder von Händlern belagert. Dasselbe Spiel: einfach ignorieren, sonst wird man die nie wieder los. Die Festung selbst war ziemlich trist. Die Geschichte dahinter beeindruckend. Akbar lebte dort mit seinen verschiedenen Frauen, der verschiedenen Religionen. Jede einzelne hatte ihren eigenen Palast, der in ihrem Religionsstil gehalten war.
Nachdem wir die Festung verlassen haben, gehen wir zu Fuß den Berg hinunter, wo bereits unser Bus wartet. Es ist heiß... In der Sonne geht man schon fast ein. Wenn man kein Wasser dabei hat, muss man wirklich aufpassen, dass man nicht umkippt. Wobei ich sagen muss, dass ich persönlich die Hitze ganz gut vertragen hab. Ganz im Gegensatz zu manchem Rentner der mit dabei war. Weitere fünf Stunden Fahrt nach Ranthambore. Wir sind total geschafft, als wir dort ankommen. Aber das ist schon wieder vergessen, als wir mit Blumenkette und Segenspunkt begrüßt werden. Die Häuser waren toll und wir hatten einen wunderschönen Hof mit Pool, Grün, Palmen und Blumen. Als wir zum Abendessen kommen erwartet uns ein witziger Kellner, der immer wieder an die Tische gesprintet kommt und frisch gebackenes Naan-Brot verteilt. Man kam aus dem Lachen nicht mehr raus. Später im Zimmer (oh man, es war so witzig, das könnt ihr euch nicht vorstellen SO sah unser Bad aus und als ich in die Wanne geschaut habe, hat mich erst mal eine fette Heuschrecke begrüßt Smily "lach" ) kam man sich vor als müsse man in einer Sauna nächtigen. Die Sonne hatte den ganzen Tag auf diese flachen Häuser geknallt und dementsprechend hatte es sich aufgeheitzt. Die Klimaanlage war unglaublich laut, also musste sie aus und der Ventilator hat bloß die heiße Luft herumgewirbelt.
Man kann sich also vorstellen, in dieser Nacht gab es nicht wirklich viel Schlaf. Der nächste Tag war mit einer der spannendsten, die wir hatten.
Es geht auf Safari, in der Hoffnung, dass wir einen indischen Tiger sehen werden.

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'Sherlocked - Obsession'

Benedict Cumberbatch
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